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Die Medikamente, die Bluthochdruck senken sollen, haben keinen Einfluss auf die Potenz.
Die Medikamente, die Bluthochdruck senken sollen, haben keinen Einfluss auf die Potenz.(Foto: imago/Science Photo Library)
Dienstag, 13. März 2018

Verdacht ausgeräumt: Hochdrucksenker stören nicht die Potenz

Lange Zeit scheint klar: Bluthochdruckmittel sind Potenzkiller. Dass die Wirkstoffe, die den Blutdruck in Schach halten sollen, nicht dafür verantwortlich sind, zeigt eine aktuelle Untersuchung, die aber auch Hoffnungen zerschlägt.

Männer mit Bluthochdruck leiden oftmals auch unter Impotenz. In vergangenen Zeiten wurden vor allem die Medikamente, die zur Behandlung des Hochdrucks eingenommen wurden, dafür verantwortlich gemacht. Um diese Annahme zu überprüfen, hat ein internationales Forscherteam unter Leitung von Philip Joseph von  McMaster University im kanadischen Hamilton untersucht, wie verschiedene Wirkstoffe zur Blutdrucksenkung auf die Potenz wirken.

Erektile Dysfunktion

Impotenz oder Potenzstörungen werden in der Fachsprache als Erektile Dysfunktion bezeichnet. Es handelt sich um eine schwerwiegende Erkrankung. Beim überwiegenden Teil der Betroffenen liegen körperliche Ursachen zugrunde. Da das Alter der größte Risikofaktor dafür ist, kommen oft noch andere Erkrankungen hinzu. 

"Die Studie spiegelt gut wider, was Ärzte alltäglich in der Praxis sehen", sagt Professor Bernhard Krämer, Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga. "Bei den meisten der Patienten ist nicht nur der Blutdruck zu hoch, sondern auch Blutfette, Blutzucker und Körpergewicht." Eine weitere Komponente dieses sogenannten metabolischen Syndroms kann bei Männern eine erektile Dysfunktion sein.

Keinen Einfluss hinsichtlich der Potenz

Die Forscher suchten für ihre Analyse zunächst 2153 Männer aus der sogenannten Hope-Studie, an der mehr als 12.000 Menschen teilnahmen, heraus. Bei "Hope" wurde die Wirksamkeit von zwei Blutdruckmedikamenten und einem Cholesterinsenker geprüft. Die Ausgewählten waren zu Beginn der Hope-Studie durchschnittlich 61,5 Jahre alt. 58 Prozent von ihnen gaben an, an erektiler Dysfunktion zu leiden. Alle hatten neben einem erhöhten Blutdruck mindestens einen weiteren Risikofaktor für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.  

Bei der Analyse zeigte sich, dass weder mit den Hochdruckmedikamenten noch mit dem Cholesterinsenker Impotenz häufiger auftrat als ganz ohne Medikamente beziehungsweise mit der Gabe von Placebos. "Aufgrund der Größe der Studie und der Behandlungsdauer von 5,6 Jahren bestätigen die Ergebnisse unsere Erfahrung, dass eine Blutdrucksenkung durch Hochdruckmedikamente im Allgemeinen keine Potenzstörungen auslöst", sagt Professor Peter Trenkwalder, Stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Hochdruckliga.

Allerdings haben die Medikamente das Neuauftreten einer erektilen Dysfunktion auch nicht verhindert. "Wir hatten natürlich gehofft, dass eine Normalisierung von Blutdruck und Cholesterin die Patienten genauso vor einer erektilen Dysfunktion bewahrt, wie sie vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützt", so der Experte vom Klinikum Starnberg weiter. Dennoch könne Patienten mit bestimmten Präparaten geholfen werden.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Canadian Journal of Cardiology.

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Quelle: n-tv.de