Technik

Edles Metall und starke Kamera Huawei P10 greift nach der Krone

huawei-p10-2.jpg

Das Huawei P10 hat einen Metallrücken und eine Leica-Dual-Kamera.

(Foto: jwa)

Das Huawei P10 ist einer der Smartphone-Stars des noch jungen Jahres. Was das Metall-Smartphone besonders macht und ob es auch Schwächen hat, verrät der Test.

Der Mobile World Congress in Barcelona ging dieses Jahr vorbei, ohne dass Samsung sein neues S-Modell vorgestellt hat. In den vergangenen Jahren nutzten die Koreaner die Messe für die Flaggschiff-Premiere. Dieses Jahr hatten andere Top-Smartphones mehr Platz auf der großen Messe-Bühne. Neben den neuen Sony-Modellen und dem LG G6 stand dabei vor allem das Huawei P10 im Rampenlicht - der neue Star der Chinesen wurde im fast schon Samsung-typischen großen Rahmen vorgestellt. n-tv.de hat den schlanken Metall-Schönling getestet.

huawei-p10-1.jpg

Ungewöhnlich für Huawei: Der Finger-Scanner sitzt beim P10 vorne.

(Foto: jwa)

Überraschungen sind in der Smartphone-Branche selten geworden. Doch Huaweis Entscheidung, den Fingerabdruck-Sensor von der Rückseite an die Handy-Front zu verlegen, kam für viele unerwartet und traf auf viel Skepsis: Warum sollte man den Scanner nach vorne verlegen, wo er unnötig Platz wegnimmt? Immerhin versuchen andere Hersteller derzeit, dem Display den größtmöglichen Platz einzuräumen – wie gut das geht, beweist LG mit dem 18:9-Display des G6.

Handschmeichler aus Metall

Der Grund für die Verlegung: Huawei hat auf Kundenwünsche gehört. Was das für Folgen hat, sieht man, wenn man das G6 neben das P10 legt. Das Gehäuse des LG-Flaggschiffs mit 5,7-Zoll-Display ist kaum größer als das P10 mit seinem 5,1-Zoll-Screen. Die gute Nachricht: Den Unterschied nimmt man nur im direkten Vergleich wahr. Denn dank seines dünnen 7-Millimeter-Gehäuses, der abgerundeten Ecken und des zu den Seiten hin fast randlosen Displays wirkt das P10 überaus schlank und handlich.

Huawei P10: Technische Daten

  • System: Android 7, EMUI 5.1
  • Display: 5,1 Zoll, LCD, Full HD (1920x1080p, 432 ppi)
  • Prozessor: Kirin 960, max. 2,4 GHz
  • Arbeitsspeicher: 4 GB
  • Interner Speicher: 64 GB + microSD
  • Kamera: 20 MP + 12 MP, f/2.2, OIS
  • Frontkamera: 8 MP, f/1.9
  • WLAN ac, LTE Cat. 12
  • Bluetooth 4.2
  • USB 2.0, USB-C
  • Akku: 3200 mAh
  • Maße: 145,3 x 69,3 x 6,98 mm
  • Gewicht: ca. 145 g

Tatsächlich liegt es ähnlich gut und schmeichelnd in der Hand wie ein iPhone 7 – auch das ist kein glänzendes Vorbild für gute Platzausnutzung, aber kompakt und gut zu bedienen. Das matte oder lasergeriffelte Metall bedeckt zudem den gesamten Rücken, nur an der Oberseite ist eine Aussparung aus Glas für die Doppelkamera mit Leica-Logo. Die Kunststoffstreifen für die Antennen sind praktisch unsichtbar ins Gehäuse eingelassen. Damit ist Huawei ein edles und schönes Smartphone gelungen – das vielleicht schönste der Firmengeschichte.

Leica-Knipse zoomt gut rein

Die Kamera mit Leica-Software ist wie schon beim P9 ein zentrales Ausstattungsmerkmal: Huawei setzt beim P10 im Gegensatz zum etwas besser ausgestattetem Plus-Modell auf die gleiche Kamera, die auch im Mate 9 sitzt, eine Kombination aus 20-Megapixel-(MP)-Schwarzweiß-Sensor und einer 12-Mp-Knipse für die Farbinformationen. Damit soll unter anderem verlustfreies Zweifach-Zoomen bei 12-MP-Fotos möglich sein, was der Test bestätigt. Vergrößert man Ausschnitte aus Aufnahmen mit Zoom und ohne Zoom auf die gleiche Größe, sind Details bei den Bildern mit Zweifach-Zoom besser erkennbar und wirken weniger stark nachgeschärft. Mit der maximalen Auflösung von 20 MP steht aber kein digitaler Zoom zur Verfügung.

huawei-p10-grosse-blende.jpg

Der Bokeh-Effekt des Huawei P10 kann richtig toll aussehen.

