Ratgeber
Ein Testament muss immer leserlich handschriftlich verfasst und unterzeichnet sein.
Ein Testament muss immer leserlich handschriftlich verfasst und unterzeichnet sein.(Foto: imago/Reporters)
Montag, 20. August 2018

Vererben per Mausklick: Was taugen Online-Testamente?

Ein Testament zu erstellen, kann so einiges Kopfzerbrechen bereiten. Gut, dass Onlinedienste rechtssichere Hilfe versprechen. Doch wie gut sind die Vorlagen? Stiftung Warentest hat sich die Angebote genauer angeschaut.

Wer ein Testament erstellt, möchte vor allem Überraschungen und Streit vermeiden. Das gelingt nicht immer. So sorgen fehlerhafte oder nicht eindeutige Regelungen beim letzten Willen für Verdruss. Es kann also durchaus sinnvoll sein, sich bei der Regelung des Erbes Hilfe zu suchen. Doch die Dienste eines Anwalts oder Notars sind nicht gerade preiswert. Hier ist der Wert des Nachlasses entscheidend für das Honorar, das schnell mehrere Hundert Euro betragen kann.

Gut also, dass es im Internet nichts gibt, was es nicht gibt. So auch Online-Dienste zur Erstellung eines Testaments. Hier füllt der künftige Erblasser einen Fragebogen aus und erhält dann eine passende Testamentsvorlage aus Textbausteinen.

Die Stiftung Warentest ("Finanztest", Ausgabe 9/2018) hat sich fünf entsprechende Angebote genauer angeschaut und spielten bei der Überprüfung jeweils drei Beispielfälle durch. Die untersuchten Dienste gibt es kostenlos oder für bis zu 95 Euro. Zwei von ihnen wurden für "gut" befunden (Afilio.de/kostenlos und Smartlaw.de/ab 49 Euro), zwei mit "mangelhaft" bewertet.

Ungeachtet dessen warnt Warentest jedoch auch bei den guten Diensten vor einer allzu sorglosen Übernahme der vorgeschlagenen Erbregelungen. Vielmehr gilt es, sich nicht allein auf die von den Webseiten erstellte Testamentsvorlagen zu verlassen. Denn die Dienste informieren nicht eindeutig darüber, für welche Fälle eine Vorlage geeignet ist und für welche nicht. Das Versprechen, ein optimales Dokument wie beim Anwalt zu bekommen, können die Portale entgegen der eigenen Werbung demnach nicht einlösen.

So weist die Stiftung Warentest auf besondere Konstellationen hin, die für die Regelung des Erbes entscheidend sein können und die nur ein Fachanwalt für Erbrecht oder ein Notar kennt. Dies ist beispielsweise bei Patchworkfamilien, sehr großem Vermögen oder Erbfällen mit Auslandsbezug der Fall. Hier sollte deshalb unbedingt ein Notar oder Fachanwalt zu Rate gezogen werden. Die von den Anbietern vorgeschlagenen Bausteine könnte aber als Formulierungshilfe dienen.

Abgesehen davon muss ein Testament immer leserlich handschriftlich verfasst und unterzeichnet sein. Der Ausdruck einer wie auch immer gearteten Vorlage plus Unterschrift ist dagegen unwirksam.

Quelle: n-tv.de