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Angst am Nordpolarmeer Der Eisbär wird zum Problembären

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Auf der Suche nach Nahrung halten sich Eisbären am Polarkreis immer häufiger und auch immer länger in der Nähe von Menschen auf und werden so zur Gefahr.

(Foto: dpa)

Um Robben jagen zu können, brauchen Eisbären Eisschollen auf dem Meer. Doch das Eis braucht immer länger, um sich zu bilden. In der Zwischenzeit suchen die Raubtiere nach Nahrungsalternativen in besiedelten Gebieten. So werden sie zur Gefahr für den Menschen.

Am Nordpolarmeer sind Eisbären erneut Siedlungen gefährlich nahegekommen. Die Bewohner des russischen Dorfes Ryrkaipij am Ufer der arktischen Tschuktschensee schlagen inzwischen mehrmals täglich Alarm. Patrouillen seien unterwegs, um die Tiere von Häusern zu verscheuchen.

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WWF-Sprecher Roland Gramling erklärt: "Zum Ende des Sommers zieht es die Eisbären geballt an die Küsten." Dort warten sie, bis sich Eis auf dem Meer bildet, um dann auf Robbenjagd gehen zu können. Darauf müssten sie mitunter Monate warten: "Wegen der Klimakrise bleibt das Meer immer länger eisfrei." Auf der Suche nach Futter zieht es die Bären dann in Dörfer, um etwa auf Müllhalden nach Nahrung zu wühlen. Bereits Ende Juli tauchte nach Angaben der Umweltschützer das erste junge Männchen auf der Tschuktschen-Halbinsel auf. Danach sichteten Dorfbewohner weitere Tiere.

Die wilden Müllhalden in dem Gebiet verstärken das Problem zusätzlich. Denn die Abfallhalden machen den Tieren das ganze Jahr über die Suche nach Nahrung einfach. Manche Eisbären bleiben gleich dauerhaft in der Nähe der menschgemachten Nahrungsquelle. In der Region wird deswegen nun über Müllverbrennungsanlagen nachgedacht. So könnte dauerhaft verhindert werden, dass die Tiere durch den Geruch des Abfalls angelockt werden.

Gefährdete Art

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Der Eisbär gilt auch in Russland als gefährdete Art und ist geschützt. Die Tiere dürfen deswegen nicht gejagt werden. Mit Leucht- und Schreckschusspistolen versuchen Eisbär-Patrouillen die Tiere zu verscheuchen oder zumindest auf Abstand zu halten. Der WWF unterstützt diese Aktion. Den Patrouillen gehören etwa Jäger und Förster an, die im Schichtsystem Ausschau nach Eisbären halten. Sie erhalten einen Obolus und die Ausrüstung, erläutert Gramling. Er nannte dies einen Beitrag, um Regionen an die veränderten Klimabedingungen anzupassen. "Etwas anderes kann man im Moment nicht machen." Weil das arktische Eis stärker als bisher schmilzt, waren die Tiere im vergangenen Winter zunehmend nach Süden gezogen.

Erst im Februar hatten sich auf der sibirischen Inselgruppe Nowaja Semlja über Wochen etwa 50 Eisbären in der Nähe von Menschen aufgehalten. Sie drangen in Wohnhäuser und öffentliche Gebäude ein. Einige Bären griffen sogar Menschen an. Die Behörden verhängten den Ausnahmezustand. Wegen der gefährlichen Invasion der Raubtiere dachten die örtlichen Behörden über eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss nach. Doch die Tiere konnten schließlich vertrieben werden.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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