Fußball

So läuft der 27. Spieltag Eine letzte Erinnerung an Bayerns Albtraum

imago0044224226h.jpg

War mal was? Hansi Flick coachte die Bayern-Elf zurück zum Erfolg.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Gerade einmal eine halbe Saison ist Niko Kovac weg vom FC Bayern - es scheint als wäre Hansi Flick schon ewig der Trainer. Beim BVB macht's Lucien Favre schon länger, Erfolg klappt auch ohne große Liebe - seine Profis gieren nach Großem.

Was macht der Tabellenführer aus München?

Bei dem wird Manuel Neuer im Bayern-Tor stehen. Das gilt nicht nur für das Spiel am Samstag (18.30 Uhr im ntv.de-Liveticker) gegen Eintracht Frankfurt, sondern auch für viele weitere Partien. Der Ärger des 34-Jährigen ist verflogen, es herrscht eitel Sonnenschein in München, der Vertrag ist bis 2023 verlängert. Für Alexander Nübel sind das freilich keine guten Nachrichten, er wird sich auf der Schalke-Bank königsblau ärgern. Deutlich näher dran ist dann Franz Beckenbauer. Der 74-Jährige wird sich das Spiel nämlich in der Geister-Allianz-Arena anschauen. "Ich werde das Geisterspiel genießen und mich ganz auf die Aktionen auf dem Platz konzentrieren", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Sonst werde ich immer wieder gefragt: 'Franz, wie hast du das gesehen?' Dabei mag ich es viel mehr, Fußball zu schauen ohne viel reden zu müssen."

Der Ehrenpräsident des FC Bayern ist einer von acht Personen einer Bayern-Delegation, dafür verlässt er "nach längerer Zeit mal wieder die häusliche Umgebung". Wohl bekommt's! Das Hinspiel hat er hoffentlich verdaut, das endete bekanntlich mit einer 1:5-Klatsche - und war das Aus für Niko Kovac. Damals waren die Bayern Tabellen-Vierter, hatten nach zehn Spielen vier Punkte Rückstand auf den Ersten, Borussia Mönchengladbach. Einen kurzen Ausreißer nach unten außer Acht lassend, entpuppte sich Nachfolger Hansi Flick als Glücksgriff für die Münchner. Der Weg zurück an die Tabellenspitze wurde mit einem Vertrag als Cheftrainer belohnt.

Sehr wahrscheinlich, dass das Spiel diesmal nicht mit einem Frankfurter Kantersieg enden wird. Vor allem, weil die Eintracht ihre Schwächephase von vor der Corona-Pause zum Restart fortsetzte. In den vergangenen vier Bundesliga-Partien gab es keine Punkte, zuletzt beim 1:3 gegen Gladbach. Die Bayern dagegen sind seit zwölf Spielen ungeschlagen. Tipp: 4:1

Bleibt der BVB auf den Fersen?

imago0047039338h.jpg

Can und Brandt - zusammen zur Meisterschaft?

(Foto: imago images/Sven Simon)

Beim nächsten Gegner von Borussia Dortmund (Samstag, 15.30 Uhr) herrscht Aufregung. Derart, dass in Wolfsburg sogar die Autos in der neben dem Stadion angelegten Autostadt von VW wackeln. So stellen wir uns das zumindest vor, wenn VfL-Trainer Oliver Glasner in der Pressekonferenz vor dem Spiel sagt: "Ich bin gestern im Training mal etwas lauter geworden, weil ich nicht ganz so zufrieden war." Das "oberste Level" hätten seine Spieler nicht erreicht. Gegenwehr? Nicht erlaubt. "Das war keine Diskussion, das war ein Monolog", stellt Glasner klar. Dabei könnten die Niedersachsen doch eigentlich zufrieden sein, schließlich sind sie seit sieben Partien ungeschlagen und liegen mit Platz sechs auf Europa-Kurs. Doch es geht eben gegen den BVB. Und der war am vergangenen Spieltag das achte Mal in neun Rückrundenspielen siegreich. Platz zwei - davon können sie in Wolfsburg nur träumen.

