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Der Körper kann ein belegtes Brötchen vormittags besser verstoffwechseln als abends.
Der Körper kann ein belegtes Brötchen vormittags besser verstoffwechseln als abends.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 09. März 2017

Für Männer mit Vorerkrankung: Kohlenhydrate besser vormittags essen

Du bist, was du isst: Ernährung wird für immer mehr Menschen identitätsstiftend. Dass aber nicht nur das, was man isst, sondern auch, wann man isst, ausschlaggebend ist, zumindest für eine bestimmte Gruppe von Menschen, können Forscher nun beweisen.

Dass hochkalorische Nahrung den Schlaf stören kann, ist bekannt. Dass zucker- und kohlenhydratreiche Kost am Abend bei Männern mit einem gestörten Zuckerstoffwechsel dazu führt, dass die Blutzuckerregulation beeinträchtigt wird, haben Forscher für das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung herausgefunden.

Für ihre Untersuchung testeten die Forscher insgesamt 29 Männer im Alter von durchschnittlich 46 Jahren und einem Body-Mass-Index (BMI) von im Schnitt 27. Bei elf Studienteilnehmern wurde zu Beginn der Untersuchung eine Zuckerstoffwechselstörung festgestellt, bei der auch im nüchternen Zustand erhöhte Blutzuckerwerte auftraten und bei dem sogenannten Zuckerbelastungstest der Blutzuckerwert deutlich langsamer absank als normal. Die restlichen 18 Probanden hatten eine normale Blutzuckerregulation.

Diätplan A und B

Die Teilnehmer der Untersuchung wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils für vier Wochen eine bestimmte Diät einhalten sollten. Die erste Gruppe bekam Diätplan A, nachdem von morgens bis 13.30 Uhr kohlenhydratbetont und von 16.30 bis 22.00 Uhr fettbetont gegessen werden sollte. Die zweite Gruppe mit Diätplan B verzehrte vormittags fettreiche und ab nachmittags kohlenhydratreiche Kost. Beide Diäten lieferten dieselbe Menge an Kalorien, Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß. Während der Untersuchung wurden verschiedene Stoffwechselwerte der Probanden erhoben.

"Wie unsere Studie zeigt, ist es zumindest für Männer mit einer Zuckerstoffwechselstörung relevant, zu welcher Tageszeit sie eine kohlenhydratreiche Mahlzeit verzehren", erklärt Katharina Keßler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Die gemessenen Blutzuckerwerte lagen nach Diät B um durchschnittlich 7,9 Prozent höher als nach Diät A, bei der die Teilnehmer abends fettbetont aßen. Doch dieser starke Effekt konnte nicht bei allen Probanden gleichermaßen gesehen werden. "Obwohl wir generell sowohl bei den gesunden als auch den vorbelasteten Personen eine Abnahme der Glukosetoleranz im Tagesverlauf feststellten, fiel diese bei Letzteren allerdings deutlich stärker aus", resümiert Keßler weiter. 

Die Forscher stellten außerdem fest, dass die Konzentrationen bestimmter Darmhormone bei den vorbelasteten Männern so wie die nachmittägliche Abnahme der Glukosetoleranz stärker abnahmen im Vergleich zu den Werten der gesunden Studienteilnehmer. Die Hormone - kurz als GLP-1 und PYY bezeichnet - tragen zur Regulation des Zuckerstoffwechsels und damit des Körpergewichts bei.

Empfehlung ausgesprochen

Die Forscher empfehlen auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse vor allem Männern, die bereits unter einem gestörten Zuckerstoffwechsel leiden, sich nach ihrer inneren Uhr zu richten und deshalb am Abend kohlenhydratreiche Mahlzeiten zu meiden.

An der Untersuchung nahmen nur Männer teil, da die Untersuchung sogenannter zirkadianer Rhythmen bei Frauen auf Grund des Menstruationszyklus erheblich erschwert ist. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher auf PubMed.

Quelle: n-tv.de

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