Fußball

So läuft der siebte Spieltag Stinken die Bayern doch anders als der Rest?

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Dortmunds Hans-Joachim Watzke verordnet seiner Mannschaft Liebe.

(Foto: imago images / Thomas Bielefeld)

Der FC Bayern will die frisch erspektakelte Euphorie in den Alltag der Fußball-Bundesliga überführen, in Dortmund liegt nach Wunsch der Chefetage Liebe in der Luft. Während dem BVB die "Mentalität"-Debatte weiterhin stinkt, müffelt es beim Rekordmeister angeblich auch.

Stinkt Bayerns - pardon - Scheiße doch anders?

Nach dem mageren 3:2 des FC Bayern über Paderborn hatte sich Chefkritiker Joshua Kimmich beschwert, dass es seiner Mannschaft in dieser Saison noch nicht gelungen wäre, "ein Spiel über 90 Minuten dominant zu bestreiten". Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte geantwortet: "Wer die Klappe aufmacht, muss vorwegmarschieren." Nun, das tat Kimmich beim 7:2 gegen Tottenham Hotspur. Zwar dominierten die Bayern hier auch nicht über 90 Minuten - bis zur 15. Minute, dem Ausgleichstreffer Kimmichs, schwamm die Münchner Mannschaft regelrecht - aber insgesamt fuhr der FCB den Sieg mit einer Gala-Vorstellung nach Hause. Dank eines überragenden Serge Gnabry - aber auch dank des Mittelfeldstrategen. Kimmich ist unter Niko Kovac der Spieler mit den meisten Einsätzen (58), Ballkontakten (5828), Pässen (4333), Flanken aus dem Spiel (176), Torschussvorlagen (145) und Assists (21).

Gegen die TSG 1899 Hoffenheim, die seit vier Partien auf einen Dreier wartet, soll die am vergangenen Spieltag eroberte Tabellenspitze verteidigt werden (Samstag, 15.30 Uhr, alle Spiele im Liveticker auf n-tv.de). Die letzten drei Spiele gegen die TSG gewannen die Bayern mit einem Torverhältnis von 11:4, zuvor war man allerdings drei Mal in Folge sieglos gegen die Sinsheimer geblieben. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir den Bayern wehtun konnten, wenn wir mutig waren", sagte TSG-Keeper Oliver Baumann. "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen - nicht von den Zuschauern, nicht von Lewandowski oder etwas anderem. Salopp gesagt: Die Scheiße stinkt bei jedem gleich." Passend dazu sind die schon wieder fast übermächtig erscheinenden Bayern zum Beispiel vor Verletzungspech nicht gefeit: David Alaba wird aufgrund einer Rippenprellung am Samstag wohl ausfallen. Und was wird aus Thomas Müller, der zuletzt kaum noch ran durfte? "Ob Thomas Müller am Samstag spielt, kann ich nicht sagen", sagte Kovac am Donnerstag. "Wir werden versuchen, für uns die beste Lösung zu finden. Wir machen uns Gedanken, wir würfeln nicht." Klingt, als hätte Müller seit dem Coutinho-Transfer sein Würfelglück verloren. Tipp: 3:0

Der BVB soll sich neu verlieben

Sie können also doch noch gewinnen: Borussia Dortmund will den Schwung aus der Champions League mit in die Bundesliga nehmen - auch wenn die Mannschaft in Prag eher durchs Spiel holperte. Nach zuletzt zwei verspielten Führungen gegen Frankfurt und Bremen (jeweils 2:2) hofft man beim BVB, im Spiel gegen den SC Freiburg (Samstag, 15.30 Uhr) den Anschluss an die Tabellenspitze nicht zu verlieren. Dort steht der SCF, und damit in diesem Duell vor den Dortmundern - eine Seltenheit. Allerdings holt der BVB auswärts bisher nur vier Punkte. Hoffnung für den BVB: Auch die Breisgauer holten in drei Heimpartien erst vier Punkte. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke forderte nach dem Sieg gegen Prag, dass die Truppe "verliebt ins Gewinnen" sein und nicht nur schön spielen müsse. Hat hier irgendjemand "Mentalität" gesagt? Am Samstag dürfen die Zuschauer auf ein Spektakel hoffen: Mit dem SCF und dem BVB treffen die nach Bayern und Leipzig torgefährlichsten Bundesligamannschaften aufeinander. Tipp: 2:3

Was ist sonst noch so los?

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33 seiner bisher 497 oder 499 Spiele als Trainer verantwortete Friedhelm Funkel auch für Hertha BSC.

