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Operationen am Gehirn sind mit großen Risiken verbunden.
Operationen am Gehirn sind mit großen Risiken verbunden.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Donnerstag, 10. Juli 2014

Kichererbsen und Sojabohnen: Ballaststoffe helfen bei Hirntumoren

Von Jana Zeh

Gegen bösartige Tumoren im Gehirn gibt es heute nur begrenzte Therapiemöglichkeiten. Nicht jedem Betroffenen kann geholfen werden. Aus diesem Grund sind Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Waffen und stoßen dabei auf unverdauliche Pflanzenfasern.

Ob Leinsamen, Weizenkleie oder Hülsenfrüchte: Ballaststoffe sind in aller Munde. Die meist pflanzlichen Faserstoffe können nicht nur satt machen und die Verdauung unterstützen. Sie sind außerdem wirksam gegen bösartige Hirntumoren. Das hat ein Forscher-Team der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen herausgefunden. Die Wissenschaftler um Dr. Ilker Eyüpoglu und Dr. Nicolai Savaskan konnten mit ihrer Untersuchung zeigen, dass Ballaststoffe das Wachstum der Tumorzellen verlangsamen und diese weniger bösartig machen.

Schon seit einiger Zeit sind verschiedene Diäten und Nahrungsmittel für Krebspatienten in der Diskussion. Sicher ist, dass Krebszellen Zucker benötigen, um zu wachsen. Aus diesem Grund wird von vielen Experten eine zucker- und kohlenhydratarme Kost empfohlen. "Gut ist es, die Kohlenhydrate in der Nahrung durch bestimmte Ballaststoffe auszutauschen", sagt der Neuroonkologe Dr. Nicolai Savaskan in einem Gespräch mit n-tv.de. Denn das führe nicht nur zu einem Sättigungsgefühl bei den Patienten, sondern auch zu einer therapeutischen Wirkung - zumindest bei Patienten mit bösartigen Hirntumoren, so Savaskan weiter.

Nicht einfach einnehmen

Sojabohnen sind vielfach einsetzbar.
Sojabohnen sind vielfach einsetzbar.(Foto: picture alliance / dpa)

"Wir haben die Wirkungen von verschiedenen Ballaststoffen auf Zellen von bösartigen Hirntumoren sowohl im Zell- als auch im Tierversucht getestet", erklärt Savaskan die Vorgehensweise. Als besonders effektiv stellte sich dabei eine Untergruppe der Ballaststoffe, sogenannte Biochanine, heraus. Biochanine kommen vor allem in Kichererbsen, Sojabohnen und Rotklee vor. Der Pflanzenstoff, den es auch als freiverkäufliches Präparat in Apotheken gibt, wird bereits seit einiger Zeit bei Wechseljahresbeschwerden erfolgreich eingesetzt, ohne bei den Anwenderinnen größere Nebenwirkungen auszulösen. "Das ist für Krebspatienten ein besonderer Vorteil, da diese ohnehin geschwächt sind", so der Neurochirurg Dr. Eyüpoglu weiter.

Krebspatienten sollten trotzdem nicht einfach solche Präparate einnehmen. "Auch wenn wir die positive Wirkung nachweisen konnten, sollte man in jedem Fall mit seinem Arzt über die Einnahme von zusätzlichen Präparaten sprechen", warnt Savaskan. Es kann nämlich sein, dass die Mittel die Wirkung von anderen Arzneien einschränken, verstärken oder sogar verändern. Die Einnahme von Biochanine über die Nahrung dagegen ist auch für Krebspatienten unbedenklich.

Auch wenn Experten bisher nicht die Krebs-Diät gefunden haben, sind sich die Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) einig: Eine zuckerarme, ballaststoffreiche Diät ist für Krebspatienten prinzipiell zu befürworten. "Es wäre sinnvoll, wenn so eine Diät in Zukunft häufiger als Therapieergänzung zum Einsatz kommen würde", wünscht sich Savaskan. Dass die unverdaulichen Pflanzenfasern als Bestandteil der Nahrung auch einen vorbeugenden Effekt bei Dickdarm-Krebs haben, konnte bereits mit anderen Untersuchungen bewiesen werden.

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Quelle: n-tv.de