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"Rost-Studie" dämpft Erwartungen Ist der Mars zu trocken für flüssiges Wasser?

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"Curiosity" auf dem Mars - der Planet ist sehr, sehr trocken.

(Foto: Nasa)

Im vergangenen Jahr verkündet die Nasa, man habe Wasser auf dem Mars gefunden - allerdings nur indirekt. Neue Untersuchungen treten auf die Bremse: Demnach sind die Bedingungen für flüssiges Wasser auf dem Mars nicht gegeben.

Flüssiges Wasser auf dem Mars: Es ist heute nahezu Konsens in der wissenschaftlichen Welt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir darauf stoßen. Und mit der Suche nach dem Wasser verbindet sich die nach lebenden Organismen auf unserem Nachbarplaneten. Das ist ein großer Antrieb für die Forschung - und auch ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Finanzierung weiterer Missionen der US-Weltraumorganisation Nasa. Regelmäßig schürt man dort die Hoffnung, bald flüssiges Wasser auf dem Roten Planeten direkt nachweisen zu können.

Wassereis als auch viele Hinweise auf ausgetrocknete Gewässer hat man dort bereits gefunden; flüssiges Wasser noch nicht - jedenfalls noch nicht direkt. Im Herbst vergangenen Jahres lüftete die Nasa mit großer Vorab-Ankündigung ein "Mars-Geheimnis". Dabei handelte es sich um Erkenntnisse einer Studie, die Daten des "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) auswertete.

Die Forscher gelangten zu dem Schluss, dass es auch heute noch zu bestimmten Jahreszeiten flüssiges Wasser auf dem Mars geben müsse. Das zeige die Analyse bestimmter Fließstrukturen an manchen Steilhängen auf dem Mars. Eine genaue astrobiologische Untersuchung, so die Forscher damals, stehe jedoch noch aus. Einen direkten Nachweis für flüssiges Wasser erbrachte die Nasa nicht, auch wenn vieles darauf hinweist und viele Wissenschaftler weltweit dieser Deutung folgen.

"Rost-Studie": Luftfeuchtigkeit fast null

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Die Wissenschaftler haben untersucht, wie schnell Eisen auf unserem Nachbarplaneten rostet.

Eine neue Studie tritt nun auf die Bremse, was den Nachweis flüssigen Wassers auf dem Mars betrifft. Forscher der Universität Stirling in Großbritannien haben die Witterungsverhältnisse unseres Nachbarplaneten genauer unter die Lupe genommen und dabei eine neue Methode angewendet. Sie haben sich angeschaut, wie stark Eisen in steinigen Meteoriten auf dem Mars oxidiert. Oder kurz: wie schnell Eisen auf dem Mars rostet. Rost entsteht, wenn Eisen sich in der Gegenwart von Wasser mit Sauerstoff verbindet. Die Studie wurde im Fachblatt "Nature Communications" veröffentlicht.

Die Forscher fanden heraus: Eisen rostet auf dem Mars enorm langsam. Da die Geschwindigkeit, mit der etwas verrostet, mit der Luftfeuchtigkeit zusammenhängt, folgert die Studie, dass der Mars eine sehr trockene und dörrende Umgebung hat. Deshalb kommen die Forscher zu einem deutlichen Resultat: "Eine solch extreme Dürre führt bereits auf der Erde dazu, dass mikrobiologisches Leben so weit zurückgeht, dass es nicht mehr nachgewiesen werden kann."

Was aber ist nun mit der Studie, die die Nasa im vergangenen Jahr veröffentlicht hat? Das "Astronomy"-Magazin zitiert Christian Schröder, der für die neuesten Ergebnisse verantwortlich zeichnet. Er sagte dem Blatt, die Daten seiner Studie widerlegten nicht die bisherigen Daten. Schließlich habe es bei seinen Beobachtungen ja tatsächlich Rostvorgänge gegeben, wenn auch sehr langsame. Aber: "Es gibt dem Ganzen eine Obergrenze und zeigt, dass, obwohl es ein wenig Feuchtigkeit geben könnte - es ist sehr wenig."

Matthew Chojnacki, einer der Wissenschaftler, die im vergangenen Jahr an der aufsehenerregenden Studie zu flüssigem Wasser auf dem Mars beteiligt waren, betrachtet die Ergebnisse dieser neuen Studie zwiegespalten. "Viele Studien den Mars betreffend scheinen sich zu widersprechen", sagte Chojnacki "Astronomy". Es komme darauf an, welche Herangehensweise an die Daten man wähle. Chojnacki gesteht ein: Sollten die Fließsstrukturen auf dem Mars tatsächlich durch zeitweise flüssiges Wasser entstanden sein, müssten die Daten der "Rost-Studie" eine schnellere Verwitterung des Eisens zeigen. Er relativiert dies jedoch mit dem Hinweis, dass es auch regionale Unterschiede in der Feuchtigkeit geben könne. "Die neuen Erkenntnisse ändern meine Ansicht nicht", betont er.

Schröder ist da skeptischer. Er sagt dem Magazin zufolge, es sei unwahrscheinlich, dass die Atmosphäre in manchen Regionen mehr, in anderen weniger Feuchtigkeit enthalte. Wie so häufig in der Wissenschaft gilt es nun, unterschiedliche Forschungsergebnisse unter einen Hut zu bringen. Schröder verweist auf die Notwendigkeit weiterer Studien und Untersuchungen, um die Erkenntnisse einordnen zu können.

Quelle: n-tv.de, fma