(Foto: imago sportfotodienst)

Hertha BSC - Fortuna Düsseldorf (Freitag, 20.30 Uhr): Der Hauptstadt-Klub erlebt seinen Frühling im Herbst: Gegen Fortuna Düsseldorf will Hertha BSC seinen dritten Sieg in Folge klar machen und in der Tabelle langsam aber sicher Kurs auf die internationalen Plätze nehmen. Die Fortuna will teilweise starke Leistungen endlich in Punkte ummünzen. Die große Frage rund um dieses Spiel aber lautet: Feiert Friedhelm Funkel nun sein großes Jubiläum oder doch nicht? Sein 500. Spiel als Trainer stünde an, sagen die einen. Die, die es genauer nehmen, sagen aber: Ne, ne - der 65-Jährige sitzt heute Abend erst zum 498. Mal als Trainer auf der Bank. Die Auflösung der Kontroverse: Beide Denkschulen liegen richtig. Der ehemalige Nationalspieler saß 1992/93 mal als Notfallspieler auf der Bank des arg von Verletzungspech gebeutelten Bayer Uerdingen, 2000/01 verpasste der Möglicherweise-Jubilar gesperrt. Funkel selbst fühlt sich als Jubilar, ist aber auch arg pragmatisch: "Dieses Jubiläum ist nur eine Randerscheinung. Wir konzentrieren uns auf ein vernünftiges, gutes Spiel gegen Hertha und wollen ein erfolgreiches Ergebnis mitbringen." Tipp: 2:1

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Bayer Leverkusen - RB Leipzig: Erstmals unter Julian Nagelsmann verlor RB Leipzig vergangene Woche ein Pflichtspiel beim 1:3 gegen Schalke. In der Champions League setzte es gleich die zweite Heimniederlage in Folge beim verdienten 0:2 gegen Lyon. Bitter für die Bullen: Ibrahima Konaté zog sich gegen die Franzosen einen Muskelfaserriss im rechten Hüftbeuger zu und wird gegen Bayer Leverkusen fehlen. Vielleicht sind die Leipziger aber nun ganz froh, mal wieder auswärts anzutreten. Denn auf fremdem Rasen haben die Sachsen bisher jedes Spiel gewonnen und auch das letzte Spiel in der BayArena wurde mit 4:2 für sich entschieden. Leverkusen ist allerdings dieses Jahr zuhause in der Bundesliga noch unbesiegt und will nach dem Champions-League-Abenteuer bei Juventus Turin (0:3), das noch mindestens eine Nummer zu groß war, an Leipzig vorbeiziehen. Kommt Juwel Kai Havertz bei Bayer endlich richtig in Form? Und trifft Kevin Volland im dritten Spiel in Folge, um Jogi Löw doch irgendwann von sich überzeugen zu können? Tipp: 1:1

SC Paderborn - FSV Mainz 05: (alle Samstag, 15.30 Uhr) Kein Spieltag ohne echtes Kellerduell: Nachdem in dieser Saison das Duell "Letzter gegen Vorletzter" schon zweimal ausgespielt wurde, muss diesmal der Drittletzte zum Letzten. Komisch: So richtig panisch oder wenigstens hilflos wirkt keiner der Beteiligten, obwohl der Letzte - Paderborn - nur einen von bisher 18 möglichen Punkten geholt hat, der Gast aus Mainz nur zwei mehr. "Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir wollten. Das ist gut, aber es reicht einfach nicht", sagte Paderborns Trainer Steffen Baumgart nach dem überraschend erfreulichen 2:3 seines Teams gegen den FC Bayern vom vergangenen Spieltag. "Die Leistung passt, deshalb spielen wir auch so weiter. Unabhängig vom Ergebnis hat meine Mannschaft ein Riesenspiel geliefert." Und sein Gegenüber Sandro Schwarz versicherte dem "Kicker": "Ich spüre Vertrauen, das ist wichtiger als Ruhe." Nach fünf Niederlagen aus den ersten sechs Spielen dürfte aber eines noch wichtiger sein als Ruhe: Punkte! Schwarz selbst ist gesperrt, die Punkte einfahren muss sein "Co" Jan-Moritz Lichte. Tipp: 2:3

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Sandro Schwarz (links) genießt Vertrauen, durfte aber lange nicht mehr jubeln. Jan-Moritz Lichte (Mitte) muss für den nächsten Jubel sorgen.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

