Ratgeber
Nicht zurückgezahlte Schulden können zukünftig als Verluste beim Fiskus geltend gemacht werden.
Nicht zurückgezahlte Schulden können zukünftig als Verluste beim Fiskus geltend gemacht werden.(Foto: dpa)
Donnerstag, 18. Januar 2018

Steuererklärung für 2017: So holt man mehr heraus

Wer sich die Steuer nicht von einem Berater oder Lohnsteuerhilfeverein abnehmen lässt, kann sich langsam an die Arbeit machen. In diesem Jahr können Steuerzahler sogar etwas höhere Rückzahlungen erwarten. Vorausgesetzt, sie wissen, worauf es ankommt.

Wer vom Finanzamt eine Rückzahlung erwarten kann, hat die Steuererklärung wahrscheinlich schon auf dem Zettel. Mit dem Geld ist allerdings frühestens in zwei Monaten zu rechnen. Arbeitgeber, Sozialversicherungen und andere Institutionen müssen die benötigten Daten bis Anfang März an die Finanzverwaltung übermitteln. Und früher können die meisten Steuererklärungen dann auch nicht bearbeitet werden. Trotzdem schadet es nicht, sich frühzeitig an die Arbeit zu machen, es geht immerhin um gutes Geld. Etwa 900 Euro können Arbeitnehmer im Schnitt herausholen, wenn sie ihre Steuererklärung einreichen. Und 2017 könnte für manche sogar etwas mehr herausspringen, weil der Grundfreibetrag um 168 Euro gestiegen ist und sich einige Abzugsregeln geändert haben. Die Stiftung Warentest erklärt im "Finanztest"-Magazin, worauf es ankommt.

Berufsbedingte Ausgaben

1000 Euro berücksichtigt der Fiskus schon bei der Steuerberechnung als Werbungskostenpauschale. Steuerzahler, die mehr Ausgaben für den Beruf hatten, können sich Geld zurückholen. Oft klappt das schon über die Entfernungspauschale von 30 Cent: Wer eine 5-Tagewoche hat und mindestens 15 Kilometer zur Arbeit pendelt, kommt damit schon auf 1035 Euro. Das ist übrigens unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel. Bei berufsbedingten Auswärtsterminen oder Fortbildungen kann man Reisekosten geltend machen. Anders als bei der Entfernungspauschale zählen hier Hin- und Rückfahrt. Ob auch Leiharbeiter Reisekosten ansetzen dürfen, muss der Bundesfinanzhof noch klären. Versuchen sollten sie es auf jeden Fall, denn nur so kommen sie zu einer Nachzahlung, wenn das Urteil zu ihren Gunsten ausfällt.

Auch Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung unterhalten, können auf den Bundesfinanzhof hoffen. Der prüft nämlich, ob die Kosten für die Ausstattung der Wohnung auf die maximal 1000 Euro draufgeschlagen werden dürfen, die man monatlich für Miete und Nebenkosten absetzen kann.

Wer ab Februar 2017 für den Job umgezogen ist, darf dafür eine höhere Pauschale geltend machen. Ledige können dann einfach 764 Euro in der Steuererklärung eintragen, Verheiratete das Doppelte. Lagen die tatsächlichen Kosten höher, kann man die natürlich auch ansetzen.

Fürs Arbeitszimmer gilt: Wird der Raum zu mindestens 90 Prozent beruflich genutzt, lassen sich die Kosten unbegrenzt absetzen. Wer nur einen Teil der Arbeit zu Hause erledigt, etwa Außendienstler und Lehrer, kann bis zu 1250 im Jahr Euro absetzen. Neu: Wenn sich Ehepaare ein Arbeitszimmer teilen, gilt für jeden Partner der Höchstbetrag.

Eine wichtige Neuregelung für Arbeitsmittel greift dagegen erst ab diesem Jahr: Die Abschreibungsgrenze für Neuanschaffungen steigt 2018 auf 952 Euro. Technik oder Büromöbel, die man 2017 angeschafft hat, kann man dagegen nur dann im ersten Jahr komplett absetzen, wenn sie nicht mehr als 487,90 Euro gekostet haben. Was teurer war, muss über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Gut zu wissen: Oft erkennen die Finanzämter für Arbeitsmittel bis zu 110 Euro pauschal an. Dazu sind sie aber nicht verpflichtet.

