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Zellen wachsen in der Petrischale Forscher züchten Brustmodell

Zehntausende Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs. Jetzt gelingt es Forschern, Brustdrüsengewebe im Labor züchten. Das Experiment könnte helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

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Das mikrospische Foto zeigt eine gezüchtete Bruststruktur am Helmholtz Zentrum in München.

(Foto: dpa)

Forscher des Helmholtz-Zentrums und der Ludwig Maximilians-Universität in München haben erstmals Brustdrüsengewebe in der Petrischale gezüchtet. Daran sei die Entstehung von normalem Drüsengewebe nachvollziehbar, berichten sie in der Fachzeitzeitschrift "Development". Das Modell soll helfen, Brustkrebs und seine Entstehung im Detail verfolgen und verstehen zu können.

Erste Beobachtungen an dem gezüchteten dreidimensionalen Gewebe lassen vermuten, dass die Weichen für einen späteren Brustkrebs möglicherweise schon in der Pubertät gestellt werden, erklären die Forscher. Die Hoffnung ist, künftig vielleicht Substanzen gegen Brustkrebs in der Petrischale testen zu können.

Die Forschungsgruppe von Christina Scheel brachte Brustzellen unterschiedlicher Frauen aus Brustverkleinerungen in der Petrischale in ein transparentes Gel. Darin entwickelten sich die Zellen wie in der Pubertät in einer weiblichen Brust. "Die Stammzellen sind in der Lage, komplexe Drüsenstrukturen mit verschiedenartigen Zellen nachzubilden", erläuterte Scheel. Wie in der echten Brust formten sich in dem Gel Milchgänge und an deren Ende traubenartige Strukturen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Elastizität der Brust das Wachstum der Zellen beeinflusst. In härterem Gel war das Zellwachstum stärker war als in elastischem Gel.

Nächste Studie mit Krebszellen

Andere Stammzellforscher setzen in die Studie große Hoffnung. Es sei ein bisher einzigartiges System, Brustdrüsengewebe dreidimensional in der Petrischale nachzubilden, sagte Prof. Andreas Trumpp, Abteilungsleiter Stammzellen und Krebs am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Er warnte aber vor verfrühter Euphorie. Das Experiment wurde noch nicht mit Krebszellen vollzogen. Falls das gelänge, könnte das eine große Chance für die Entwicklung neuer Medikamente sein. Das Kultursystem könnte dann zur Fahndung nach neuen Substanzen genutzt werden, die das Wachstum und die Wanderung der Krebszellen blockieren.

Rund 70.000 Frauen bekommen allein in Deutschland jährlich die Diagnose Brustkrebs. Gerade bei jungen Frauen kann der Krebs sehr aggressiv sein. Laut Scheel ist es sehr gut möglich, dass schon während der Pubertät Vorläuferformen von Krebs bei jungen Frauen angelegt werden. Bei Krebs laufe das Wachstum der Zellen ähnlich wie in der Pubertät - nur unkontrolliert: "Die Brustdrüse wächst bei ihrer Entwicklung wie ein invasiver Krebs, aber kontrolliert in das Fettgewebe ein. Das ist der Prozess, den wir jetzt nachstellen können."

Das Experiment zeigt zunächst die Funktionsweise der normalen Brust. Für die Forscher ist das die Voraussetzung, um die Abläufe bei Krankheit besser zu verstehen. Im nächsten Schritt wollen die Forscher Krebszellen in das Gel einbringen - und sehen, ob und wie sich Krebs entwickelt.

Quelle: ntv.de, hul/dpa