FC Schalke 04 - 1. FC Köln (Samstag, 18.30 Uhr): Mutmaßlich haben die Profis des 1. FC Köln keine besonders erfreuliche Woche hinter sich: "Die Aufarbeitung war nicht schön, aber die Mannschaft kann mit konstruktiver Kritik umgehen", sagte Effzeh-Trainer Achim Beierlorzer über die Tage nach dem desolaten 0:4 gegen Hertha BSC. "Das schöne am Fußball ist: Man kann immer den Reset-Knopf drücken. Wir dürfen aufgrund unserer Stärken selbstbewusst sein. Wir sind gut genug, um den Bundesliga-Mannschaften entgegenzutreten." Ob die Stärken dieser Tage ausgerechnet den FC Schalke 04 beeindrucken können? Laut Beierlorzer ist die Truppe von David Wagner "die Mannschaft der Stunde, die in absoluter Topform ist und einen großen Teamspirit erzeugt hat." Was also tun? Das laufschwächste Team der Liga müsse seine Laufleistung erhöhen, außerdem sei es "das A und O, dass wir weniger Gegentore fangen". Alles ganz einfach also? Nein. Tipp: 3:1

Borussia Mönchengladbach - FC Augsburg (Sonntag, 13.30 Uhr): "Wir wollten den mutigen Weg gehen und von hinten heraus verteidigen, den Gegner anlaufen. Der letzte Pass ist aber nicht gekommen, so kamen wir nicht weg". Gesagt hat's Martin Schmidt, Trainer des FC Augsburg nach der jüngsten Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Dieselbe Erfahrung droht dem Ex-Mainzer im Duell mit dem ehemaligen Ex-Mainzer Marco Rose. Dessen Borussia Mönchengladbach macht das ähnlich, nur deutlich besser und erfolgreicher. Und kann überdies auch Ballbesitz. Einziges Problem: Stürmer Alassané Pléa könnte ausfallen. Aber es gibt da ja noch Marcus Thuram, der in den beiden letzten Bundesligaspielen dreimal getroffen hat. Tipp: 3:0

VfL Wolfsburg - 1. FC Union Berlin (Sonntag, 15.30 Uhr): Groß war in Berlin die Freude über die 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt zum Auftakt des sechsten Spieltags: "Wir müssen positiv bleiben, das wird nicht schwer fallen", sagte Torschütze Anthony Ujah, Kapitän Christopher Trimmel hatte "über 90 Minuten ein gutes Gefühl" und Trainer Urs Fischer will "einen tollen Auftritt" seiner Mannschaft gesehen haben. Das Problem: Trotzdem gab's mal wieder keine Punkte, der Aufsteiger steckt nach null Zählern aus den letzten - mal unglücklich, mal desolat schwach, mal einfach verdient, aber doch allesamt - verlorenen Spielen in der ersten Ergebniskrise der jungen Saison. Da kommt der VfL Wolfsburg genau nicht richtig: Die Niedersachsen sind neben dem FC Bayern die letzte ungeschlagene Mannschaft der Liga. Und dabei bleibt es. Tipp: 3:1

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Florian Kohfeldt darf sich nicht immer so aufregen, rät Fredi Bobic.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Eintracht Frankfurt - SV Werder Bremen (Sonntag, 18 Uhr): Eintracht Frankfurts Sportchef Fredi Bobic meint es gut mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt: „Wenn er den Job 20, 30 Jahre machen möchte, muss er aufpassen, dass er mit der Art nicht nach fünf Jahren fertig ist", sagte Bobic der "Deichstube" und meint damit: "Körperlich fertig, für das Herz ist das nicht gut." Nun ist aber nicht anzunehmen, dass die Hessen was für die Herzgesundheit des Gästetrainers tun wollen. An dessen Stelle hätte nach dem Wunsch der Werder-Verantwortlichen übrigens eigentlich Adi Hütter sitzen sollen: Der Österreicher ist heute Trainer von Eintracht Frankfurt - und verriet, dass er vor seinem Engagement bei den Hessen bereits ein Angebot von Werder ausgeschlagen habe - "es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt". Für drei Punkte ist aber immer genau der richtige Zeitpunkt. Gut für Hütter, schlecht für Kohfeldts Herz ist der Tipp: 2:1

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Der Fokus soll komplett auf den Dingen liegen, die zwischen den Kreidelinien passieren!"

(Der gesperrte Sandro Schwarz, Trainer von Mainz 05, würde wohl auch unterschreiben, dass die Wahrheit auf dem Platz liegt.)

Quelle: n-tv.de

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