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So läuft der 5. Bundesliga-Spieltag Pep liebt, Darmstadt wischt, Kampl kann's

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Guardiola und Götze: "Love is in the air"

(Foto: imago/MIS)

Beim FC Bayern wird "Love is in the air" wohl bald zur Kabinenhymne. Die Darmstädter-Grüßonkel-Riege will die Harmonie an der Isar stören. Über Hamburg droht trotz guter Wetterprognose ein Orkan hinwegzufegen und "Effe" ist in Sorge.

Was macht Guardiolas FC Bayern München?

Lassen wir den FC Bayern München mal kurz links liegen. Kümmern wir uns stattdessen nur um den Trainer. Denn Pep Guardiola hat uns diese Woche interessante Einblicke in sein Privatleben gegeben. Er ist "in love" und, Obacht, mit wem? Mit einem Weltmeister. Und wer kann das nur sein? Fließbandknipser Thomas Müller - nach seinem abgerutschten Flanken-Schuss-Heber-in-den-Knick-Geniestreich? Nein! Es ist, tatatata, Mario Götze! Ja, sapperlot! "Ich liebe ihn", erklärte der Katalane nach dem 3:0-Erfolg seines Teams in der Champions League gegen Olympiakos Piräus. Nach dem frischen Liebesaus von Gündogan und Sahin ist das eine wunderbare Nachricht für Fußballfans.

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Verrückt ist es aber auch, wie kommt es denn dazu? Ist Götze bei Guardiola doch eher Kandidat für das Amt des ersten Bankwärmers als für die Stammelf. Doch die Erklärung ist ganz einfach: "Weil er ein super Mensch und super Typ ist." Okay, klingt nachvollziehbar. Doch warum darf sich der Verehrte bei den Bayern nur selten durch des Gegners Defensive dribbeln, Herr Guardiola? "Ich habe Lewandowski, Thomas Müller und viele andere." Gut, stimmt auch. Und wie lösen wir jetzt das Dilemma zwischen Liebe und gelebter Zuneigung? Pep verweist auf die Zukunft, Götze werde viel spielen, die Saison sei ja lang. Sehr schön, Problem gelöst.

Kommen wir daher wieder zum FC Bayern München zurück, der muss am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) nach Darmstadt. Und während Götze einmal mehr auf einen Startelf-Einsatz hofft, wischen die Lilien am "Bölle" nochmal feucht durch. Haben sie schließlich angekündigt und das gehört sich auch so, wenn die beste Mannschaft der Welt, als diese hat SVD-Coach Dirk Schuster die Bayern ausgemacht, zu Gast ist. Und während sie die Heimspielstätte mit Putzlappen und Eimerchen auf Rekordmeisterglanz polieren, werden die sportlichen Ambitionen vom Coach eher devot formuliert: "Es wäre das Normalste auf der Welt, wenn die Bayern mit drei Punkten im Gepäck nach Hause reisen würden. Aber wir werden versuchen, sie ein bisschen zu ärgern. Wir wollen nicht die Grüßonkels auf dem Platz sein."

Wer ist der größte Bayern-Spielverderber?

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Macht wieder Späsken, der BVB, wa?

(Foto: imago/nph)

Ja, manchmal ist es an der Zeit, sich die eigenen Fehler einzugestehen. Unsere Sportredaktion war felsenfest davon ausgegangen, dass die Meisterschaft spätestens nach dem 4. Spieltag vorentschieden ist. Es konnte ja auch niemand ahnen, dass der Sabbat-Tuchel den Mittelmaß-Schwarzgelben wieder Spitzenreiterenergie geben würde. Also: Die Kategorie "Was machen die Verfolgerchen" ist gestrichen, stattdessen fahnden wir nun jeden Spieltag nach dem größten Bayern-Spielverderber. Und das sind natürlich, bleiben wir tief im Westen, die Dortmunder. Klammern wir den 2:1-Zittersieg gegen Krasnodar vom Donnerstagabend einmal aus, dann bleibt das frühe Saison-Fazit: Ker, wat macht dat widda Späsken nache Borussia zu geh'n. Die wirbeln, die fummeln, die treffen die Hütte. Wat willse mehr? (Kurze Anmerkung: Das sind keine Tippfehler, der Autor hatte einen kurzen Moment sprachlicher Heimatgefühle).

