Technik

Microsoft zeigt, was möglich ist Lumia 950 XL leistet Pionierarbeit

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Das Lumia 950 XL wird mit Display-Dock zum Windows-10-PC.

(Foto: jwa)

Das Lumia 950 XL ist nicht einfach nur ein Smartphone mit tollem Display und super Kamera. Es ist Microsofts Versuch, der Welt zu zeigen, was mit Windows 10 mobil möglich ist. Ob dies gelungen ist, hat n-tv.de getestet.

Das Lumia 950 XL und sein kleinerer Bruder Lumia 950 werden gerne als Microsofts Versuch gewertet, die Konkurrenz mit Apple und Google wieder aufzunehmen. Doch das wäre höchstwahrscheinlich ein vergebliches Unterfangen, auf absehbare Zeit wird sich an der Vormachtstellung von Android und iOS nichts ändern - es sei denn, eine schlimme Panne würde eines der beiden Systeme plötzlich aus dem Rennen werfen.

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Spannende Kamera in einem langweiligen Gehäuse.

(Foto: kwe)

Das Unternehmen backt unter Satya Nadella erstmal kleinere mobile Brötchen als unter seinem Vorgänger Steve Ballmer. Microsoft konzentriert sich jetzt laut Nadella auf drei Zielgruppen: Fans, Geschäftskunden und preisbewusste Nutzer. Marketing-Chef Chris Capossela beschränkt dies "für die nächsten Jahre" sogar auf die ersten beiden Gruppen. Wie die Lage in vier Jahren aussehe, sei schwer vorherzusagen, zitiert in "Windows Central". Ganz klar wolle man aber im Smartphone-Geschäft bleiben. Den Erfolg wolle Microsoft nicht mehr am Profit messen, sondern an der Zufriedenheit seiner Kunden, sagte Nadella im Interview mit "The Verge".

Das Lumia 950 XL ist so ein Smartphone für die Fans. Es ist kein Gerät, das iPhone-Nutzer oder Android-Anhänger zum Konvertieren überreden will und es ist auch kein Smartphone, das bereits fertig ist. Es ist ähnlich wie Googles Nexus-Serie ein Gerät, mit dem Microsoft zeigen will, was möglich ist und auf dem Experimente umgesetzt werden. Man könnte das Lumia 950 XL auch als Pionier bezeichnen.

Technisch ein Leckerbissen, optisch Hausmannskost

Optisch ist das Smartphone noch ein Nachfahre von Nokias Lumia-Geräten. Das bedeutet, dass das Gerät ein äußerst schlichtes Plastik-Kleid trägt, das vor allem seine Funktion erfüllt. Die Verarbeitung ist aber makellos und Fans dürfte ein wechselbarer Akku und kabelloses Laden wichtiger als ein schmuckes Metallgehäuse sein.

Technisch ist das 950 XL ein Leckerbissen. Das 5,7-Zoll-AMOLED-Display ist einer der besten Bildschirme, die derzeit in Smartphones eingebaut werden. Mit QHD-Auflösung bietet es eine superscharfe Pixeldichte von 518 ppi. Die Farben leuchten, die Kontraste sind knackig und Probleme bei seitlicher Betrachtung gibt's beim Lumia 950 XL nicht. Im Normalbetrieb genügt dem Display mittlere Helligkeit, mit 100 Prozent ist es auch im Sonnenlicht noch ablesbar.

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Der Akku ist austauschbar und es gibt einen Steckplatz für microSD-Karten.

(Foto: kwe)

Für die Rechenarbeit ist Qualcomms 8-Kern-Prozessor Snapdragon 810 zuständig, der auf 3 Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen kann. Das ist für den Alltag mehr als genug und die Kraft reicht auch für einige Spezialaufgaben aus. Ja, auch im XL-Lumia wird der Prozessor unter Höchstlast spürbar warm. Ist das ein Problem? Nein. Prima: Das Lumia schluckt microSD-Karten mit einer Kapazität von bis zu 200 Gigabyte.

Der Akku hat eine Kapazität von 3340 Milliamperestunden, was das Gerät zwar nicht zu einem Dauerläufer macht, aber im Normalbetrieb gut für eineinhalb Tage ausreicht. Im Test zeigte der Füllstand nach 15 Stunden meistens noch ungefähr 40 Prozent an. Angesichts der großen Kapazität des Akkus wäre allerdings mehr zu erwarten gewesen. Wird der Strom knapp, ist die Batterie per Schnellladefunktion ruckzuck wieder voll, schon wenige Minuten reichen für ein paar Stunden Betrieb. Kabellos dauert's etwas länger.

Hervorragende Kamera

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Im Dämmerlicht zeigt die Kamera ihre Stärken.

(Foto: kwe)

Die 20-Megapixel-Kamera ist eine Wucht. Mit großer Blende f/1.9, optischem Bildstabilisator und 6-Linsen-Optik von Zeiss lässt sie in den meisten Situationen die Kameras anderer Top-Smartphones alt aussehen. Sie macht auch bei sehr schwachem Licht noch hervorragende Aufnahmen mit natürlichen Farben, vielen Details und prima Kontrasten. Muss der Blitz doch einmal einspringen, ist die Ausleuchtung ausgezeichnet und drei verschiedenfarbige Leuchtdioden sorgen für eine perfekte Stimmung.

Auch Videos sehen sehr gut aus. Zeitlupenaufnahmen macht die Kamera allerdings nur mit 60 Bildern pro Sekunde, da liegen unter anderem iPhone 6s und Nexus 6P mit 240 fps vorne. Dafür ist die Lumia-Kamera richtig schnell. Nach einem Druck auf den Auslöser ist sie fast umgehend schussbereit und auch beim Fokussieren lässt sie nichts anbrennen. Selfie-Freunde und Videochatter werden außerdem ihre Freude an der 5-Megapixel-Frontkamera haben, die mit Blende f/2.4 ebenfalls mit recht wenig Licht auskommt.

