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Bange Stunden in der ESA-Zentrale Europa schießt zwei Satelliten ins All

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Europas Außenposten im All: So soll die Abtrennung von der Fregat-Oberstufe funktionieren (Grafik).

(Foto: picture alliance / dpa)

Wird diesmal alles gut gehen? Experten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA verfolgen gespannt die Flugbahn einer russischen Sojus-Rakete. An Bord befinden sich die Satelliten Nr. 7 und 8 der europäischen GPS-Alternative.

Der Aufbau des europäischen Navigationssystems Galileo kommt voran: Eine Sojus-Trägerrakete brachte den siebten und achten Satelliten des Systems von Europas Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana aus in den Weltraum.

Nach einem Flug von fast vier Stunden setzte die Fregat-Oberstufe sie in einer Höhe von gut 22.500 Kilometern in eine Umlaufbahn aus, berichtete die Raketenbetreibergesellschaft Arianespace am frühen Morgen in Evry bei Paris. Die zusammen knapp eineinhalb Tonnen schweren Galileo-Satelliten sollen sich nun selbst nach und nach in ihre "Arbeitsumlaufbahn" von 22.322 Kilometer absenken.

Sieben Monate nach der Panne

Bei den letzten Galileo-Starts im vergangenen August hatte ein technischer Defekt die Satelliten in einem zu niedrigen Orbit ausgesetzt. Eine eingefrorene Hydrazin-Leitung in der Oberstufe der russischen Sojus-Trägerrakete hatte die Nutzlast fehlgeleitet. Die Ursache der Störung wurde behoben, der nächste Galileo-Start konnte vorbereitet werden.

Dennoch war es ein herber Rückschlag für das europäische Multimilliarden-Programm. Die Umlaufbahn der beiden künstlichen Himmelskörper wurde inzwischen korrigiert. Trotz der Neuausrichtung ist weiterhin unklar, ob die im August ins All geschossenen Satelliten für das Galileo-System nutzbar sein werden.

Milliarden für die Unabhängigkeit

Der nun erfolgte Start der Satelliten Nummer sieben und acht war ursprünglich bereits Ende vergangenen Jahres vorgesehen. Die Untersuchungen der Panne vom August machten dies allerdings zunächst unmöglich. Nach einer Testphase dürften sie Mitte des Jahres ihren Betrieb aufnehmen, teilte die Europäische Weltraumorganisation ESA mit. Mehrere Satelliten-Paare stehen schon für die nächsten Starts bereit, hatte der im Sommer scheidende Esa-Chef Jean-Jacques Dordain erklärt.

Die Satellitenstarts sind Bestandteil eines ehrgeizigen Großprojekts. Das Galileo-System soll Europa in der Navigation und bei der Versorgung mit Ortsdaten unabhängig von den USA machen. Bislang stützen sich zahlreiche Anwendungen wie zum Beispiel Navi-Systeme im Straßenverkehr noch auf das Global Positioning System (GPS). Russland betreibt ein eigenes System namens Glonass. Indien und China arbeiten an eigenen Projekten.

Elektronische Infrastruktur

Satellitendaten zur Ortsbestimmung spielen im Transportwesen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Abgesehen von der zivilen Nutzung bauen allerdings auch verschiedene Militärtechnologien wie etwa Lenkflugkörper und Präzisionsbomben auf den Ortsdaten aus dem All auf. Im Konfliktfall muss daher damit gerechnet werden, dass die Betreiberstaaten ihre Systeme ohne Vorwarnung abschalten oder die Dienste zumindest einschränken.

Für die private Nutzung außerhalb der USA ist das GPS-System zum Beispiel sehr viel ungenauer als für den Gebrauch durch militärische Stellen. Anbieter von Kartendiensten verbessern die Genauigkeit mobiler Ortungen daher durch laufende Kreuzpeilungen mit zusätzlichen Sendestationen am Boden.

Bis zum Jahr 2020 soll das weltumspannende Netz aus Navigationssatelliten komplett einsatzbereit sein. Die zuletzt ins All geschossenen Komponenten des Systems sind die Satelliten Nummer Sieben und Acht. In seiner vollen Größe wird das milliardenteure Galileo-System aus insgesamt 30 Satelliten und der notwendigen Infrastruktur bestehen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa

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