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Tiertöne, Wilderei, Abholzung Klang eines Waldes verrät die Artenvielfalt

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Ein Guatemala-Brüllaffe in Belize: "Akustische Aufzeichnungsgeräte können Tierrufe und Lieder aus mehreren hundert Metern Entfernung registrieren", schreiben die Wissenschaftler in "Science".

(Foto: imago/Nature Picture Library)

Brüllen, Kreischen, Pfeifen, Zirpen: Mit speziellen Aufnahmegeräten können Forscher die Artenvielfalt eines Waldes abschätzen. So kann man etwa tropische Wälder untersuchen und Rückschlüsse auf Umweltzerstörungen ziehen. Auch Firmen könnten profitieren.

Der Klang eines Waldes kann Aufschluss über die Artenvielfalt und auch über etwaige Umweltzerstörung geben. Für die akustische Überwachung insbesondere von tropischen Regenwäldern plädieren Forscher um Zuzana Burivalova von der Princeton University (US-Staat New Jersey) im Fachmagazin "Science". Dabei sollen spezielle Computerprogramme die aufgezeichneten Klanglandschaften auf Biodiversität, einzelne Arten und sonstige Geräusche hin auswerten.

"Akustische Aufzeichnungsgeräte können Tierrufe und Lieder aus mehreren hundert Metern Entfernung registrieren", schreiben die Wissenschaftler. Die bioakustische Methode biete die Möglichkeit, mehrere Tiergruppen gleichzeitig zu überwachen, nämlich all jene Vögel, Säugetiere, Insekten und Amphibien, die Laute von sich geben. Entsprechende Geräte würden bereits von mehreren Unternehmen angeboten, betont das Team. Auch illegales Abholzen oder Wilderei könnten anhand entsprechender Geräusche nachgewiesen werden.

Bisher wird die Artenvielfalt eines Areals gewöhnlich durch aufwendige bodengestützte Untersuchungen abgeschätzt. Dies sei aber teuer und die Auswahl eines Untersuchungsgebietes könne das Ergebnis verzerren, schreiben die Forscher.

Satellitenaufnahmen liefern nur grobe Anhaltspunkte

Auch die Überwachung von Wäldern durch Satellitenaufnahmen liefere nur grobe Anhaltspunkte für die Artenvielfalt: "Sogar Wälder, die auf Satellitenbildern intakt erscheinen, können eine niedrige Biodiversität aufweisen", schreibt das Team und verweist etwa auf mögliche Unterholzbrände, das Eindringen invasiver Arten oder Überjagung.

Burivalova und Kollegen sehen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen einen weiteren Nutzen in der Aufzeichnung von Klanglandschaften: "Die Bioakustik hat insbesondere in Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitszertifizierung der Industrie und der Verpflichtung zum Verzicht auf Abholzung ein besonderes Potenzial." Sowohl Unternehmen, die ihr eigenes Nachhaltigkeitsversprechen überprüfen möchten als auch Behörden, die Verpflichtungen von Firmen überwachen, könnten auf diese Art des Monitorings zurückgreifen.

Die Forscher plädieren dafür, eine akustische Datenbank einzurichten. Dort könnten Aufzeichnungen von intakten Wäldern sowie einzelner Tiergattungen und -arten hinterlegt werden, mit denen man neuere Aufnahmen dann vergleichen könnte. Auch akustische Zeitreihen einzelner Wälder wären damit möglich. "Die wissenschaftliche Gemeinde wird von einer riesigen Datenmenge ökologischer Gemeinschaften quer durch die Tropen profitieren", schreiben die Forscher.

Quelle: n-tv.de, Stefan Parsch, dpa

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