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Nach Rekordstrafe für Google Was bringt das Android-Urteil den Nutzern?

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Die Verkündung der EU-Entscheidung war ein schwarzer Tag für Google.

(Foto: Google)

Die EU-Kommission hat eine hohe Strafe gegen Google verhängt, weil es mit Android seine Marktmacht missbrauche. Binnen 90 Tagen muss Google nun handeln. Welche Folgen hat die Entscheidung für Android-Nutzer?

Die EU-Kommission hat eine hohe Geldstrafe gegen Google verhängt, weil es mit seinem Smartphone-Betriebssystem Android seine marktbeherrschende Position missbrauche und gegen EU-Kartellrecht verstoße. 4,34 Milliarden Euro Strafe soll Google zahlen und binnen 90 Tagen seine "missbräuchlichen Praktiken" einstellen, sonst drohen weitere Zwangsgelder. Google will Berufung einlegen, das erklärte Firmenchef Sundar Pichai in einem Blog-Eintrag. Welche Folgen hat das Urteil für die Android-Plattform und damit für die vielen Android-Nutzer weltweit?

Worum geht es überhaupt?

Die EU-Kommission bemängelt eine Reihe an Vertragsbedingungen, die Hersteller erfüllen müssen, um Android kostenlos zu nutzen. Diese müssen auf jedem Smartphone, das mit Googles Play Store an Bord ausgeliefert wird, insgesamt 11 Google-Apps fest installieren, darunter auch den Chrome-Browser und die Google-Suche. Diese Apps können nicht ohne Weiteres gelöscht werden.

Herstellern, die Android-Geräte verkaufen, verbietet Google zudem, Geräte mit alternativer Software zu verkaufen, die auf dem quelloffenen Android basiert. Hier gilt das Entweder-oder-Prinzip. Ein Praxisbeispiel ist Amazon: Dessen Fire OS basiert auf Android, doch die Geräte kommen ohne Play Store und andere Google Apps, dafür mit Amazons eigenem App Store.

Die EU-Kommission beanstandet außerdem, dass Google offenbar Geld an Hersteller und Mobilfunkanbieter bezahlt hat, damit diese nur die Google-Suche auf ihren Geräten installieren. Damit habe Google nach Ansicht der Kommission auf unzulässige Weise seine marktbeherrschende Stellung gefestigt.  

Wie verdient Google mit Android Geld?

Vereinfacht gesagt: Google entwickelt Android als quelloffene Software, das heißt, jeder kann auf Basis von Android sein eigenes Betriebssystem entwickeln oder die Software für seine Zwecke anpassen. Das machen viele Hersteller auch: Die Benutzeroberflächen von Huawei, LG oder Samsung unterscheiden sich in Aussehen und Funktionen teils deutlich, basieren aber alle auf Android.

Google stellt den Herstellern Android kostenlos zur Verfügung - allerdings unter einer Bedingung: Möchten sie den Play Store vorinstallieren, die App-Zentrale für alle Android-Nutzer, müssen sie nach Googles Regeln spielen. Das heißt, sie müssen auch weitere Google-Apps installieren, darunter Gmail, Youtube, Maps und die Google-Suche. Mit der Nutzung dieser Produkte durch Hunderte Millionen von Android-Nutzern weltweit verdient Google viel Geld. Android hat einen weltweiten Marktanteil von rund 86 Prozent und das liegt wahrscheinlich großteils daran, dass Google seine Software nicht gegen Geld anbietet - die Hersteller zahlen, indem sie die Google-Apps prominent platzieren und die Nutzer zahlen mit ihren Daten.

Was muss Google ändern? 

Die Forderungen der EU-Kommission stellen Googles Geschäftsmodell mit Android auf den Prüfstand. Um die Auflagen zu erfüllen, müsste Google unter anderem darauf verzichten, den Herstellen die feste Installation seiner Dienste vorzuschreiben. Andere Anbieter, zum Beispiel von alternativen Suchmaschinen, müssten leichteren Zugang zu Android-Geräten haben.

