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(Foto: imago/STPP)
Donnerstag, 04. Januar 2018

Herbizid in Schokocreme?: Nutella hat Ärger mit der Nuss

Von Axel Witte

13 Prozent Haselnüsse stecken in Nutella. Ansonsten besteht der Brotaufstrich vor allem aus Zucker und Palmfett. Was nicht uneingeschränkt gesund ist. Nun sorgt der Nussanteil für Aufregung, denn beim Anbau werden möglicherweise verbotene Gifte benutzt.

Nutella ist seit Jahrzehnten ein Klassiker unter den Schokocremes und landet täglich millionenfach auf deutschen Frühstücksbroten, ist aber auch für zwischendurch gefragt. Denn die klebrige Masse geht eigentlich immer. Zur Freude des Herstellers Ferrero - Nutella ist unangefochtener Marktführer bei den Nuss-Nougat-Cremes.

So sieht Nutella unverrührt aus. Quelle: Verbraucherzentrale
So sieht Nutella unverrührt aus. Quelle: Verbraucherzentrale

Über die genaue Rezeptur des Brotaufstrichs wird aus nachvollziehbaren Gründen ein Geheimnis gemacht. Klar ist nur, dass die Hauptbestandteile Zucker, Palmöl, Haselnüssen, Kakao und Magermilchpulver sind. Gerade erst sorgt eine Rezeptänderung für Aufsehen. Aber im Großen und Ganzen besteht Nutella nach wie vor überwiegend aus Zucker und Palmfett. Und zu 13 Prozent aus Haselnüssen - diese könnten nun beim Hersteller für Ärger sorgen.

Denn der Konzern soll nach einem Bericht der "Taz" den Haselnussanbau in Chile mithilfe seiner Tochterfirma AgriChile über Vertragsbauern stark ausgeweitet haben. Demnach erwirbt Ferrero unter anderem auf diese Art 90 Prozent der chilenischen Haselnussernte, um sie für seine Produkte zu verwenden. Was nicht weiter verwerflich ist und wohl unter dem Sammelbegriff Globalisierung abzuhaken ist. Unschön wird es an der Stelle, wo der Bericht unter Berufung einer Rechereche des Pestizid-Aktions-Netzwerks (RAP) Chile nahelegt, dass auf den entsprechenden Plantagen das neurotoxisch wirksame Herbizid "Paraquat" gespritzt wird, zum Teil kombiniert mit dem wahrscheinlich krebserregenden Glyphosat. Ersteres kann laut RAP zu Gesundheitsschäden wie Nierenversagen, Atemnot, Lungenschmerzen, Seh- und Leberschäden, schweren Hautverletzungen, Todesfällen sowie Embryoschädigung führen. Die Verwendung des Unkrautvernichtungsmittels wurde ob solcher Risiken in der Europäischen Union seit Jahren untersagt. 

Welche Nuss steckt in Nutella?

In Chile wird "Paraquat" hingegen als "schädlich und moderat gefährlich" eingestuft. Dessen Verwendung im Haselnussanbau ist hier erlaubt. Was, laut RAP, Auswirkungen auf eine deutliche Zunahme von Krebserkrankungen bei Menschen hat, die in Regionen mit Pestizid-intensiven Monokulturen leben. 

Ob und in welchem Umfang chilenische Haselnüsse in Ferrero-Produkten landen, ist ungeklärt. Genau wie etwaige Auswirkungen auf die Gesundheit deutscher Schleckermäuler.

Ausnahmsweise können an dieser Stelle auch die Stiftung Warentest und Öko-Test nicht weiterhelfen. Bei den entsprechenden Untersuchungen wurde nicht auf eine mögliche Pestizidbelastung getestet. Festgestellt wurde aber unter anderem, dass Nutella insgesamt mit "gut" bewertet werden konnte. Als Herkunftsland der im Produkt verwendeten Haselnüsse wurde vor zwei Jahren die Türkei angegeben. Was sich aber möglicherweise geändert haben kann, denn das Land, welche die größte Haselnuss-Anbaunation der Welt ist, hatte just kurz vorher mit frostbedingten und erheblichen Ernteausfällen zu kämpfen. Möglich also, dass Ferrero-Produkte seitdem verstärkt mit chilenischen Nüssen auskommen müssen.

Eine entsprechende Anfrage von n-tv.de bei Ferrero Deutschland blieb bisher unbeantwortet. Tröstlich für Verbraucher bleibt da zunächst nur die Tatsache, dass die Nuss-Nougat-Creme vor allem aus Zucker und Fett besteht, so dass sich eine etwaige Pestizid-Belastung durch Haselnüsse von Hause aus in Grenzen halten sollte.        

Quelle: n-tv.de