Die Kamera schießt ohne Zoom noch bessere Bilder. Sie ist schnell bereit, stellt flott scharf und bildet einen ausreichend hohen Dynamikumfang ab. Ein optischer Bildstabilisator hilft bei wenig Licht und sorgt bei Videos für gute, ruhige Aufnahmen. Nützlich sind die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, der Profi-Modus sowie die konkurrenzlos gute Nachtaufnahme-Funktion. Im Porträt-Modus wird eine leichte Vignette übers Bild gelegt, zudem wird der Hintergrund künstlich weichgezeichnet, um die Tiefenunschärfe einer Spiegelreflexkamera zu imitieren (Bokeh). Einen ähnlichen Effekt bietet der "Große Blende"-Modus.

Beides sind aber nur digitale Effekte, die nicht immer ganz genau arbeiten – gerade an den Rändern zwischen Vorder- und Hintergrund schleichen sich schnell Berechnungsfehler ein, sodass die Unschärfe nicht korrekt angewandt wird. Trotzdem: Das P10 hat eine tolle Kamera, die zu den derzeit besten auf dem Markt gehört. Auch die Frontlinse schießt gute und ansprechende Selfies, auch hier gibt‘s einen Porträtmodus mit Unschärfe-Effekt.

starke Leistung, gute Software

Die Leistung des P10 ist über Zweifel erhaben, dafür sorgen der schnelle Kirin-960-Chip und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher. Der Fingerabdruck-Scanner funktioniert fehlerfrei und blitzschnell, die Benutzeroberfläche reagiert zackig, Apps starten schnell und ohne Verzögerung.

huawei-p10-4.jpg

Der Fingerabdruck-Scanner übernimmt beim P10 die Aufgaben der Navigationstasten.

(Foto: jwa)

Bei der Benutzeroberfläche haben Nutzer die Wahl zwischen der Huawei-Standardansicht ohne App-Schublade (wie bei iOS) oder der gewohnten Android-Variante mit App-Drawer. Im Einstellungsmenü gibt es noch zahlreiche weitere Anpassungsmöglichkeiten, darunter auch ein Augenschon-Modus mit weniger Blauanteil in der Anzeige oder die Möglichkeit, mittels "App Twin" eine App wie Facebook oder Whatsapp doppelt zu installieren und sie gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Accounts zu nutzen.

Nettes Extra und ein kleiner Trost für alle, die gerne so viel Display wie möglich haben wollen: Die Navigationstasten auf der brillanten Full-HD-LCD-Anzeige lassen sich ausblenden, der Fingerabdruck-Scanner übernimmt dann ihre Aufgaben. Ein langer Druck führt zurück zum Home-Screen, ein kurzer Druck je eine Ebene zurück, und ein seitlicher Wisch ruft die zuletzt geöffneten Apps auf. Das erfordert kurze Eingewöhnung, ist dann aber intuitiv und komfortabel zu bedienen. Etwas schade: Die Benachrichtungsleiste lässt sich nicht mehr über einen vertikalen Wisch auf- und wieder zuklappen.

P10 ist ein König

Der Akku mit 3200 Milliamperestunden hält bei normaler Nutzung einen vollen Tag durch und hat Abends meist um die 20 Prozent Restladung. Über USB-C wird er flott wieder aufgeladen - das beiliegende Schnellladegerät schafft rund 60 Prozent in 50 Minuten. Ein Audio-Eingang sitzt an der Unterseite, Huawei folgt also noch nicht dem Trend, den Klinkenstecker zu streichen. Ein IP-Zertifikat gibt's nicht, doch dank sogenanntem Nano-Coating sind die Bauteile im Innern gegen Feuchtigkeit geschützt.

Kritikpunkte gibt's beim P10 eigentlich keine: Wer den Finger-Scanner an der Front mag oder ihn wenigstens akzeptiert, bekommt derzeit kein anderes Android-Smartphone, das gleichzeitig so schlank, handlich, edel und technisch anspruchsvoll ist wie das Huawei-Flaggschiff. Und während andere Hersteller wieder auf Glasrücken setzen, verwendet Huawei ein Metallgehäuse, das wertig und weniger anfällig für Schmierspuren und Fingerabdrücke ist. Damit ist das P10 eine echte iPhone-Alternative und einer der Smartphone-Könige des ersten Halbjahres - mindestens bis zum Marktstart des Galaxy S8.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema