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Frühmenschenkind "Denisova 11" Neandertaler paarten sich mit Denisovanern

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Dieses Knochenfragment ("Denisova 11") wurde 2012 von russischen Archäologen in der Denisova-Höhle in Russland gefunden und repräsentiert die Tochter einer Neandertaler-Mutter und eines Denisovan-Vaters.

(Foto: Thomas Higham, University of Oxford Foto: Ian.R.Cartwright 2015/dpa)

Von einem jahrtausendealten Mädchen überdauert nur ein einziges Knochenfragment die Zeit - Forscher geben ihm den Namen "Denisova 11". Es ist das Zeugnis einer Paarung, die wahrlich Brücken schlug: Multi-Kulti in der Frühzeit.

Das kleine Knochenfragment, das russische Archäologen 2012 in der Denisova-Höhle entdeckten, hat es in sich: Erbgutanalysen zeigen, dass es von einem Mädchen stammt, dessen Mutter Neandertalerin und dessen Vater Denisovaner war. Die Untersuchung zeige unter anderem, dass die beiden Gruppen von Frühmenschen sich häufiger miteinander vermehrten als bislang angenommen, berichtet ein internationales Forscherteam unter Leitung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig im Fachblatt "Nature".

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Fundort: Denisova-Höhle in Südsibirien.

(Foto: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie)

"Neandertaler und Denisovaner hatten vielleicht nicht viele Gelegenheiten, einander zu treffen. Aber wenn sie aufeinandergetroffen sind, müssen sie relativ häufig Kinder miteinander gezeugt haben - viel öfter als wir bisher dachten", kommentiert Studienleiter Svante Pääbo.

Bis vor etwa 40.000 Jahren lebten sowohl Neandertaler als auch Denisova-Menschen in Eurasien. Die Neandertaler bevölkerten vor allem den westlichen Raum, Denisovaner den östlichen. Überreste von letzteren fanden sich bisher ausschließlich in der Denisova-Höhle im russischen Altai-Gebirge, wo auch Spuren von Neandertaler gefunden worden sind.

50.000 Jahre alt

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Ausgrabungsteam in der östlichen Kammer der Denisova-Höhle.

(Foto: Bence Viola, Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology/dpa)

Das Knochenfragment, das das Team um Pääbo, Direktor der Abteilung für Evolutionäre Genetik am MPI-EVA, untersuchte, ist gerade einmal gut zwei Zentimeter lang. Die Forscher datierten es auf ein Alter von etwa 50.000 Jahren. Untersuchungen weisen darauf hin, dass es von einem zum Zeitpunkt des Todes mindestens 13 Jahre alten Mädchen stammt. Die Forscher bezeichnen es als "Denisova 11". Sie zerrieben einige kleine Proben des Knochens zu Puder, aus dem sie dann das Erbgut isolierten, welches sie anschließend sequenzierten.

Durch Vergleiche mit bereits bekannten Erbgut-Sequenzen von einem Neandertaler und einem Denisovaner fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Mädchen ein direkter Nachkomme von einem gemischten Elternpaar ist - es trug Erbgut beider in sich, und zwar in einem Mischungsverhältnis, wie man es von einem direkten Nachkommen erwarten würde.

"Glück, auf einen direkten Nachkommen der beiden Gruppen zu stoßen"

Dass die beiden Homininen grundsätzlich miteinander Nachwuchs zeugten, war aus früheren Untersuchungen schon bekannt. "Doch ich hätte nie gedacht, dass wir so viel Glück haben könnten, auf einen direkten Nachkommen der beiden Gruppen zu stoßen", sagt Erstautorin Viviane Slon aus Pääbos Arbeitsgruppe.

Die Analysen zeigten weiter, dass der Denisova-Vater ebenfalls geringe Mengen Neandertaler-Erbgut in sich trug. Vermutlich habe es in seinem Stammbaum sogar mehr als einen Neandertaler-Vorfahren gegeben, die womöglich bis zu 300 bis 600 Generationen vor ihm lebten, schreiben die Wissenschaftler. Diese Neandertaler gehörten einer anderen Gruppe an als die, aus der die Mutter des Mädchens stammte. Sie war genetisch enger mit Neandertalern verwandt, die in Westeuropa lebten als mit einem Neandertaler, der zu einem früheren Zeitpunkt in der Denisova-Höhle lebte. Dies zeige, dass sich die Neandertaler vor ihrem Verschwinden zwischen West- und Osteurasien bewegten.

Vermischung kein seltenes Ereignis

Dass sich ein Mischlingskind unter den wenigen Frühmenschen finden lasse, deren Erbgut entschlüsselt ist, weise darauf hin, dass so eine Vermischung kein seltenes Ereignis war. Warum blieben dann die beiden Gruppen dennoch genetisch unterscheidbar? Das erklären die Forscher damit, dass die Überlappungszone beider Gruppen vermutlich räumlich und zeitlich begrenzt war. Möglicherweise sei der Nachwuchs auch weniger fit gewesen als der Nachwuchs von reinen Neandertaler- oder Denisova-Paaren.

Als der moderne Mensch sich schließlich über Eurasien ausbreitete, habe er sich wohl ebenfalls mit seinen Verwandten vermischt, aber über einen längeren Zeitraum und ein größeres Gebiet. Die Frühmenschen gingen dann womöglich in den vermutlich größeren Populationen von modernen Menschen auf.

Dass auch heute noch im Erbgut des modernen Menschen Spuren von Neandertaler-DNA zu finden sind, ist bereits seit Längerem bekannt. Im vergangenen Jahr sequenzierte ebenfalls ein Team vom Leipziger MPI das Erbgut einer Neandertalerin aus Kroatien in hoher Auflösung. Sie bezifferten den Anteil an Neandertaler-Erbgut im Genom von modernen Menschen außerhalb Afrikas auf 1,8 bis 2,6 Prozent. Sie fanden damals auch, dass die Neandertaler-Gene das Risiko für Krankheiten des modernen Menschen beeinflussen.

In einer weiteren Arbeit fanden Forscher, dass die Neandertaler-Gene auch Einfluss auf die Beschaffenheit von Haut und Haaren haben. Sie zeigten unter anderem, dass Neandertaler sich ähnlich wie moderne Menschen etwa in der Haarfarbe unterschieden - mit einer Ausnahme: Rothaarige gab es unter den Neandertalern wohl nicht.

Quelle: n-tv.de, Anja Garms, dpa