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Asteroid "2004 EW95" in einer Computergrafik. Er ist 300 Kilometer groß und vier Milliarden Kilometer weit weg.
Asteroid "2004 EW95" in einer Computergrafik. Er ist 300 Kilometer groß und vier Milliarden Kilometer weit weg.(Foto: ESO/M. Kornmesser)
Mittwoch, 09. Mai 2018

Milliarden Kilometer gewandert: Asteroid weit vom Ursprungsort entdeckt

Was Berechnungen nahelegen, können Forscher nun durch Messungen bestätigen: Einige Asteroiden wurden in der Frühzeit des Sonnensystems von den großen Gasplaneten auf andere Bahnen geschleudert. "2004 EW95" hat es weit hinaus verschlagen.

Die Anfänge unseres Sonnensystems waren eine stürmische Zeit. Wahrscheinlich dominierten damals die großen Gasplaneten das Geschehen: Sie schleuderten kleine gesteinshaltige Körper aus dem inneren Sonnensystem hinaus in entfernte Umlaufbahnen. Darauf lassen zumindest theoretische Berechnungen schließen. Einige kohlenstoffreiche Asteroiden könnten dabei bis in den Kuipergürtel gelangt sein - in die kalte Region jenseits von Neptun, in der auch Pluto seine Bahnen zieht.

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Was die Modellrechnungen nahelegen, konnten jetzt Forscher durch Messungen mit dem Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte in Chile unterstützen: Ein kleines Astronomen-Team unter der Leitung von Tom Seccull von der Queen's University Belfast hat das Kuipergürtel-Objekt "2004 EW95" genauer untersucht und festgestellt, dass es sich dabei um einen kohlenstoffhaltigen Asteroiden handelt. Alles deutet darauf hin, dass er einst zwischen Mars und Jupiter entstanden ist und dann Milliarden von Kilometer bis in den Kuipergürtel geschleudert wurde. Damit ist "2004 EW95" der erste kohlenstoffreiche Asteroid, der in den kalten Außenbereichen unseres Sonnensystems bestätigt werden konnte.

Wie ein Kohleberg vor pechschwarzer Leinwand

Die Besonderheit von "2004 EW95" hatte sich zunächst bei Routinebeobachtungen mit Weltraumteleskop Hubble gezeigt. "Das Reflexionsspektrum von '2004 EW95' unterschied sich deutlich von den anderen beobachteten Objekten des äußeren Sonnensystems", erklärt Studienleiter Seccull. "Es sah so seltsam aus, dass wir es uns unbedingt genauer ansehen mussten." Instrumente des VLT erlaubten es dem Team, das vom Asteroiden reflektierte Licht genauer zu vermessen und so auf seine chemische Zusammensetzung zu schließen.

Doch das Objekt war schwer zu beobachten. Zwar ist der Asteroid rund 300 Kilometer groß, doch er befindet sich derzeit vier Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Das machte das Sammeln von Daten von seiner dunklen, kohlenstoffreichen Oberfläche zu einer Herausforderung. "Es ist, als würde man einen riesigen Kohleberg gegen die pechschwarze Leinwand des Nachthimmels beobachten", erläutert Thomas Puzia von der Pontificia Universidad Católica de Chile, der an der Studie beteiligt war.

Schließlich waren die Wissenschaftler erfolgreich. Sie konnten Eisenoxide und Phyllosilikate in dem Asteroiden ausfindig machen: Materialien, die noch nie zuvor bei einem Objekt des Kuipergürtels bestätigt worden waren. Sie legen nahe, dass "2004 EW95" seinen Ursprung im inneren Sonnensystem hat und später von einem anderen Planeten in seine gegenwärtige Umlaufbahn geschleudert wurde. "Die Entdeckung eines kohlenstoffhaltigen Asteroiden im Kuipergürtel ist ein wichtiger Nachweis für eine der grundlegenden Vorhersagen dynamischer Modelle des frühen Sonnensystems", kommentiert Olivier Hainaut, Astronom der Europäischen Südsternwarte, der nicht an der Studie beteiligt war. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "The Astrophysical Journal Letters" veröffentlicht.

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Quelle: n-tv.de