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Lange vor den ersten Symptomen Bluttest sagt Alzheimer-Risiko voraus

Die Angst vor Alzheimer ist groß. Die Erkrankung des Vergessens kann bisher nicht geheilt werden. Mit einem neuen Bluttest können Forscher aber mit großer Wahrscheinlichkeit voraussagen, ob jemand Alzheimer bekommt. Aber wer will das Jahre vorher wissen?

Forscher haben einen Test entwickelt, mit dem Eiweiße im Blut nachgewiesen werden können, die mit der Alzheimer-Erkrankung in direkter Verbindung stehen. Über eine Blutuntersuchung sei der Nachweis von sehr geringen Mengen sogenannter Beta-Amyloide möglich, schreiben die Forscher um Randall Bateman von der Washington University School of Medicine in St. Louis in Missouri im Fachblatt "Neurology".

Beta-Amyloide gelten derzeit als Hauptursache für Alzheimer. Die Eiweiße lagern sich im Gehirn ab. Das führt mit der Zeit zur Zerstörung von Nervenzellen, zu Entzündungen und schließlich zu Störungen von Signalübertragungen im Gehirn. Die Eiweiße können sich allerdings bereits 20 Jahre vor Ausbruch von typischen Symptomen im Gehirn festsetzen.

Mithilfe der Positronen-Emissionen-Tomografie (PET) und einem sogenannten Tracer können diese Ablagerungen seit einiger Zeit im Gehirn von Patienten sichtbar gemacht werden. Als zweite Möglichkeit für eine Diagnosestellung gilt die Untersuchung von Hirnwasser (Liquor). Für ein breites Screening jedoch ist die erste Untersuchungsvariante zu teuer, die zweite zu invasiv. Dabei gilt die Behandlung von Alzheimer in der Frühphase unter Experten als besonders effektiv.

Bluttest könnte Misere beenden

Für ihre Untersuchung testeten die Forscher deshalb das Blut von insgesamt 158 Erwachsenen. Alle Studienteilnehmer waren zu Beginn der Studie über 50 Jahre alt. Bis auf zehn von ihnen galten alle als kognitiv unauffällig. Bei den Probanden wurde das Gehirn mittels PET und Amyloid-Tracer untersucht und alle gaben mindestens eine Blutprobe ab. Die Studiendauer lag bei 50 Jahren.

Es zeigte sich, dass in 88 Prozent der Fälle Beta-Amyloid sowohl im Gehirn als auch im Blut zu finden war. Obwohl dieser Wert hoch ist, reicht er dennoch nicht aus, um eine Alzheimer-Erkrankung sicher zu diagnostizieren. Das war auch den Forscher klar. Deshalb kombinierten sie ihren Test mit zwei weiteren Risikofaktoren, nämlich dem Alter und einer bestimmten Genveränderung. Für Menschen ab 65 Jahren verdoppelt sich alle fünf Jahre die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken. Menschen, die die Genveränderung APOE4 in sich tragen, erkranken drei Mal so häufig an Alzheimer wie Menschen ohne diese Genveränderung.

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Die Forscher konzentrierten sich nun auf Probanden, die über 65 Jahre alt waren und die APOE4-Veränderung aufwiesen. Bei diesen lag die Genauigkeit des Bluttests sogar bei 94 Prozent. Dennoch blieb ein geringer Anteil von Probanden, bei denen trotz Beta-Amyloid-Nachweis im Blut bei der PET-Untersuchung keine Ablagerungen sichtbar waren. Vier Jahre später konnten bei einigen Studienteilnehmern jedoch spezifische Alzheimer-Veränderungen im Gehirn nachgewiesen werden. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Bluttest noch vor den sichtbaren Veränderungen im Gehirn Alzheimer anzeigt. Bis der wissenschaftliche Beweis dafür geliefert werden kann, bedarf es aber weiterer Untersuchungen.

Bluttest ist keine Frühdiagnose

Den Forschern ist klar, dass der medizinische Nutzen nicht darin besteht, Patienten Jahre vorher über die Wahrscheinlichkeit einer Alzheimer-Erkrankung aufzuklären. Eine solche Diagnose würde die meisten Betroffenen nicht nur verunsichern, sondern sogar schwer belasten.

Es gehe vielmehr darum, für klinische Untersuchungen schnell und kostengünstig Probanden zu gewinnen, bei denen bereits Ablagerungen im Gehirn sichtbar, aber noch keine Symptome vorhanden sind. "Wenn die Versuche schneller durchgeführt werden können, kommen wir unserem Ziel, die Krankheit zu besiegen, näher", führt Bateman aus. Derzeit zielt die Alzheimer-Therapie auf eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.

Quelle: n-tv.de, jaz

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