Ausgaben rund um den Haushalt

Egal, ob Handwerker, Babysitter, Putzkräfte oder Gärtner – wer Arbeitskräfte im Haus beschäftigt hat, kann 20 Prozent der Lohnkosten direkt von der Steuer abziehen. Wichtig ist nur, dass das Geld überwiesen wurde, Barzahlung lässt sich schließlich kaum nachvollziehen. Was viele Mieter übersehen: Sie können sich über die haushaltsnahen Dienstleistungen einen Teil ihrer jährlichen Betriebskosten zurückholen. Die abzugsfähigen Aufwendungen sind in der letzten Abrechnung aufgeführt.

Wichtig: Abzugsfähig sind jeweils nur die Lohnkosten, bei Handwerkern auch Maschinen- und Fahrtkosten. Sie sollten in der Rechnung einzeln aufgeführt sein. Unklar ist bislang, ob man den Kostenanteil schätzen darf, wenn das nicht der Fall ist. Auch hier hat der Bundesfinanzhof das letzte Wort.

Kinder und Unterhalt

Der Kinderfreibetrag ist 2017 leicht auf 4716 Euro gestiegen, der Betreuungsfreibetrag bleibt bei 2260 Euro. Sind die Eltern getrennt, können sie sich die Freibeträge teilen. Alleinerziehende können die vollen Freibeträge auf sich übertragen lassen, wenn der andere Elternteil weniger als 75 Prozent des festgelegten Unterhalts zahlt. Vorsicht: Bei niedrigem Einkommen kann das ungünstig sein, weil der Kinderfreibetrag mit dem Kindergeld verrechnet wird.

Wer dem volljährigen Nachwuchs finanziell unter die Arme greift, obwohl es kein Kindergeld mehr gibt, kann den Unterhalt als außergewöhnliche Belastung geltend machen. 2017 ist der Höchstbetrag um 168 Euro auf 8820 Euro gestiegen. Auch wenn man mittellose Lebenspartner oder Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis im Haushalt aufgenommen hat, kann man den Fiskus daran beteiligen.

Spenden und Kirchensteuer

Großzügigkeit zahlt sich auch an anderer Stelle in der Steuererklärung aus: Spenden können in voller Höhe von der Steuer abgezogen werden, solange sie 20 Prozent des Einkommens nicht überschreiten. Alles, was darüber hinausgeht, wird ins nächste Jahr übertragen. Wer im Wahljahr 2017 eine Partei unterstützt, kann bis zu 1650 Euro abziehen (Ehepaare das Doppelte). Was viele nicht wissen: Auch die Kirchensteuer zählt als Sonderausgabe und senkt die Steuerlast.

Aufwendungen für die Altersvorsorge

Wer in die Basisaltersvorsorge einzahlt, kann bis zu 23.362 Euro ansetzen. Dazu zählen die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu Versorgungswerken und zur Rürup-Versicherung. Für 2017 werden davon 84 Prozent anerkannt. Arbeitnehmer, die noch einen Rürup-Vertrag besparen, können allerdings nicht so viel absetzen wie Selbständige. Ihr Höchstbetrag wird um den Arbeitgeberanteil gekürzt. Riester-Sparer können bis zu 2100 Euro bei der Steuer berücksichtigen lassen. Grund- und Kinderzulage zählen hier mit.

Außergewöhnliche Belastungen

Krankheitskosten oder andere Belastungen, die weit über das Übliche hinausgehen, können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Das geht aber nur, wenn der einkommensabhängige zumutbare Eigenanteil überschritten wird. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs muss dieser Eigenanteil jetzt gestaffelt ermittelt werden. Für viele Betroffene ist das eine Erleichterung. Wie hoch die zumutbare Belastung ausfällt, können Steuerzahler beispielsweise hier herausfinden.

Quelle: n-tv.de