Ratgeber

Vermieter drückt sich Wer muss für Schimmel zahlen?

Schimmel in der Wohnung

Grundsätzlich ist das einfachste Mittel, um Schimmel vorzubeugen, nach wie vor ausreichendes Lüften.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa)

Auch die Aufklärung über richtiges Heiz- oder Lüftungsverhalten befreit den Vermieter nicht von seinen Gewährleistungspflichten bei Schimmelbefall. Das geht aus einer Entscheidung des Landgerichts Berlin hervor.

Feuchtigkeitsschäden in Mietwohnungen sind ein häufiges Problem. Schätzungsweise 20 Prozent der deutschen Haushalte kämpfen mit Schimmel, berichtet der Deutsche Mieterbund.

Viele Vermieter sehen hier ihre Mieter in der Verantwortung und sprechen von falschem Heiz- oder Lüftungsverhalten. Allerdings gilt: Die Übergabe eines Merkblattes zum richtigen Heizen und Lüften der Wohnung befreit Vermieter nicht von ihren Gewährleistungspflichten, entschied das Landgericht Berlin (Az.: 65 S 400/15).

Tritt Schimmel in der Wohnung auf, muss ein Mieter seinen Vermieter unverzüglich informieren, am besten schriftlich. Dieser muss notfalls mit Hilfe eines Sachverständigen abklären, ob die Schäden baubedingt sind, die Feuchtigkeit von außen kommt, zum Beispiel durch undichte Stellen im Mauerwerk, oder ob ein verdeckter Wasserrohrbruch vorliegt. Erst, wenn eindeutig geklärt ist, dass kein Baumangel vorliegt, stellt sich die Frage, ob der Mieter zu wenig geheizt und gelüftet hat.

Bei Raumtemperaturen von 20 bis 22 Grad Celsius und mehrfacher Stoßlüftung am Tag kann dem Mieter kein Vorwurf gemacht werden. Der Vermieter muss dann den Mangel beseitigen. Das gilt selbst dann, wenn ein Gutachter feststellt, dass die nachts geschlossene Schlafzimmertür mit für die Feuchtigkeitsschäden verantwortlich gewesen sei. Das Landgericht Bochum stellte fest, dass das Offenhalten der Schlafzimmertür während der Nacht kein übliches, von einem Mieter zu erwartendes Lüftungsverhalten darstelle (Az.: I-11 S 33/16).

Grundsätzlich ist das einfachste Mittel, um Schimmel vorzubeugen, nach wie vor ausreichendes Lüften. Denn jeder Mensch produziert Feuchtigkeit, allein durch Atmen und Duschen entstehen pro Kopf schon drei bis vier Liter Wasserdampf in der Wohnung. Und die müssen irgendwann raus. Am besten stellt man die Fenster - nicht nur im Schlafzimmer - zwei- bis dreimal täglich für fünf Minuten auf Durchzug, das reicht in der Regel für einen vollständigen Luftaustausch. Danach dreht man die Heizung wieder etwas auf. Die Luft wirkt nämlich wie ein Schwamm und je wärmer sie ist, desto besser kann sie Wasser aufnehmen. Und das ist gewünscht, schließlich soll sich die Feuchtigkeit nicht an die Wand setzen. Auch wenn es draußen nass ist, sollte das Lüften nicht ausfallen, denn die feuchte, kalte Luft, die von draußen hereinkommt, kann noch reichlich Wasser speichern, wenn sie erwärmt wird.

Besonders schimmelanfällig sind neben den Außenwand-Ecken auch die Wände hinter Möbelstücken. Damit auch hier Luft zirkulieren kann, sollten Schränke oder Kommoden mit ein paar Zentimetern Abstand zur Wand aufgestellt werden. Oft ist das schon durch die Fußbodenleisten gewährleistet.

Quelle: ntv.de, awi/dpa