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Der macht das gut, bei Bayer: Am Sonntag geht's für Kevin Kampl zurück an alte Wirkungsstätte, ob's da auch noch läuft?

(Foto: imago/Team 2)

Am Sonntag will die Tuchel-Elf im eigentlichen Topspiel der 5. Runde die nächste Heimparty feiern. Zu Gast ist ab 17.30 Uhr Bayer Leverkusen. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen, zuletzt daheim gegen Darmstadt ein bisschen in die Saison gerumpelt, haben sich die Rheinländer unter der Woche in der Champions League neues Selbstvertrauen geholt. Einer kleinen Erbse und einem blondierten Duracell-Häschen sei Dank. Sie verstehen nur Erbse und Häschen? Nun, wir klären gerne auf: Die Rede ist von den jüngsten Neuzugängen der Schmidt-Elf, dem Mexikaner "Chicharito", die "kleine Erbse" genannt, und Kevin Kampl, ehemaliger unglücklicher Dauerläufer von Borussia Dortmund. Angetrieben von diesem unermüdlichen Duo gewann Bayer recht mühelos gegen Bate Borrisow mit 4:1. In einschlägigen Medien wie dem "Kicker" oder der "Bild" wurde Kampl fast bis in den Himmel gelobt. Und selbst Coach Schmidt sah sich in der Lage, dem schmächtigen Mittelfeldmann ein Kompliment auszusprechen und gleichzeitig dem nächsten Gegner einen kleinen Seitenhieb zu verpassen: "Ich glaube, Kevin hat schnell gemerkt, hier Vertrauen zu spüren. Dies hilft ihm befreit aufzuspielen. Er kann so spielen, wie es seinen Qualitäten entspricht." Kampl kann's, aber auch in Dortmund?

HSV: Lachnummer oder Auferstehung?

Die Wetterprognose für Hamburg am Samstagnachmittag: 17 Grad, Sonne, ein paar Wolken und eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von 15 Prozent. Nichts Unheilvolles also. Und trotzdem haben viele Fans an der Elbe Angst vor einem wütenden Orkan. Der kommt aus der Mitte Deutschlands und trägt den Namen Eintracht Frankfurt. In den vergangenen zwei Spielen hinterließ die hessische Offensive Spuren der Verwüstung in des Gegners Abwehrreihen: Viermal stürmten die Angreifer von Coach Armin Veh am 3. Spieltag erfolgreich aufs Tor der Schwaben, die Kölner traf's eine Woche später beim 6:2 noch schlimmer.

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Alex Meier und der HSV? Aus Sicht des Frankfurters eine gute Kombination.

(Foto: picture alliance / dpa)

