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Griff nach den Sternen Äthiopien ist jetzt eine Raumfahrtnation

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Die Trägerrakete beim Start in Taiyuan. An Bord hat sie Satelliten. Einer davon wurde von China und Brasilien zusammen entwickelt, ein weiterer wurde gemeinsam von chinesischen und äthiopischen Ingenieuren gebaut.

(Foto: picture alliance/dpa)

Äthiopien ist eins der ärmsten Länder der Welt, doch das heißt nicht, dass es "nicht auch träumen kann": Es schickt seinen ersten Satelliten ins All und darf sich nun auch Raumfahrtnation nennen. Satelliten werden immer wichtiger: Auch wegen des Klimawandels steigt der Bedarf an Daten aus dem All.

Mit dem erfolgreichen Start seines ersten Satelliten ist Äthiopien dem Reigen der Raumfahrtnationen beigetreten. "Das ist der Tag, an dem wir eins der 70 Länder weltweit werden, das einen eigenen Satelliten im All betreibt", sagte Ahmedin Mohamed vom Technologieministerium des ostafrikanischen Staates.

Der gemeinsam von chinesischen und äthiopischen Ingenieuren gebaute, nur 72 Kilo schwere Wetterbeobachtungssatellit war zuvor in Taiyuan in der nordchinesischen Provinz Shanxi von einer chinesischen Trägerrakete ins All geschossen worden. Neben dem Start eines Kommunikationssatelliten sei nun der Aufbau einer Montagestätte für Raumfahrtkomponenten im Land geplant, so Mohamed. "Auch wenn wir ein armes Land sind, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht auch träumen können", sagte der äthiopische Politiker Tefera Walwa, Schirmherr der Ethiopian Space Science Society, der wesentlichen Anteil am Satellitenprojekt seines Landes hatte.

Wegen Klimawandel steigt Bedarf an Daten aus dem All

Angestoßen wurde Äthiopiens Raumfahrtprogramm vom einstigen Technologieminister, dem heutigen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed. Im Jahr 2015 etwa wurden die ersten beiden Teleskope des äthiopischen Weltraumprogramms in Betrieb genommen, ein 2,7 Millionen Euro teure Observatorium wurde errichtet.

In Afrika haben knapp 20 Länder Raumfahrtprogramme aufgelegt, acht davon haben schon fast drei Dutzend Satelliten ins All geschossen. Verlässliche Zahlen zu Afrikas junger Raumfahrtindustrie gibt es jedoch kaum, da viele Staaten nur Angaben zum Luft- und Raumfahrtsektor gemeinsam machen. Doch wird die Zahl ihrer Mitarbeiter auf insgesamt weniger als 10.000 geschätzt. Die Mehrheit davon ist in staatlichen Raumfahrtprogrammen tätig, nur ein extrem kleiner Teil ist bei kommerziellen Unternehmen angestellt.

Hintergrund: Satelliten werden immer kleiner und damit erschwinglicher. Zudem steigt nicht nur wegen des Klimawandels der Bedarf an verlässlichen Daten aus dem All: Auch Afrikas Digitalbranche setzt auf Kommunikationsverbindungen.

Quelle: ntv.de, abe/dpa