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Rund 300.000 tote Vögel im letzten Jahr Amseln fallen Virus zum Opfer

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Rund 300.000 Amseln sind laut Nabu im vergangenen Jahr in Deutschland dem tropischen Usutu-Virus zum Opfer gefallen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das südafrikanische Usutu-Virus führt zum Massensterben von Amseln in einigen Regionen Deutschlands, bis zu einem Drittel der Amseln sind dort betroffen. Bestandsgefährdend ist das Virus laut Nabu nicht, Amseln sind die meistverbreitete Vogelart in Deutschland.

Vogelexperten des Nabu haben erstmals berechnet, wie sich das Usutu-Virus in Deutschland auf den Amselbestand auswirkt. Allein im vergangenen Jahr fielen dem Virus 300.000 Amseln zum Opfer, wie Vogelzählungen des Nabu aus den vergangenen sieben Jahren ergeben. "Die Zahlen zeigen, dass das Risiko für Amseln in bestimmten Regionen groß, aber bundesweit nicht bestandsgefährdend ist", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Bei den Vogelzählungen gehen jeweils Daten aus mehr als 30.000 Gärten und Parks ein. Noch ist unklar, wie sich das Vogelsterben und die Amselbestände in Zukunft entwickeln. Allerdings belegen die Zahlen erstmalig den negativen Einfluss des Virus auf regionale Amselpopulationen.

Das Ausbruchsgebiet hat sich im Sommer 2012 leicht ausgebreitet und umfasst nun die Rheinebene von Freiburg im Breisgau bis Köln und das Maintal aufwärts bis Frankfurt am Main und Hanau. "Die Ausbreitung des Virus sollte kein Grund zur Panik sein. Wir können davon ausgehen, dass die Amseln zunehmend resistent gegen den Erreger werden", so Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann.

In Usutu-Regionen stirbt ein Drittel der Amseln

Erstmals ausgebrochen war das tropische Virus im Sommer 2011 am nördlichen Oberrhein im Grenzgebiet von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Hier hatte es zu einem regelrechten Massensterben geführt. Nach Berechnungen des Nabu ist der Amselbestand in den betroffenen Regionen innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel gesunken. In den Landkreisen, in denen das Virus nicht nachgewiesen wurde, ging der Bestand lediglich um zwölf Prozent zurück. Daraus ergibt sich die Zahl der insgesamt 300.000 am Virus verendeten Amseln.

Während das Virus nach Augenzeugenberichten in manchen Gegenden zwischenzeitlich zum völligen Verschwinden von Amseln geführt hat, ist dies auf Landkreisebene bislang nicht der Fall. Um die weitere Entwicklung des Virus zu beobachten und zu bewerten, ruft der NABU dazu auf, möglicherweise am Usutu-Virus erkrankte oder gestorbene Amseln zu melden. Frisch tote verdächtige Vögel können zudem zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) geschickt werden.

Apathisch und unkoordiniert

Das Usutu-Virus stammt ursprünglich aus Südafrika und trat 2011 zum ersten Mal in Deutschland auf. Infizierte Vögel wirken apathisch und unkoordiniert und weisen häufig auch kahle Stellen im Kopf- und Halsgefieder auf. Usutu-Viren wurden in Stechmücken gefunden, sie überwintern in den Mückenweibchen und werden nur direkt von ihnen übertragen. Es kann weder von Vogel zu Vogel noch vom Vogel zum Menschen übertragen werden, allerdings können Mücken das Virus an den Menschen weitergeben. Eine solche Infektion war Ende August in Deutschland erstmals bei einem Mann aus dem hessischen Groß-Gerau nachgewiesen worden.

Obwohl auch andere Vogelarten mit dem Usutu-Virus infiziert werden, ist bislang unklar, warum ihm hauptsächlich Amseln zum Opfer fallen. Amseln sind mit 13 Prozent die am weitesten verbreitete Vogelart in Deutschland. Nach Schätzungen leben etwa acht bis 16 Millionen Brutpaare in Deutschland, nach der Brutzeit im Sommer etwa 50 bis 60 Millionen Individuen.

Quelle: n-tv.de, Nabu/dpa

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