Weil dadurch potenzielle Einnahmequellen verloren gingen, könnte Google im Gegenzug eine Lizenzgebühr von den Herstellern kassieren. Ein mögliches Gebühren-Modell, von dem Hersteller und Google etwas haben, könnte laut "GoogleWatchBlog" zum Beispiel so aussehen: Google zahlt an die Hersteller eine Gebühr, damit diese Googles Apps auf ihren Geräten fest installieren. So erkaufen sich auch andere Unternehmen mit ihren Apps einen Platz auf den Smartphones. Im Gegenzug könnte Google von den Herstellern eine Lizenzgebühr dafür einfordern, dass sie die von Google entwickelte und gepflegte Android-Plattform nutzen.

Ist mein Android-Gerät von der Entscheidung betroffen?

Auf Smartphones und Tablets, die bereits verkauft wurden, hat die Entscheidung der EU-Kommission wahrscheinlich keinen Einfluss. Sollte Google im Berufungsverfahren scheitern, muss es jedoch binnen 90 Tagen den Aufforderungen der Kommission nachkommen. Das würde zuerst einmal nur neue Geräte betreffen, die nach der Frist in den Verkauf gehen. Möglich wären kleinere Anpassung per Software-Update, zum Beispiel die Möglichkeit, Chrome oder die Google-Suche einfach vom Gerät zu löschen.

Gibt es Alternativen?

Dass Hersteller auf die Vorinstallation von Googles Play Store verzichten, ist sehr unwahrscheinlich. Der Play Store ist die zentrale Anlaufstelle für alle Android-Nutzer, um Apps zu finden und herunterzuladen. Eine echte Alternative ist nicht in Sicht. Zudem ist er ein Garant für Sicherheit, denn Googles Sicherheitsmechanismen sorgen dafür, dass bösartige Apps meistens draußen bleiben. Außerdem sind Googles Dienste eng mit dem Android-System verknüpft. die Play Services beispielsweise sind Bestandteil des Play Stores, sie bieten App-Entwicklern viele wichtige Funktionen und Frameworks, ohne die viele Apps erst einmal nicht mehr nutzbar sind.

Für viele Android-Nutzer gehören auch die anderen Google-Dienste wie Maps, Gmail oder Youtube fest dazu. Man kann Android zwar auch ohne Google nutzen, das ist aber mit viel Aufwand verbunden, vor dem wohl die meisten Nutzer zurückschrecken. Bei den Browsern ist die Lage etwas anders, denn hier gibt es viele Alternativen zu Googles Haus-Browser Chrome. Neben Apps wie Firefox, Opera, Dolphin oder Microsofts Edge gibt es zum Beispiel von Samsung auch herstellereigene Browser, die in Zukunft Chrome ersetzen könnten. Eine Alternative zur Google-Suche könnte zum Beispiel Microsofts Bing sein.

Ist das das Ende von Android, wie wir es kennen?

Es ist zumindest theoretisch möglich, dass sich Google von der Weiterentwicklung von Android verabschiedet und das Betriebssystem aufgibt. Die Hersteller wären dann gefragt und müssten selbst Alternativen entwickeln. Ein Ende von Android wäre aber für niemanden von Vorteil und ist daher auch sehr unwahrscheinlich. Die einfachste Lösung wäre, wenn Google es den Herstellern freistellt, sein App-Paket zu installieren oder nicht - darauf ganz verzichten würde wohl kaum einer und viele Nutzer würden wahrscheinlich trotzdem Googles Dienste nutzen, vor allem die Websuche, auch wenn sie dazu nicht mehr "gezwungen" werden.

Möglich ist auch, dass sich Google mit den Herstellern auf ein Lizenzgebühr-Modell einigt. Mehrkosten könnten dabei durchaus an die Nutzer weitergegeben werden. Das würde bedeuten, dass Android-Geräte in Zukunft teurer werden. Das muss aber nicht unbedingt schlecht sein, betont "BGR"-Autor Chris Smith in einem lesenswerten Kommentar zur EU-Entscheidung auf dem Tech-Portal. Niemand habe Google gebeten, Android gratis anzubieten. Google müsse aber, wenn es künftig Geld für die Nutzung von Android verlange, den Nutzern auch die Möglichkeit geben, jeglichem Tracking im Hintergrund zu widersprechen.

Quelle: n-tv.de

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