Für die Dortmunder allerdings ist das kein Traum. Sie wollen mehr, die Bayern ärgern, den Meistertitel holen. Vier Punkte Rückstand haben sie auf den amtierenden Meister. "Wenn du nicht weit vom Ersten entfernt bist, musst du natürlich versuchen mit aller Macht noch vorbeizukommen", sagte Julian Brandt. Kollege Emre Can formulierte es noch drastischer: "Ich bin zum BVB gewechselt, weil ich Titel gewinnen will. Ich bin nicht gekommen, um den zweiten Platz hinter Bayern zu festigen. Unser Ziel beim BVB ist es, vor Bayern zu landen." Dass im vertagten Saison-Endspurt gleich mehrere Spieler - darunter Kapitän Marco Reus - verletzt ausfallen, scheint überraschend kein Problem. Die zweite Garde ist nämlich der heimliche Gewinner 4:0-Kantersiegs im Revierderby gegen den Erzfeind FC Schalke 04. Vier Tore, die zum neuen Vereinsrekord beigetragen haben. 72 Treffer hat der BVB nach 26 Partien auf dem Konto - so viele wie nie zuvor. Umso beeindruckender, als dass 66 Tore aus dem Spiel heraus erzielt wurden. Auch Erling Haaland sei dank, der als erster Schütze nach der Corona-Pause in die Statistik eingeht und gegen Wolfsburg sicherlich nicht zurückstecken will. Tipp: 3:1 - Haaland trifft

Wer schnappt sich die Champions League?

imago0047272638h.jpg

Unter anderem Jonas Hofmann sitzt auf der Gladbacher Tribüne.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Bayern hin, Dortmund her. Das aufregendste Spiel des Spieltags steigt bei Mönchengladbach (Tabellen-3.) gegen Bayer Leverkusen (Tabellen-5.). Die Gäste kloppen, nein, hämmern gegen die Tür zu den Champions-League-Rängen, die Mannschaft von Marco Rose will sie mit aller Macht verrammeln. Oder ist ihnen in Gladbach bald egal, wer Vierter wird? "Natürlich wäre es ein Traum, am Ende der Saison ganz oben zu stehen - was soll ich anderes sagen? Wir sollten uns aber erst mal auf unsere Leistung konzentrieren", sagte Verteidiger Rami Bensebaini dem "Kicker". Angesichts von sechs Punkten Rückstand auf den FC Bayern eine sympathisch offensive Ansage. So eben, wie der ganze Klub schon die ganze Zeit durch seine so erfolgreiche Saison geht: offensiv mit großen Zielen und harter Arbeit.

"Wir haben eine tolle Mannschaft und in dieser Saison schon einige gute Spiele gemacht", erinnert Bensebaini. "Unterstützt" wird die Mannschaft von rund 13.000 Pappkameraden: "Das ist fantastisch. Man hat tatsächlich das Gefühl, dass man nicht allein ist, wenn man im Stadion trainiert", freut sich Rose über den Heimvorteil durch die großformatigen Fanbilder auf den Rängen.

Und die Borussia braucht wirklich ein weiteres gutes Spiel und jede Hilfe, die sie organisieren kann. Denn nach oben will auch Bayer Leverkusen - und Trainer Peter Bosz dirigiert eine der heißesten Truppen der Liga. 16 der letzten 18 möglichen Punkte krallten sich der laut Bosz "besondere Spieler" Kai Havertz und seine Kollegen. Das beeindruckt schon an sich, Sorgen sollte der Liga aber auch die Ansage bereiten, dass Havertz "es noch viel besser kann" als am Montag in Bremen - wo der junge Mann doppelt traf. Havertz steht damit stellvertretend für die ganze Mannschaft: Man hat sich an große Auftritte schon gewöhnt. Deshalb kann man selbstbewusst "auch den Anspruch stellen, dass wir in Mönchengladbach drei Punkte holen werden", wie der von Halb-Europa bewunderte Havertz sagte.

"Tolle Mannschaft" gegen gewöhnliche Extraklasse in einem Spiel, in dem es um mehr als um drei Punkte geht: ein Leckerbissen mit Ansage. Die Statistiken nähren denn auch die Hoffnungen auf ein schönes Spiel: Spielstarke Gladbacher erzielten 16 von 19 Rückrundentoren aus dem Spiel, bei Bayer sind es sogar 22 von 26. Tipp: 2:2 - alle gewinnen.

Und sonst so?

SC Paderborn - TSG 1899 Hoffenheim: Es sieht so aus, als würde der SC Paderborn seine Reihe fortsetzen. In den vergangenen fünf Jahren stiegen sie immer entweder auf oder ab. Nun ist in der Bundesliga kein Aufstieg mehr möglich, bleibt also nur eine Alternative. Und ja, Paderborn ist Tabellenschlusslicht. Mittlerweile trennen die Ostwestfalen zehn Punkte von einem Nicht-Abstiegsplatz - nicht nur, weil da auch noch die Spiele gegen Dortmund, Leipzig und Gladbach warten ein ziemlich heftiges Unterfangen. Besser läuft's für den aktuellen Gegner, die TSG liegt auf Platz neun, nur vier Punkte trennen sie vom Sechsten, Wolfsburg. Das Hinspiel war übrigens der höchste Sieg der Hoffenheimer in dieser Saison (3:0). Mal sehen, ob der Sieg auch diesmal nach 26 Minuten feststeht. Tipp: 0:2

5cbd524b390e53277eb26cc8be695a0c.jpg

Kohfeldt gibt sich unerwartet selbstbewusst.

(Foto: imago images/Kirchner-Media)

SC Freiburg - SV Werder Bremen (beide Samstag, 15.30 Uhr): "Ich bin nach wie vor der Beste auf dieser Position." Das sagt Florian Kohfeldt über sich. Er ist Trainer von Werder Bremen, dem Tabellen-17. Und steht heftig in der Kritik: "Das tut weh, das tut richtig weh, wenn man von Leuten über Medien kritisiert wird, die ansonsten freundschaftlich jovial rüberkommen, aber selber keine Verantwortung übernehmen." Die Verantwortlichen seines Klubs aber weiß er hinter sich, der 37-Jährige bleibt auch Trainer, sollte das achte Spiel in Folge sieglos enden. "Mit ihm als Trainer haben wir die größte Wahrscheinlichkeit, dass wir die Klasse halten", sagt nämlich Sport-Geschäftsführer Frank Baumann.

In Freiburg dagegen arbeitet der mit Abstand dienstälteste Trainer der Bundesliga - und an Christian Streich zweifelt niemand. Warum auch? Zum Restart trotzen die Freiburger RB Leipzig ein 1:1 ab, vor der Corona-Pause siegen sie gegen Union, Platz sieben ist nach wie vor eindrucksvoll. Und wenn Nils Petersen dann auch noch über Geisterspiele sagt: "Man kann sich Dinge zutrauen, weil keine 20, 30, 40.000 Zuschauer im Stadion sind, die das vielleicht nicht gut finden, wenn man was versucht und vielleicht auch mal den Ball verliert." Dann sollte die Bremer eher sorgenvoll auf die Begegnung mit ihrem Ex-Stürmer gucken. Tipp: 2:0

FC Schalke 04 - FC Augsburg (Sonntag, 13.30 Uhr): Wir gehen davon aus, dass Heiko Herrlich etwas aus seinem Zahnpasta-Ausflug gelernt hat. Der Augsburger Coach wird vermutlich ganz brav die Hygienemaßnahmen der DFL eingehalten haben - schließlich ist er kurz davor, endlich sein Debüt auf der Bank feiern. Mit dem Tabellen-14. Augsburg trifft er auf den Achten vom FC Schalke 04. Sein Team hat zehn Punkte weniger auf dem Konto als die Schalker - eigentlich klingt das nach einer klaren Nummer.

Doch während die Augsburger seit sechs Partien sieglos sind, warten die Gelsenkirchener sogar schon seit acht Spielen auf einen Sieg. So lange wie kein anderes Team. Und dann gab es zuletzt auch noch die 4:0-Schmach im Geister-Revierderby. Vor allem Offensiv wird es wohl kein Feuerwerk geben. Die Augsburger trafen in den vergangenen acht Partien sechsmal, das Team von Trainer David Wagner sogar nur zweimal. An keinem der beiden Tore beteiligt war FCA-Leihgabe Michael Gregoritsch. Ob sich das gegen seinen eigentlichen Arbeitgeber ändert? Tipp: 1:1

imago0044203625h.jpg

Timo Werner hatte im Hinspiel recht solide performt: Drei Tore, drei Vorlagen.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

FSV Mainz 05 - RB Leipzig (Sonntag, 15.30 Uhr): Sabitzer, Werner, Nkunku, Halstenberg, Poulsen, Werner, Mukiele, Werner - in dieser Reihenfolge brach das große Unglück über den 1. FSV Mainz 05 im Hinspiel gegen ein entfesseltes RB Leipzig herein. Das 8:0 war für beide Teams historisch: bundesligahistorisch deutlich. Man darf sich nicht zu sehr für die Erkenntnis feiern lassen: Diesmal wird es enger. Mainz-Trainer Achim Beierlorzer, selbst mit reichlich RB-Vergangenheit ausgestattet, weiß aber auch: "Wir müssen wahnsinnig viel richtig machen, noch mehr als in Köln. Und RB sollte keinen Sahnetag erwischen." Das verriet er dem Portal "Sportbuzzer". Im Hinspiel hatte man alles falsch gemacht und ging im RB-Wirbel einfach unter.

Leipzig konnte keiner der drei letzten Bundesligaspiele gewinnen, statt um die Meisterschaft zu spielen, geht es inzwischen nur noch darum, die erneute Champions-League-Qualifikation abzusichern. Die muss es aber auch sein, wie RB-Boss Oliver Mintzlaff mit Blick auf die anstehende Umbaumaßnahmen (am Stadion, nicht am Kader) schon leicht nervös der "Sport Bild" verraten hat: "Diese Langfristprojekte können wir im geplanten Zeithorizont nur umsetzen, wenn wir wieder die Champions League erreichen", sagte Mintzlaff."Jeder muss verstehen, dass wir unserem Ziel alles unterordnen, denn der Wiedereinzug in die Champions League ist ein sportliches Pflichtziel." Tipp: Es wird nicht nur knapper, es reicht sogar zu einem Punkt für Mainz - 1:1

imago0046560716h.jpg

In Düsseldorf noch nie gern gesehen: Jubelnde Kölner.

(Foto: imago images/Uwe Kraft)

1. FC Köln - Fortuna Düsseldorf (Sonntag, 18 Uhr): Bei der letzten Spielansetzung dieser Art traf noch Toni Polster beim 2:0 für Köln. Im Februar 1997 war es, seitdem gab es kein Bundesliga-Duell der beiden Klubs in Köln. Am Ende der Saison wurde der Effzeh Zehnter, auf demselben Platz stehen sie auch jetzt. Manches spricht dafür, dass es dabei bleibt: Seit dem Trainerwechsel zu Markus Gisdol präsentiert sich der Aufsteiger als würdiger Bundesligist, mit dem Abstieg wird man wohl nichts mehr zu tun haben - obwohl der Geißbock-Klub "im Winter ja mausetot schien", wie Effzeh-Idol Dieter Müller es beschreibt. Das etwas leichtfertig verspielte 2:0 vergangene Woche gegen Mainz, als man doch noch Punkte abgab, ist eher die Bestätigung der Regel.

Fortuna Düsseldorf stieg damals am Ende der Saison übrigens ab. Es spricht manches dafür, dass sich die Geschichte auch hier wiederholt. Tipp: Der 1. FC Köln wird auch diesmal wieder seinen Teil dazu beitragen - und gewinnt nochmal 2:0.

Quelle: ntv.de