Aktien, Anleihen, Cash und GoldWohin mit 25.000 Euro im April?

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat vor allem die Preise für Öl und Flüssiggas in die Höhe getrieben. Nun droht eine steigende Inflation bei gleichzeitig schwachem Wirtschaftswachstum. Diese Entwicklung haben die Aktienmärkte noch nicht vollständig eingepreist.
Vor allem die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus ist kritisch. Vor dem Krieg im Nahen Osten passierten rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls und Flüssiggas (LNG) die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman. Täglich durchkreuzten 130 bis 135 Schiffe das Gewässer. Das traut sich zurzeit aber kaum noch jemand.
Der Iran hat schnell erkannt, dass er das Gewässer vergleichsweise einfach, aber wirksam unpassierbar machen und dadurch die Weltwirtschaft massiv unter Druck setzen kann. Seit Kriegsbeginn sind inzwischen mehr als fünf Wochen vergangen. In dieser Zeit belief sich der durchschnittliche Preis pro Barrel, das entspricht in etwa 159 Litern, auf circa 100 Dollar. Damit lag der Preis rund 50 Prozent höher als vor Kriegsbeginn. LNG hat sich sogar noch mehr verteuert.
Entscheidend ist jedoch nicht der Spotmarkt, der in diesen Preisen abgebildet wird, sondern der Terminmarkt, also zum Beispiel der Sechs-Monats-Kontrakt, der den Preis für eine Lieferung in einem halben Jahr festlegt. Allerdings ist auch dieser gestiegen und notiert seit Ausbruch der Krise bei etwa 80 Dollar je Fass.
Problematisch ist es, wenn sich die Meinung verstetigt, dass die Sperrung der Straße von Hormus nicht uneingeschränkt aufgehoben wird. Damit fehlen etwa zehn Prozent des weltweiten Öl-Angebots. Eigentlich passieren die bereits erwähnten 20 Prozent die Meerenge. Doch der Iran erlaubt nur wenigen Tankern, den Nahen Osten zu verlassen.
Iran verlangt Reparationszahlungen
Erstens ist auch der Wegfall von zehn Prozent des weltweiten Ölangebots für die Weltwirtschaft äußerst schmerzhaft. Und zweitens ist derzeit kaum absehbar, ob und wann die Meerenge von Hormus wieder geöffnet wird. Nun droht US-Präsident Donald Trump, diese wichtige Schifffahrtsroute zu schließen, sodass keine Tanker aus dem Iran und von befreundeten Staaten Öl aus dem Nahen Osten transportieren können.
Umgekehrt will Teheran Mautgebühren als Reparationszahlungen verlangen. Im Gespräch sind ein Dollar pro Fass oder mindestens zwei Millionen Dollar je Tanker. Das würde die Weltwirtschaft Milliarden kosten. Ob die Amerikaner das mitmachen, muss sich erst noch zeigen.
Selbst wenn sich die USA und der Iran zeitnah auf eine freie Durchfahrt der Meerenge einigen, war der Anstieg der Öl- und Gaspreise zu stark und hielt zu lange an, als dass die Weltwirtschaft ohne Folgen davonkommen würde. Zudem muss sich erst noch zeigen, wie lange es dauert, die durch den Krieg angerichteten Schäden an der Öl- und Gasinfrastruktur wieder zu reparieren.
Höhere Preise …
Die Inflation ist im März bereits spürbar angestiegen. In den USA kletterten die Preise im März um 3,3 Prozent - die höchste Zunahme seit fast zwei Jahren. Im Februar lag die Inflationsrate noch bei 2,4 Prozent. Vor allem der Preis für Benzin ist nach oben geschossen. Eine Gallone (etwa 3,8 Liter) verteuerte sich um rund 1 Dollar auf 4,15 Dollar. Das bedeutet einen Anstieg um fast ein Drittel.
Im Euroraum ist die Inflationsrate nach ersten Einschätzungen im März auf 2,5 Prozent geklettert, nach 1,9 Prozent im Februar. Für die Verbraucher wirkt das wie eine Steuererhöhung. Sie haben netto weniger Geld in der Tasche, was den Konsum belastet. Das wiederum bremst das Wirtschaftswachstum.
… und weniger Wachstum
In den USA wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr voraussichtlich nur um 2,3 Prozent wachsen. Das sind 0,5 Prozentpunkte weniger, als wir vor dem Krieg erwartet haben. In Europa muss die Prognose ähnlich stark nach unten korrigiert werden. Im Euroraum wird die Wirtschaft dieses Jahr voraussichtlich nur um 0,5 Prozent wachsen. Damit nähert sich vor allem Europa einer sogenannten Stagflation an, also einer Kombination aus ausbleibendem Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigender Inflation.
In China sieht die Lage spürbar besser aus. Die Volksrepublik kann ausbleibende Öllieferungen durch das Hochfahren von Kohlekraftwerken teilweise kompensieren. Hier dürfte der Konflikt im Nahen Osten das Wirtschaftswachstum kaum belasten.
Die 25.000-Euro-Frage
Stehen Anleger vor der Aufgabe, 25.000 Euro zu investieren, sollten sie den Aktienanteil auf maximal 40 Prozent begrenzen. Die Risiken eines (zu) hohen Öl- und Gaspreises haben die Börsen noch nicht vollständig erfasst. Dennoch sollte die Wall Street als der mit Abstand größte Aktienmarkt der Welt weiterhin einen Schwerpunkt bilden. Eine positive Einstellung haben wir ebenfalls zu den Aktienmärkten der Emerging Markets. Weitere 45 Prozent der liquiden Mittel sollten weltweit auf Unternehmens- und Staatsanleihen gestreut werden. Gold und Barmittel runden das Portfolio ab.
Reinhard Pfingsten arbeitet seit September 2023 als Chief Investment Officer bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. Diese Funktion übte der studierte Mathematiker bereits zuvor bei der Bethmann Bank und Hauck & Aufhäuser Privatbankiers aus.
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