Iris-Scan noch unpraktisch

Die wichtigsten Spezifikationen
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 810, acht Kerne, bis zu 2 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): 3 Gigabyte
  • Interner Speicher: 32 Gigabyte, erweiterbar
  • Display: AMOLED, 5,7 Zoll, 2560 x 1440 Pixel (518 ppi)
  • Kameras: hinten 20 Megapixel, vorne 5 Megapixel
  • Akku: 3340 Milliamperestunden
  • Sensoren: Gyroskop, Beschleunigung, Barometer, Näherung, Umgebungslicht, SensoreCore
  • Iris-Scanner
  • USB-C (USB 3.1)
  • LTE, NFC, Bluetooth 4.1
  • Betriebssystem: Windows 10
  • Maße: 151,9 x 78,4 x 8,1 Millimeter
  • Gewicht: 165 Gramm

Direkt neben der Frontkamera sitzt noch eine weitere kleine Kamera, die mit Hilfe eines Infrarot-Lichts auf der anderen Seite des Microsoft-Logos die Augen des Nutzers scannt. Über diese Windows-Hello-Funktion kann der Besitzer das Gerät entsperren, ohne eine PIN eingeben zu müssen. Grundsätzlich funktioniert dies auch in der auf dem 950 XL genutzten Beta, allerdings noch mit größeren Einschränkungen. Der Iris-Scan ist langsam und man muss die Augen sehr nah vor das Gerät halten. Das sieht nicht besonders elegant aus und eine Zeitersparnis bringt die Funktion so nicht. Außerdem gibt das Lumia gelegentlich das Display auch frei, wenn nach Fehlversuchen eigentlich die PIN-Eingabe gefordert ist. Schließlich nervt, dass das Gerät auch bei Benachrichtigungen oder Anrufen die Nutzer-Augen sucht. Da muss Microsoft noch nachjustieren.

Nicht nur Hello, große Teile von Windows 10 Mobile befinden sich noch im Beta-Status. Offiziell ist das Betriebssystem gar nicht fertig, die neuen Lumias werden mit einer speziellen Vorab-Version ausgeliefert. Sie neigt hie und da noch zu Hängern, einmal führte das Testgerät während eines Telefonats auch einen Neustart durch. Alles nicht schlimm, Updates sind unterwegs, die finale Version von Windows 10 Mobile nicht weit

Mini-PC wartet auf Apps

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Das Display-Dock ist für frühe Käufer mit etwas Glück gratis, ansonsten kostet es 109 Euro.

(Foto: kwe)

Umsteiger von Windows Phone werden vielleicht überrascht sein, dass sich optisch nicht viel geändert hat. Was ein einheitliches Windows 10 für alle Plattformen bedeutet, sieht man erst dann richtig deutlich, wenn das Lumia über Microsofts Display-Dock  mit einem Monitor oder Fernseher verbunden wird und zum PC wird. Schließt man zusätzlich Maus und Tastatur per USB an das kleine Metallkästchen an, kann man grundsätzlich wie an einem normalen Desktop-Computer arbeiten. Das Lumia selbst dient dabei auf Wunsch als Touchpad und Tastatur, kann aber auch unabhängig weitergenutzt werden.

Die Möglichkeiten der Continuum genannten Funktion sind aber noch beschränkt, nur angepasste "universelle" Apps sind im Start-Menü auf dem angeschlossenen Monitor aktiv. Das sind bisher überwiegend Microsofts Anwendungen und wenige Schnellstarter wie 1Password, Baconit oder auch n-tv. Außerdem sind die Office-Anwendungen leicht abgespeckt. Das Lumia 950 XL ist dabei kräftig genug, um flüssiges Arbeiten zu gewährleisten, Ruckler oder gar Päuschen legte der Continuum-PC im Test nicht ein. Besonders flott arbeitet der Edge-Browser. Praktisch: Während das Lumia am Dock hängt, wird es geladen.

Das 109 Euro teure Display Dock gibt's für frühe Käufer eines Lumia 950 XL gratis - allerdings nur solange der Vorrat reicht. Aktuell ist das Gerät manchmal im Microsoft Store vorrätig, manchmal nicht. Kunden bleibt nichts anderes übrig, als es nach der Registrierung über die vorinstallierte Lumia-Offers-App immer wieder zu versuchen. Alternativ können auch drahtlose Miracast-Adapter von Drittanbietern verwendet werden. Das Lumia 950 XL alleine kostet rund 700 Euro.

Nicht nur für Fans interessant

Unterm Strich ist Microsoft ein tolles Smartphone gelungen, das die Herzen von Fans höher schlagen lässt. Sie bekommen alles, was Windows 10 Mobile aktuell zu bieten hat und können auch in Zukunft an der Entwicklung des Betriebssystems teilhaben. Aber auch andere Nutzer könnten Gefallen am Lumia 950 XL finden, vor allem an der großartigen Kamera und dem wunderschönen Display. Sie müssten allerdings nach wie vor Einschränkungen beim App-Angebot akzeptieren. So lange Windows 10 und Windows 8 gemeinsam keine 20 Prozent Marktanteil haben, sind für Entwickler auch universelle Apps noch nicht attraktiv genug, um hier eine schnelle Änderung zu erwarten. Wirklicher Mangel herrscht aber im Microsoft Store nicht.

Quelle: ntv.de

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