Fußball

So läuft der elfte Spieltag Der ewige Letzte verdammt Schalke zum Sieg

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Wie lange noch? Schalke leidet sich von Spieltag zu Spieltag.

(Foto: SvenSimon)

Die schlechteste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten will die zweitschlechteste, den FC Schalke 04, unbedingt zum Siegen bewegen. Ob das klappt? Die Top-Mannschaften um Bayern München müssen den Champions-League-Glanz abschütteln - und im Tabellenkeller könnte es Bewegung geben.

Spiel der Woche: FC Augsburg - Schalke 04

Schalke 04 spielt schlecht. Sehr schlecht, seit Monaten. So schlecht, dass nun sogar das (noch?) schlechteste Bundesliga-Team der Geschichte, Tasmania Berlin, für den gen Abgrund wankenden Revierklub betet. Almir Numic, Präsident des Nachfolge-Amateurvereins des einstigen Bundesligisten Tasmania, der 1973 Insolvenz anmelden musste, verriet dem "Kicker", dass er inständig auf einen Schalke-Dreier hoffe. Und zwar nicht ganz uneigennützig: "Man verfolgt das schon sehr intensiv. Sobald unser Rekord in den letzten Jahren ein bisschen gefährdet gewesen war, hatten wir enorme Gratis-Werbung in ganz Deutschland".

Seit 26 Spielen hat Tabellenschlusslicht Schalke nun schon nicht mehr gewonnen - und kommt damit Tasmanias "Rekord" von 31 Duellen ohne Sieg aus der Saison 1965/66 bedrohlich nah. Diesmal heißt der Gegner FC Augsburg (Sonntag, 15.30 Uhr/wie alle anderen Partien auch live im ntv.de-Ticker). Das Team von Heiko Herrlich, das so stark in die Saison startete, fuhr in den vergangenen vier Spielen gerade mal zwei mickrige Pünktchen ein und muss nun aufpassen, nicht selbst in Schalker Tabellenregionen zu geraten. Deshalb lobte der Trainer in bekannter Manier, der Revierklub sei "stärker als den Tabellenstand" und habe "unheimlich tolle Einzelspieler, da ist Qualität vorhanden".

Sein Gegenüber, Manuel Baum, dürfte diesen allwöchentlich von respektvollen Gegnern verteilten Orden langsam satthaben. Für ihn persönlich geht es zurück zu seinem Ex-Verein und auch mit Herrlich hat er Geschichte: In der Saison 2011/12 war Baum bei der SpVgg Unterhaching Herrlichs Assistent. Vor dem Duell habe es aber "keinen Kontakt" gegeben, so der Augsburg-Coach. Während Herrlich auf den an Corona erkrankten Andre Hahn verzichten muss, kann Baum wieder auf Amine Harit bauen, der unter der Woche begnadigt wurde. "Ob er im Kader ist, ob er gleich auf dem Platz steht oder ob er eingewechselt wird", ließ der Coach noch offen.

Ob mit oder ohne Harit, die Schalker Notsituation geht auch in Augsburg weiter. Mit nur drei Punkten aus zehn Spielen und einem Torverhältnis von minus 25 stehen die Königsblauen ganz unten in der Bundesliga - haben aber immerhin den 17. aus Mainz (zwei Punkte Vorsprung) und die Bielefelder auf dem Relegationsplatz (vier Zähler vor dem S04) in Schlagdistanz. Vielleicht hilft ja der Tasmania-Effekt, um endlich die Horrorserie zu beenden. Dabei ist Tas-Präsident Numic ein wenig im Zwiespalt, wie er verlauten ließ. Einerseits hoffe er auf drei Punkte für den Revierklub, famit sein Team den Rekord behält, andererseits sei er Dortmund-Fan und "habe absolut nichts dagegen, wenn Schalke absteigt."

Was ist sonst noch los?

Zu wenig Krach von den Rängen und zu viel Lautstärke von den Trainerbänken. Zumindest, wenn es nach Bayern-Coach Hansi Flick geht. "Es ist schon so, dass sehr viel auf dem Platz zu hören ist - und auch von der gegnerischen Bank. Das ist nicht immer ganz schön. Vorher war es etwas ruhiger außen, weil die Fans alles übertönt haben", sagte er vor der Partie bei Union Berlin. Nun, der Trainer der Eisernen, Urs Fischer, wird sich gegen den Rekordmeister wegen Flick am Samstagabend ab 18.30 Uhr sicherlich nicht extra kleinlaut geben. Dennoch überlegt er dieser Tage mehr als zu sprechen: Fischer, dessen Vertrag bei den Eisernen in dieser Woche verlängert wurde, grübelt, wer bei Union den verletzten Max Kruse ersetzen kann. Flick auf der Gegenseite hat natürlich einen ganz anderen Kader zur Verfügung und will, nachdem man ungeschlagen durch die Champions-League-Gruppenphase stolziert ist, die Tabellenspitze verteidigen. Schließlich warten in den Wochen darauf die Ungeschlagenen aus Wolfsburg und Leverkusen.

Letztere sind die derzeit ersten Bayern-Verfolger und trumpften am Donnerstag in der Europa League mächtig auf (Gruppensieg, deutscher Tor-Rekord mit 21 Treffern in der Gruppenphase). Mit einem Sieg über die TSG Hoffenheim (Sonntag, 18 Uhr) würde die Werkself sogar den ersten Platz übernehmen, wenn die Bayern bei Union nicht gewinnen. Aber auch die Sinsheimer trafen gleich viermal europäisch und reisen mit Selbstvertrauen und Torjäger Kramaric nach Leverkusen.

Dahinter lauert Leipzig, die "Maschinen" (Trainer Julian Nagelsmann), die Manchester United in der Champions League ausschalteten. Für den Trainer des Gegners aus Bremen, Florian Kohfeldt, sind die Roten Bullen "die formstärkste Mannschaft Deutschlands". Ungleicher könnte die Partie (Samstag, 15.30 Uhr) dann auch nicht daher kommen, denn Werder ringt nicht nur um die eigene Form, sondern hat auch sieben sieglose Spiele in Folge auf dem Konto. Neben Niclas Füllkrug und Milot Rashica fällt nun auch noch Stürmer Davie Selke mit Oberschenkelproblemen aus. Die Bremer Offensiv- und Kreativmiserie dürfte ein neues Kapitel schreiben.

Zur gleichen Zeit misst sich am Samstag Borussia Dortmund mit dem starken Aufsteiger VfB Stuttgart. Nach dem 2:1 in der Königsklasse gegen Zenit St. Petersburg wird wohl Marco Reus (zuletzt 90 Minuten auf der Bank gegen Frankfurt) auch wieder in der Bundesliga aufs Feld dürfen, wenngleich er derzeit noch nach seiner Form sucht. Der Einsatz von Mats Hummels und Thorgan Hazard ist dafür noch unklar. Der VfB, der nach der Auftaktniederlage gegen Freiburg lediglich das Spiel gegen die Bayern verloren hat, fährt derweil ausgeruht nach Dortmund und schielt auf die internationalen Plätze.

Diese Ränge will Borussia Mönchengladbach natürlich verteidigen. Der erstmalige Champions-League-Achtelfinalteilnehmer konzentrierte sich nach dem 0:2 bei Real Madrid auf die Tablet-Bildschirme, um das entscheidende 0:0 im Parallelspiel mitzubekommen - muss nun aber am Samstagnachmittag den Fokus vom Ipad auf ein erstarktes Hertha BSC (Unentschieden gegen Leverkusen, Sieg im Stadtderby) lenken. "Es gab keine Zeit zum Genießen", sagte Trainer Marco Rose vor der Partie: "Wir wollen Energie aus dem Erfolg mitnehmen. Wir haben aber auch den Finger in die Wunde gelegt, weil wir in der Bundesliga dranbleiben wollen und müssen."

Des Weiteren hofft der 1. FSV Mainz 05 den Heimfluch zu beenden (noch kein Sieg im eigenen Stadion) und damit den 1. FC Köln im direkten Duell zu überholen. Ein zweites Kellerduell gibt es beim SC Freiburg (beide Samstag, 15.30 Uhr). Arminia Bielefeld reist nach dem ersten Saisonsieg seit Spieltag zwei mit Selbstbewusstsein in den Breisgau und will den Relegationsrang verlassen.

Was war am Freitagabend los?

Vor allem mal wieder Wout Weghorst. Die niederländische Tormaschine benötigte nur zwölf Minuten für ihre Saisontreffer acht und neun - und lässt den VfL Wolfsburg von der Champions League träumen. Weghorst räumte kurz vor Schluss Eintracht Frankfurt mit 2:1 (0:0) aus dem Weg und sein Team bleibt damit ungeschlagen. Die Eintracht hingegen wartet nun schon seit mehr als einem Monat auf ihren dritten Saisonsieg.

Den vollständigen Spielbericht finden Sie hier.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich habe mir schon die Champions-League-Hymne runtergeladen, damit ich die vor dem Spiel hören kann."
Werder-Trainer Florian Kohfeldt über den Beginn der 'europäischen Woche' der Hanseaten - nach der Partie bei RB Leipzig kommt mit Borussia Dortmund eine weitere Topmannschaft an die Weser.

Ähnlich musikalisch gab sich Julian Nagelsmann vom Gegner aus Sachsen bei einer Frage über die am Montag anstehende Auslosung des Achtelfinals der Champions League und seine Wunschgegner:
"Real Madrid und Juve haben schöne Hymnen. Vielleicht wird es eine der beiden Mannschaften. Werder Bremen hat auch eine schöne Hymne. Die singe ich immer mit."

Quelle: ntv.de