Und seit dem Kantersieg gegen den "Effzeh" ist die ohnehin schon stark besetzte vorderste Reihe der SGE mit Luc Castaignos und Haris Seferovic mit dem letztjährigen Torschützenkönig Alex Meier noch besser aufgestellt. Und der HSV, der liegt diesem Meier. Sieben Tore erzielte der 32-Jährige bereits gegen seinen Ex-Klub. Für alle, die sich nicht mehr erinnern: In der Jugend trug er von 1995 bis 1998 und 1999 bis 2001 das Trikot mit der Raute und in der Saison 2003 bis 2004 durfte er sich vier Mal als Profi beweisen. HSV-Coach Bruno Labbadia juckt das alles freilich wenig. Der freut sich lieber darüber, dass seine Mannschaft endlich wieder Bundesligaformat hat: "Wir haben heute Fußball gespielt", lobte er nach dem 3:0-Erfolg gegen Gladbach zum Auftakt des 4. Spieltags. Und er hat noch mehr Grund zur Freude. Stellte sich die Mannschaft nach seiner Rückkehr im April aus Gründen mangelnder Qualität fast von alleine auf, gibt's in dieser Saison für Labbadia echte Härtefälle: Ivica Olic, Marcelo Diaz, Zoltan Stieber, Michael Gregoritsch, Sven Schipplock und Gotoku Sakai sitzen derzeit auf der Bank. Ein interessanter Fakt, den der "Kicker" rausgefunden hat: Diese Spieler zusammen kosteten den HSV im Zeitraum eines Jahres fast zwölf Millionen Euro Ablöse - eine ganz schön teure Ersatzbank, die sich der klamme Klub da leistet.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Brisant, na klar, wird's am Rhein. In der Karnevalshochburg am Dom trifft der von Mönchengladbacher Fans verhasste "Effzeh" auf die von Kölner Anhängern verhasste Borussia aus Mönchengladbach. Ein Spiel, bleiben wir beim Thema, das Polizisten so gar nicht glücklich macht. Pyrotechnik, Ausschreitungen, als was der Schutzmann nicht mag, gehört zum Derby-Repertoire. Doch in diesem Jahr wird alles vielleicht nur halb so wild. Denn die Gladbacher Fans wollen das Spiel boykottieren. Grund dafür sind die Repressionen aufgrund der FC-Fan-Randale im Februar im Borussia-Park. Und weil selbst einige Kölner die Repressionen als zu hart empfinden und sich mit den Verhassten verbünden, bleiben wohl nicht nur einige Plätze leer. Auch der "organisierte Support" dürfte ausbleiben. Schade eigentlich, dass das Derby unter solchen Vorzeichen steht, denn sportlich ist die Ausgangslage knackig. Die Gladbacher sind derzeit in einer fürchterlichen Verfassung und Ligaletzter. Kölns Trainer Peter Stöger will "die schwierige Phase der Gladbacher ausnutzen." Ex-Borusse Stefan Effenberg ist dagegen in großer Sorge. Er hoffe zwar, dass die Gladbacher den Bock im Derby umstoßen. "Aber so wie sie sich präsentieren, ohne Selbstvertrauen und mit Selbstzweifeln, habe ich ein ganz schlechtes Gefühl."

Den ersten Anpfiff erlebt der Spieltag an diesem Freitagabend in Mainz, wenn 1899 Hoffenheim zu Gast ist. Deren Coach Markus Gisdol wartet zwar noch immer auf das erste Erfolgserlebnis der Saison, verschwendet aber dennoch keinen Gedanken daran, dass die branchenüblichen Mechanismen auch ihn bald treffen könnten: "Ich spüre nichts Negatives. Ich bin mir sicher, dass wir unseren Weg noch lange miteinander gehen können." Und was passiert sonst noch? In Wolfsburg arbeiten Julian Draxler, Max Kruse und "Slayer" André Schürrle sehr zum Leidwesen der Hertha aus Berlin weiter erfolgreich an der Harmonisierung ihrer Offensivqualitäten. In Bremen interessiert sich eigentlich niemand dafür, dass der starke Aufsteiger aus Ingolstadt zu Besuch kommt, weil Claudio Pizarro ja da ist.

Für welchen Trainer wird es eng?

Machen wir's kurz: Gladbach ist Letzter, aber Trainer Lucien Favre laut Sportdirektor Max Eberl - was für ein Wort - "unrauswerfbar". Stuttgart, nur einen Platz besser, bekennt sich, oder wie man das so nennt, zum Coach: "Wir haben Vertrauen in Alexander Zorniger." Bleibt also nur noch der unangefochtene Kategorie-Platzhirsch: Michael Frontzeck. Seine Lage, wir könnten an dieser Stelle den Text von vergangener Woche wiederholen, ist nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund und vor dem Spiel beim FC Augsburg unverändert. Sorry, ist nichts Persönliches, ist halt leider so.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Im Leben und im Fußball geht es schnell nach oben und schnell nach unten. Irgendwann kommt wieder etwas Licht, vielleicht brauchen wir Geduld." Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre wird in Zeiten magerer Punktausbeute zum Philosophen.

Quelle: n-tv.de

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