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Notfallverhütungsmittel freigegeben "Pille danach" ist jetzt rezeptfrei

Ab diesem Sonntag gibt es die "Pille danach" rezeptfrei in der Apotheke. Wer nach einer Verhütungspanne in die Bredouille gerät, hat nun eine weitere Option. Absolut sicher ist sie aber auch nicht.

Wer erhält die "Pille danach"?

Die Apotheken sind verpflichtet, die Präparate an "Frauen im gebärfähigen Alter" abzugeben. Grundsätzlich soll die "Pille danach" nur an die betroffene Frau persönlich und nicht an Partner oder Eltern abgegeben werden. Bei Mädchen, die jünger als 14 Jahre sind, sollte das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten vorliegen. Sie sollen außerdem einen Arzt aufsuchen. Eine vorsorgliche Abgabe ist nicht vorgesehen. Die Frauen sollen in der Apotheke beraten werden.

Wie wirkt die "Pille danach"?

Die "Pille danach" ist ein Notfallmedikament für Frauen, die nach ungeschütztem Sex eine ungewollte Schwangerschaft verhindern wollen. In Deutschland stehen Notfallkontrazeptiva mit zwei Wirkstoffen zur Verfügung: Levonorgestrel und Ulipristalacetat. Beide Stoffe unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen ist. Es wird jeweils eine Tablette genommen.

Führt die "Pille danach" zu einem Schwangerschaftsabbruch?

Nein. Hat sich die Eizelle bereits in die Gebärmutter eingenistet oder ist bereits befruchtet auf dem Weg dorthin, wirkt die Pille nicht mehr. Sie ist also nicht vergleichbar mit einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch.

Kann sie als normales Verhütungsmittel verwendet werden?

Nein. Die "Pille danach" ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Auch liegt zum Beispiel die Dosis von Levonorgestrel beim 15-fachen der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen. Die "Anti-Baby-Pille" muss auch nach der Einnahme einer "Pille danach" weiter eingenommen werden. Zusätzlich ist es ratsam, bis zur nächsten Monatsblutung mit einer Barrieremethode zu verhüten, beispielsweise mit Kondom.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es kann zu Blutungen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Schmerzen im Unterbauch und Kopfschmerzen kommen.

Wie lange wirken die Medikamente?

Je mehr Zeit nach dem Sex vergeht, desto weniger wirksam ist die "Pille danach". Sie sollte also so schnell wie möglich genommen werden. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel muss bis spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach genommen werden. Nach 24 bis 48 Stunden ist sie nur noch zu 85 Prozent wirksam und danach nur noch zu 58 Prozent. Ulipristalacetat wirkt etwas länger und muss bis spätestens 120 Stunden (fünf Tage) danach genommen werden.

Gibt es einen 100-prozentigen Schutz vor Schwangerschaft?

Nein, nicht nur wegen der nachlassenden Wirkung. Auch die gleichzeitige Einnahme beispielsweise von Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie und Arzneien mit Johanniskraut kann die Wirksamkeit mindern. Bei Erbrechen nach Einnahme des Präparats muss eine weitere "Pille danach" eingenommen werden.

Welche Bedenken gibt es gegen die Freigabe der "Pille danach"?

Vor allem die Fachverbände der Gynäkologen fürchten, dass Frauen in den Apotheken nicht ausreichend beraten werden und es zu mehr unerwünschten Schwangerschaften kommt. Sie verweisen zudem auf Studien, wonach die Wirkung der Mittel ab einem Körpergewicht von 75 Kilo (Levonorgestrel) beziehungsweise 90 Kilo (Ulipristalacetat) nachlässt. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hält die Studiendaten allerdings für zu "begrenzt und nicht eindeutig" und empfahl, die "Pille danach" weiterhin bei allen Frauen anzuwenden und zwar unabhängig vom Körpergewicht. Statistiken aus Ländern, in denen es die "Pille danach" bereits gibt, belegen weder eine steigende Zahl ungewollter Schwangerschaften noch mehr Schwangerschaftsabbrüche.

Ist die Pille weiterhin kostenlos?

Für junge Frauen bis zum vollendeten 20. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten, sofern sie ein Rezept vorlegen. Andernfalls müssen sie die Pille nach Beratung in der Apotheke aus eigener Tasche bezahlen. Die Kosten liegen zwischen 16 und 35 Euro. Über den Arznei-Versandhandel ist das Präparat nicht erhältlich, weil eine Lieferung in dem engen Zeitfenster der Wirksamkeit nicht gewährleistet ist.

Quelle: ntv.de, sba/AFP

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