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Bei 13 Grad entscheidende Marke Erwärmung bremst Wachstum - weltweit

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Eine indische Bäuerin auf ihrem dürregeplagten Feld in Assam.

(Foto: dpa)

Steigende Temperaturen - was bedeuten sie eigentlich für die Produktivität unserer Wirtschaft? Eine neue Studie zeigt: Zu viel Wärme ist schlecht, bei 13 Grad Celsius läuft es am besten. Das gilt sowohl für arme als auch für reichere Länder, ohne Unterschied.

Steigende Temperaturen durch den Klimawandel könnten die Weltwirtschaft einer US-Studie zufolge spürbar ausbremsen. Die höchste Produktivität hätten Volkswirtschaften bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 13 Grad Celsius, schreiben Marshall Burke von der Stanford University und Kollegen im Fachjournal "Nature". Bis zu dieser Temperatur stiegen die Erträge an; werde es noch wärmer, sänken sie fast linear wieder ab.

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Vertrocknete Maispflanzen im Juli 2015 in Baden-Württemberg: Die 13-Grad-Marke gilt laut Studie sowohl für arme als auch für reichere Länder, unabhängig vom Industrialisierungsgrad.

(Foto: dpa)

Die Forscher hatten Wirtschaftsdaten von 166 Staaten jeweils für den Zeitraum 1960 bis 2010 ausgewertet und in Beziehung zu den jährlichen Durchschnittstemperaturen gesetzt. Die Wendemarke von 13 Grad besteht demnach unabhängig davon, wie hoch der Industrialisierungsgrad der Länder ist. Sie gilt für Leistung der Arbeitskräfte ebenso wie für die der Landwirtschaft.

Verminderung der Wirtschaftskraft von 23 Prozent

Werde die Erwärmung nicht eingedämmt, drohe bei einem erwarteten Anstieg von gut vier Grad Celsius bis 2100 eine Verminderung der weltweiten Wirtschaftskraft von fast einem Viertel (23 Prozent) im Vergleich zu einer Situation ohne Temperaturanstieg, warnen Burke und Kollegen. In 77 Prozent der Länder werden die einzelnen Menschen im Schnitt ärmer sein als sie es ohne steigende Temperaturen wären. Je nach Szenario seien 5 bis 43 Prozent aller Länder 2100 dann sogar ärmer als sie heute sind.

Insgesamt werde sich der Abstand zwischen armen und wohlhabenden Länder vergrößern. Das reichste Fünftel der Länder werde noch leichte Zugewinne einfahren - denn dort seien die Temperaturen meist noch vergleichsweise niedrig. In Deutschland etwa lag das Jahresmittel 2014, dem wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, nach Daten des Deutschen Wetterdienstes bei 10,3 Grad und damit unter der Wendemarke von 13 Grad. Für die USA jedoch sehen die Forscher bis 2100 stärkere Einbußen voraus.

In einem Begleitartikel schreibt der schwedische Ökonom Thomas Sterner von der Universität Göteborg zu den Ergebnissen: "Diese Einschätzungen bedeuten wesentlich höhere ökonomische Verluste, als die meisten führenden Modelle sie nahelegen." Unter Umständen müssten Schadensvorhersagen um mehrere 100 Prozent erhöht werden. Das Team um Burke betont, dass weitere durch den Klimawandel bedingte Effekte wie mehr tropische Zyklone oder steigende Meeresspiegel in den Hochrechnungen noch gar nicht berücksichtigt seien

Quelle: n-tv.de, abe/dpa

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