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Der Start in Baikonur: Der angolanische Satellit sitzt in einer Schutzhülle unter der Spitze der Zenit-Trägerrakete.
Der Start in Baikonur: Der angolanische Satellit sitzt in einer Schutzhülle unter der Spitze der Zenit-Trägerrakete.(Foto: © Roskosmos / Twitter.com)
Mittwoch, 27. Dezember 2017

Daten aus dem All für Afrika: Angola verliert ersten Satelliten

Schwerer Rückschlag für die angolanische Raumfahrt: Mithilfe einer eigenen Relaisstation im All wollen Ingenieure die Anbindung des südwestafrikanischen Staates ans weltweite Datennetz verbessern. Doch schon kurz nach dem Start reißt die Verbindung zu Angosat-1 ab.

Der Kontakt zum ersten angolanischen Satelliten im Weltall ist Stunden nach dem Start vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abgebrochen. Der in Russland gebaute Telekom-Satellit Angosat-1 war um 1.00 Ortszeit (Dienstag, 20.00 MEZ) mit einer Trägerrakete vom Typ Zenit-2SB zu seinem Flug ins All gestartet.

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Nach der Trennung von der Rakete habe der Satellit zunächst störungsfrei Signale gesendet, berichtete ein Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde in Baikonur. "Doch dann ging die Verbindung verloren, es kamen keine telemetrischen Daten mehr an."

Der Kontakt sei abgerissen, als die Flügel mit Solarzellen zur Stromversorgung ausgefahren worden seien, berichteten russische Nachrichtenagenturen. Der Zeitpunkt deutet auf gravierende technische Probleme wie etwa einen Kurzschluss hin. Noch ist unklar, ob der Satellit dauerhaft verloren ist: Offiziell heißt es aus Baikonur, es gebe "vorübergehend" keinen Kontakt mehr. Dass die teure Technik noch zu retten ist, halten Beobachter allerdings für wenig wahrscheinlich.

Ein Totalverlust wäre für die junge Raumfahrtnation Angola ein herber Rückschlag: Angosat-1 ist ein mehrfach verschobenes Prestigeprojekt des südwestafrikanischen Landes. Der Satellit soll Fernsehen und andere Telekom-Dienste in Angola und im Süden Afrikas übertragen und auch die Anbindung der Region an das Internet verbessern.

Das 280 Millionen US-Dollar (rund 236 Millionen Euro) teure Projekt wurde mit einem Kredit russischer Staatsbanken finanziert. Es umfasst den Satelliten, dessen Start sowie die erforderliche Infrastruktur am Boden. Rund 50 angolanische Ingenieure wurden im Zuge des Programms ausgebildet, um in einer Kontrollstation nahe der angolanischen Hauptstadt Luanda die Funktionsfähigkeit des Satelliten zu überwachen. An der Ausbildung beteiligten sich neben Russland unter anderen auch Brasilien, China und Japan.

Raketentechnik aus der Ukraine

Für die russische Raumfahrt ist es der zweite Fehlschlag binnen weniger Wochen. Ende November war ein russischer Wettersatellit nach dem Start vom neuen Weltraumbahnhof Wostotschny abgestürzt. Die Zenit-Trägerraketen sind zu Sowjetzeiten entwickelt worden. Gebaut werden die Raketen in der Ukraine. Das Projekt ist eines der wenigen Beispiele für ukrainisch-russische Zusammenarbeit seit der russischen Annexion der Krim-Halbinsel 2014.

Auch in den Jahren 2015 und 2016 hatte die russische Raumfahrtbehörde mehrere Pannen zu verzeichnen, darunter den Verlust eines Progress-Raumfrachters auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS, den gescheiterten Start einer Proton-Trägerrakete sowie technische Mängel an Raketentriebwerken.

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Quelle: n-tv.de