Technik

Kein Grund zur Entwarnung Whatsapp besteht Sicherheitstest, na und?

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Whatsapp verschlüselt jetzt zuverlässig, bleibt aber in der Kritik.

(Foto: imago/Philipp Szyza)

Ein Technikmagazin überprüft, ob die neue Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Whatsapp tatsächlich so funktioniert, wie versprochen. Der Messenger besteht, Kritiker lässt das aber kalt.

Seit einigen Tagen bietet Whatsapp eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung an. Das bedeutet, alle verschickten Inhalte bleiben vom Absender bis zum Empfänger für Dritte nicht lesbar. Auch das Unternehmen selbst kann auf seinen Servern mit den Texten, Bildern oder Videos nichts anfangen, da sie dort nur verschlüsselt Station machen. Das Gleiche gilt für Whatsapp-Anrufe.

Wichtig: Für die nahtlose Ende-zu-Ende-Verschlüsselung spielt es diesmal keine Rolle, zwischen welchen Plattformen sie ausgetauscht werden. Vor rund einem Jahr hatte "Heise.de" die Whatsapp-Verschlüsselung noch als unbrauchbar eingestuft, weil die Nachrichten ausschließlich zwischen Android-Geräten chiffriert verschickt wurden. Nutzer hätten außerdem nicht erkennen können, ob ihre Post verschlüsselt übermittelt wurde.

Beim erneuten Anlauf hat Whatsapp die Sache offensichtlich besser gemacht. "Heise.de" hat die neue Whatsapp-Verschlüsselung mit verschiedenen Tools getestet, mit denen der Nachrichtenversand beobachtet werden kann. Diesmal hatte das Technikmagazin nichts zu beanstanden, auch Versuche die  Verschlüsselung zu umgehen oder auszutricksen seien fehlgeschlagen, schreibt "Heise.de".

Adressbuchabgleich problematischer

Für viele Kritiker ist mit einer gelungenen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei Whatsapp aber noch lange nicht alles in Ordnung. So ist es unter anderem für Behörden immer noch möglich, Metadaten auszuwerten, also wer mit wem wann wie oft kommuniziert. Bei Massenüberwachungen geht es grundsätzlich um solche Informationen, erst in einem zweiten Schritt greifen Ermittler im Verdachtsfall auf Inhalte zu.

Außerdem werden für den Abgleich immer noch die Adressbücher der Nutzer auf Unternehmensservern gespeichert. Da dies oft ohne Wissen oder Zustimmung der dort eingetragenen Nutzer passiert, ist das auch rechtlich problematisch. Der österreichische Professor Peter Burgstaller sagte "Futurezone", der Einsatz von Whatsapp sei sogar illegal. Für eine Weitergabe dieser Daten sei laut EU-Datenschutzrecht die Zustimmung jedes Betroffenen (Kontakts) notwendig. Jeder Whatsapp-Anwender müsse daher theoretisch mit einer Anzeige rechnen.

Damoklesschwert schwebt über Whatsapp

Rechtsanwalt Christian Solmecke sieht für deutsche Nutzer allerdings keine Gefahr, so lange sie den Messenger nur privat einsetzen. Bei Unternehmen greife dagegen das Bundesdatenschutzgesetz, was sie in die Verantwortung nehme. Das Gleiche gelte für Personen, die ihr Handy privat und beruflich nutzen.

Die Praxis des Adressbuchabgleichs bei Whatsapp sei vergleichbar mit der automatischen Übertragung von Kontaktdaten durch die "Freunde finden" Funktion von Facebook. "Auch hier erhielt Facebook Daten von Freunden des Nutzers, ohne dass diese der Übertragung ihrer Daten vorher zugestimmt hatten. An sie versendete Facebook entsprechende Einladungsmails. Ein klarer Verstoß gegen den Datenschutz und eine wettbewerbsrechtlich unzulässige belästigende Werbung, wie erst kürzlich der Bundesgerichtshof bestätigt hat."

Sollten die Verbraucherschützer auch Whatsapp verklagen, könnte dies das Aus für den Dienst hierzulande bedeuten, schreibt der Rechtsanwalt. Anders als Facebook könne Whatsapp ohne den Abgleich der Adressbücher kaum funktionieren.

Quelle: ntv.de, kwe

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