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Die russische Hauptstadt Moskau ist bereit für die Fußball-WM.
Die russische Hauptstadt Moskau ist bereit für die Fußball-WM.(Foto: dpa)
Sonntag, 10. Juni 2018

WM-Countdown (4): Viel Russland-Wissen in wenigen Worten

Von Katrin Scheib, Moskau

Warum große Worte machen, wenn ja und nein völlig ausreichen? Am letzten Sonntag vor der Fußball-Weltmeisterschaft wird es in dieser Kolumne erst biblisch und dann nützlich.

Sonntag, Zeit für ein Bibelzitat: "Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel." Wer mag da widersprechen? Darum gibt es heute die gesammelten Ratschläge für Russlandreisende auf einen Blick.

Es ist eine Sammlung an guten Tipps, Infos für den Hinterkopf und Gebrauchsanweisungen für den russischen Alltag - auf einen Blick und in maximal reduziertem Format: Ja, ja. Nein, nein. Zum Bookmarken auf dem Handy oder zum Ausdrucken und Einpacken in den Koffer. Zwanzig Mal ja. Zwanzig Mal nein.

Nur noch drei WM-Countdown-Folgen, dann hat sie die 100 vollendet: Katrin Scheib.
Nur noch drei WM-Countdown-Folgen, dann hat sie die 100 vollendet: Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)

- Ja, das ist normal, dass Smileys hier keine Augen haben. Ja, das ist gruselig, kann man sich aber dran gewöhnen.

- Ja, du solltest mal in eine orthodoxe Kirche gehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Noch mehr Weihrauch als bei den Katholiken, und dazu dieser Gesang!

- Ja, das ist schon ein bisschen schade, dass wir bei der Eröffnungsfeier nicht hören werden, wie Witali Mutko Englisch spricht.

- Ja, die Liebe zu Topfpflanzen in öffentlichen Gebäuden ist hier in Russland groß.

- Ja, es gibt an den Spieltagen ein Alkoholverbot. Nein, das ist ist nicht so schlimm.

Katrin Scheib

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie just nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Für n-tv.de schreibt sie den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt. Außer der Reihe hat sie sich mit der Frage beschäftigt: Wie sicher ist Russland für schwule und lesbische Fans?

- Ja, man kann mit Aeroflot fliegen, das ist völlig okay. Ja, nach der Landung wird dann bitte auch applaudiert.

- Ja, du musst unbedingt georgisches Essen probieren, während du in Russland bist. Nein, das geht nicht, wenn man keinen Koriander mag.

- Ja, diese WM findet in einem autoritär regierten Land statt. Ja, bei einem Stadtrundgang zum Thema "Politische Proteste damals und heute" kannst du dazu mehr erfahren.

- Ja, kauf mal ruhig eine russische SIM-Karte, dann kriegst du mehr Datenvolumen für weniger Geld.

- Ja, russische Fußballfans haben einen ganz großartigen schwarzen Humor.

- Ja, dieser beige, von Majo zusammengehaltene Klops auf dem Teller vor dir ist der "Salat", den du bestellt hast.

- Ja, Thomas Anders tritt auch diesen Sommer wieder in Russland auf.

- Ja, viele Russen kennen mindestens diesen einen deutschen Satz. Nein, der bedeutet nicht das, was du denkst.

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- Ja, man kann das Leitungswasser hier trinken. Nein, ich würde das nicht tun.

- Ja, als Deutscher in Russland wirst du Lob für Mercedes, Audi und Volkswagen bekommen.

- Ja, Nostalgie schmeckt hier in Russland nach Eiscreme.

- Ja, im Sommer wird in Russlands Städten die Warmwasserversorgung eine gute Woche oder auch länger abgedreht. Nein, das passiert nicht während der WM.

- Ja, die meisten Russen halten sich tatsächlich an das Rauchverbot in Restaurants. Nein, damit hatte ich auch nicht gerechnet.

- Ja, im Zweifel hilft es schon sehr viel, wenn man nur dieses eine russische Wort hier lernt.

- Ja, es gibt durchaus deutsche Städte, denen Moskau ähnelt: Solingen, Esslingen und Eberswalde.

- Nein, man sollte sich bei Privatunterkünften nicht davon abschrecken lassen, wie es im Treppenhaus aussieht. Das Treppenhaus gehört allen, also kümmert sich keiner.

- Nein, an den meisten Moskauer Flughäfen darf man nicht auf dem Boden liegen.

- Nein, es ist nicht kompliziert, das russische Alphabet zu lernen.

- Nein, diese SMS von "MCHS" oder "УГМС" ist kein Spam, das ist eine Unwetterwarnung. Meistens steht darin eine Zahl, gefolgt von м/с, das ist die erwartete Windgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde.

- Nein, es heißt nicht "na sdorowje". Ja, ganz sicher.

- Nein, wer sicher von A nach B will, hält nicht einfach die Hand raus und steigt in ein beliebiges Auto ein.

- Nein, die offizielle WM-App ist nicht gerade fehlerfrei. Der Download lohnt sich aber trotzdem.

- Nein, das englischsprachige Menü an den Fahrkartenautomaten der Metro in St. Petersburg ist nicht richtig übersetzt. Ja, geh mal besser an den Schalter zu den echten Menschen, ehe du versehentlich was Falsches auf die Chipkarte lädst und nicht erstattet bekommst.

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- Nein, einen Raf-Kaffee sollte man lieber nicht probieren, wenn man auf seinen Zuckerkonsum achtet.

- Nein, du brauchst hier keinen Adapter. Stecker und Steckdosen in Russland sind dieselben wie in Deutschland.

- Nein, Sabiwaka, das Maskottchen, hat’s nicht weit zur Dopingkontrolle.

- Nein, wenn du zu einer Veranstaltung um 19 Uhr gehst, wird sie eher nicht um 19 Uhr beginnen. (Außer, es ist ein WM-Fußballspiel.)

- Nein, du darfst keine Vuvuzela mit ins Stadion nehmen. Ja, das war bei der letzten WM auch schon verboten.

- Nein, "futbolka" bedeutet nicht "Fußball". Ja, "futbolka" bedeutet "T-Shirt".

- Nein, es gibt auch im russischen Fußball keine Zeitstrafen wie beim Eishockey. Nein, das war nicht immer so.

- Nein, du solltest in der Schlange vorm Stadion keinerlei Abstand zum Vordermann lassen. Was für dich als höflich gilt, heißt nach russischen Gepflogenheiten: "Oh, eine Lücke für mich, wie praktisch!"

- Nein, das tolle Lew-Jaschin-Poster sieht man immer noch so gut wie nirgends.

- Nein, das hier ist nicht das Erdgeschoss, das hier der erste Stock. Ja, die Russen zählen Stockwerke genauso wie die Amerikaner.

- Nein, Kopeken-Münzen kann man de facto für nichts mehr gebrauchen, jedenfalls nicht im teuren Moskau.

- Nein, Boris Rotenberg darf bei der WM nicht mitspielen. Ja, das ist ein Skandal.

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de