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Eine Tasse Kaffee enthält rund 90 Milligramm Koffein.
Eine Tasse Kaffee enthält rund 90 Milligramm Koffein.(Foto: imago/Photocase)
Sonntag, 11. März 2018

Probleme einer Kaffee-Nation: Junge Italiener konsumieren zu viel Koffein

Kaffee gehört zu Italien wie das Kolosseum zu Rom. Doch eine neue Studie beunruhigt Wissenschaftler: Danach nehmen viele Heranwachsende zu viel Koffein zu sich. Ihre Eltern haben es ihnen vorgemacht.

Cappuccino zum Frühstück, Espresso nach dem Essen: Für viele Italiener gehört Kaffee zum Alltag - und zwar reichlich. Dem Klischee entsprechend folgen Jugendliche dem Vorbild ihrer Eltern und genießen das Heißgetränk nicht immer in Maßen, wie aus einer italienischen Studie hervorgeht. Demnach konsumieren - je nach empfohlenem Richtwert - 21 bis 46 Prozent von ihnen bedenkliche Mengen Koffein.

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Die Mediziner um Angelo Campanozzi von der Universität Foggia haben 1213 Schüler aus der süditalienischen Stadt im Alter von 12 bis 19 Jahren zu ihrem Koffein-Konsum befragt. Drei von vier Jugendlichen (76 Prozent) gaben an, täglich koffeinhaltige Getränke zu sich zu nehmen, wie die Forscher im Fachblatt "Acta Paediatrica" schreiben. 818 Schüler tranken mindestens einen Kaffee pro Tag. Immer noch 316 konsumierten täglich koffeinhaltige Limonaden. Nur 24 tranken täglich Energydrinks. Vergleichszahlen für deutsche Jugendliche gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamts nicht.

Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen

Weil Koffein unter anderem Nervosität, innere Unruhe und Schlafstörungen verursachen kann, empfehlen Mediziner Mengen, die Jugendliche maximal konsumieren sollten. Die Amerikanische Akademie für Pädiatrie (AAP) nennt einen Wert von 100 Milligramm täglich, der beinahe schon mit einer Tasse Filterkaffee erreicht wäre. Diese enthält nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) rund 90 Milligramm Koffein. In einem Espresso sind immer noch 60 Milligramm Koffein enthalten und damit so viel wie in einer Dose eines Energydrinks.

Legt man den Ergebnissen den Richtwert der AAP zugrunde, konsumierten 46 Prozent der Schüler zu viel Koffein. 21 Prozent waren es, wenn man den Wert der EFSA berücksichtigt - 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Erwachsene können laut EFSA 400 Milligramm Koffein täglich ohne Sorge zu sich nehmen - mit Ausnahme von schwangeren Frauen, für die ein Richtwert von 200 Milligramm empfohlen wird.

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Die italienischen Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse nicht auf ganz Italien übertragbar seien. Die Resultate beruhten außerdem auf nicht überprüfbaren Angaben der Befragten - der tatsächliche Koffein-Konsum könne in Wahrheit höher, aber auch niedriger sein. Es gebe allgemein wenige Erkenntnisse zum Koffein-Konsum von Heranwachsenden und den damit verbundenen Konsequenzen, bemängeln die Wissenschaftler. "Wegen der möglicherweise schädlichen Effekte wäre es angebracht, Kinder und Jugendliche davon abzuhalten, zu viel Koffein zu konsumieren", schreiben sie.

Schnell einen "caffè" an der Bar

Um Kaffee-Gewohnheiten ranken sich in Italien viele Anekdoten. Etliche Italiener erinnern sich, wie sie auf dem Weg zur Schule im Auto auf Vater oder Mutter warten mussten, weil die noch schnell einen "caffè" an der Bar trinken wollten. "Kaffee ist ein wichtiger Teil der italienischen Kultur, und die meisten italienischen Erwachsenen beginnen ihren Tag mit einer Tasse Kaffee", schreiben die Autoren. "Sie trinken Kaffee auch im Laufe des Tages, um sich zu entspannen oder in Arbeitspausen. Kinder und Jugendliche wachsen mit diesem Vorbild auf und übernehmen es, wie unsere Studie zeigt."

Koffein ist natürlicher Bestandteil von Kaffee- und Kakao-Bohnen, Teeblättern oder Guarana-Kernen. Es stimuliert das zentrale Nervensystem, erhöht die Wachsamkeit und verringert die Schläfrigkeit bereits in geringen Mengen, wie die EFSA schreibt. Der Körper nimmt Koffein demnach schnell auf, die Wirkung zeigt sich etwa nach 15 bis 30 Minuten.

Forscher untersuchen schon lange, ob und wie viel Kaffee gesund ist. Schätzungen zufolge werden jeden Tag weltweit 2,25 Milliarden Tassen getrunken. Im vergangenen Jahr gab die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) bekannt, dass sich ein erhöhtes Krebsrisiko durch Kaffee nicht belegen lasse. Zudem deuten Studien darauf hin, dass moderater Kaffeegenuss gesundheitliche Vorteile haben - und etwa das Risiko für Diabetes Typ 2 senken könnte.

Quelle: n-tv.de