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Fruchtfliegen unter den Opfern Raumtransporter stürzt ab

Die russische Raumfahrt muss eine weitere schwere Panne innerhalb weniger Tage verkraften: Ein unbemannter Raumtransporter, der Nachschub zur ISS bringen sollte, stürzt nur Minuten nach dem Start ab. Die Ursache wird derzeit untersucht. Die Trümmerteile sollen in Ostsibirien niedergegangen sein. An Bord waren Lebensmittel - und Fruchtfliegen.

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Der Progress-Transporter erreichte nicht seine Umlaufbahn.

(Foto: AP)

Ein unbemannter russischer Raumtransporter ist auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS vom Kurs abgekommen und auf die Erde gestürzt. Das Raumschiff vom Typ Progress M-12M sei nicht auf die korrekte Umlauflaufbahn platziert worden, teilte die russische Raumfahrtagentur Roskosmos mit. Die örtlichen Behörden erklärten, die Trümmer seien in einer unbewohnten Gegend der sibirischen Altai-Region eingeschlagen.

Nur knapp sechs Minuten nach dem Start auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan sei ein Druckabfall im Treibstofftank der Sojus-U-Rakete festgestellt worden, teilte Roskosmos mit. "Es gab einen Notfall." Laut Roskosmos seien Probleme mit der Zündung der dritten Stufe der Sojus-Trägerrakete aufgetreten. Kurz darauf sei der Kontakt zu ihr abgebrochen. "Spezialisten untersuchen die Ursache", hieß es.

An Bord des Transporters waren mehr als 3,5 Tonnen Nachschub für die ISS-Besatzung, darunter Lebensmittel, Treibstoff und persönliche Gegenstände sowie Fruchtfliegen für ein Weltraumexperiment. Nach Angaben von Roskosmos ist die Versorgung der ISS durch den Unfall nicht gefährdet. Die Raumfahrer an Bord seien weiter ausreichend etwa mit Sauerstoff und Wasser versorgt, sagte der Flugleiter für den russischen Teil der ISS, Wladimir Solowjow. Die Sojus-Raketen sind nach der Einstellung des US-Space-Shuttle-Programms Ende Juli die einzigen Transportmittel zur Versorgung der ISS. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete, das Sojus-Raketenprogramm könnte vorübergehend unterbrochen werden. Nach Interfax-Angaben war es das erste Unglück eines sowjetischen oder russischen Raumtransporters seit 1978.

Suche nach Trümmern erschwert

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Diese Proton-M-Rakete mit einem Nachrichtensatelliten an Bord war in der vergangenen Woche abgestürzt.

(Foto: AP)

Trümmerteile seien in dem Bezirk Tschoiski nahe der Grenze zu China und der Mongolei abgestürzt, sagte der Regierungschef der Teilrepublik Altai, Juri Antaradonow, der Nachrichtenagentur Interfax. Rettungskräfte seien vor Ort, doch die Suche nach den Trümmern werde durch die Dunkelheit erschwert. Berichte über Opfer lägen aber nicht vor. An Bord waren auch 800 Kilogramm des hochgiftigen Treibstoffs Heptil für die ISS, wie die Agentur Itar-Tass meldete. Es wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die Unglücksursache zu klären.

Der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln, Johann-Dietrich Wörner, in Köln äußerte sich tief besorgt über den ersten Fehlstart einer Sojus seit 1978. "Wir sind derzeit in Deutschland und Europa äußerst abhängig von der bisher zuverlässigen Sojus-Technik", sagte Wörner. "Das ist kein schöner Vorgang." Wörner sagte, dass es eine Zeit dauern werde, bis die Unglücksursache geklärt sei. Bis dahin dürfe auch kein Raumfahrer mehr mit der Sojus-Technik ins All gebracht werden. Am 20. Oktober sollten nach bisherigen Plänen die ersten funktionstüchtigen Satelliten für das Navigationssystem Galileo mit Sojus-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana starten.

Das Unglück bedeutet einen neuen schweren Rückschlag für Roskosmos. Am Donnerstag vergangener Woche war der besonders leistungsfähige russische Telekommunikationssatellit Express-AM4 vom Kurs abgekommen und auf die falsche Umlaufbahn geraten. Roskosmos stoppte daraufhin am Dienstag den Einsatz seiner Trägerraketen vom Typ Proton-M. Die Raketen würden so lange nicht verwendet, bis die Ursachen des Vorfalls geklärt seien.

Panne folgt auf Panne

Das russische Raumfahrtprogramm hat damit in den vergangenen neun Monaten bereits fünf Fehlstarts verzeichnet. Im Dezember waren drei Satelliten für das neue russische Glonass-Navigationssystem in der Nähe von Hawaii , weil die Treibstoffmenge falsch berechnet worden war. Im Februar dann wurde der militärische Überwachungssatellit Geo-IK-2 auf einem falschen Orbit platziert, womit er für das Militär nicht nutzbar ist.

Die Führung in Moskau hatte im April und einen Militärfunktionär als Nachfolger ernannt. Neuer Leiter der russischen Raumfahrtbehörde wurde der 53 Jahre alte Vize-Verteidigungsminister Wladimir Popowkin. Er solle die stolze Raumfahrtnation zu neuen Erfolgen führen, hieß es damals. Das größte Land der Erde will in den kommenden Jahren auch ein kosmisches Verteidigungssystem aufbauen.

Wenige Tage nach den Feiern zum , den der Kosmonaut Juri Gagarin am 12. April 1961 absolviert hatte, hatte Perminow eine Niederlage Russlands beim Wettlauf im All gegen die USA eingeräumt. Die Ausgaben von 3,1 Milliarden Dollar (2 Mrd Euro) für die russische Raumfahrt seien sechs Mal niedriger als in den USA.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP