Wissen
Viele Kinder essen die falschen Dinge.
Viele Kinder essen die falschen Dinge.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 07. November 2017

Epigenetik und Übergewicht: Mögliche Fettleibigkeit an Genen erkennbar

Immer mehr Menschen leiden weltweit unter Übergewicht. Forscher haben deshalb einen Weg gesucht, um das Risiko zur Fettleibigkeit bei Kindern früh erkennen zu können – und sind bei einem bestimmten epigenetischen Profil fündig geworden.

Übergewicht und Fettleibigkeit werden zu einem globalen Problem. Forscher des Klinikums der Universität München haben sich deshalb die Frage gestellt, wie sich speziell die Ernährung bei Kindern epigenetisch manifestiert. Sie stellten fest, dass die Fettmasse eines Kindes ein markantes epigenetisches Profil an bestimmten Genen hinterlässt.

DNA-Methylierung

Bei einer DNA-Methylierung handelt es sich um eine chemische Abänderung an den Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle. Sie wird durch die Übertragung von Methylgruppen an bestimmten Stellen der DNA bewirkt. Eine Methylierung ist keine Mutation, sondern lediglich eine Modifikation der DNA.

Für ihre Untersuchung haben die Forscher Blutproben von fast 400 Kindern im Alter von fünfeinhalb Jahren analysiert. Die Mädchen und Jungen liefern ihre Daten für eine europaweite Studie, die seit mehr als zehn Jahren läuft. Die Kinder werden von Geburt an immer wieder gewogen und gemessen; mit einem speziellen Verfahren wird ihr Fett- und Muskelanteil ermittelt. Darüber hinaus wird bei ihren Eltern genau erfragt, wie sie ernährt werden und wie Ernährung und  Gewicht der Mütter während der Schwangerschaft verliefen. Das ist wichtig, denn schon hier werden die ersten Weichen für eine spätere Fettleibigkeit beim Nachwuchs gestellt, wissen Experten.

Wie Flaggen an Genen

Auf der Grundlage der Epigenetik haben die Forscher das Blut der Kinder mit einem besonderen High-Tech-Verfahren untersucht und mehr als 400.000 Methylierungsstellen am Erbgut erfasst. Durch Umweltreize heften sich bestimmte chemische Moleküle an die DNA an – oder eben nicht. Diese Methylgruppen hängen wie Flaggen an den Genen und können diese an- oder abschalten. 

Es zeigte sich, dass ein Methylierungsmuster an 13 markanten Stellen auf eine hohe Fettmasse hinweist. "Diese Stellen könnten somit vielleicht eines Tages als Marker dienen, um frühzeitig Kinder zu erkennen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit übergewichtig werden könnten", hofft Dr. Peter Rzehak, Epidemiologe in der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung am Dr. von Haunerschen Kinderspital München. Die 12 Stellen befinden sich an oder neben Genen, die mit dem Fett- und Zuckerstoffwechsel in Verbindung gebracht werden.

"Unsere Befunde", erklärt der Forscher weiter, "stützen eine Theorie, wonach die spätere Körpergröße und das Gewicht schon früh epigenetisch programmiert werden." Da Methylierungsmuster aber variabel sind, können sie sich durch eine gute und ausgewogene Ernährung wieder verändern. Das ist die gute Botschaft.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports" von "Nature".

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen