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Lieber "gesund" als "lecker" So wollen die Deutschen essen

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Grüner Smoothie: Für die Deutschen werden die Kriterien "kalorienarm" und "schnell" bei der Ernährung unwichtiger.

(Foto: imago/Westend61)

Eine neue Studie bescheinigt einen erfreulichen Trend bei den Ernährungsgewohnheiten der Deutschen. Doch offenbar klafft eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Nächste Woche ist statistisch gesehen der Tag, an dem die meisten Deutschen ihre guten Neujahrsvorsätze über Bord werfen. Da kommt diese Studie doch zur Motivation gerade richtig: Laut dem Ernährungsreport der Techniker Krankenkassen und der Organisation Foodwatch gab knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) an, dass sie vor allem "gesund" essen möchte. In der letzten Studie 2013 sagten das nur 35 Prozent. Damit steht "gesund" erstmals vor "lecker" (41 Prozent). Für die Deutschen unwichtiger werden auch die Kriterien "kalorienarm" und "schnell".

Dies steht im Widerspruch zur offiziellen Ernährungsstudie der Bundesregierung. Wodurch die unterschiedlichen Aussagen zustande gekommen sind, ist nicht ersichtlich. Denn beide Studien basieren auf Umfragen. Man könnte der TK-Studie mehr Gewicht zugestehen, da sie nach eigenen Angaben "einen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung" abbildet. Hingegen basiert der Regierungsreport lediglich auf 1000 willkürlichen Befragungen.

TK-Chef Jens Baas stimmt der Trend grundsätzlich glücklich: "Als Krankenkasse freut es uns natürlich, dass sich immer mehr Menschen gesund ernähren möchten." Denn, so Baas weiter: "Wir verzeichnen seit Jahren einen Anstieg ernährungsbedingter Beschwerden." Allein bei der Todesursache Nummer eins, Krankheiten im Bereich Herz-Kreislauf, sind die Arzneimittelverordnungen für Erwerbspersonen in den letzten 15 Jahren um über 80 Prozent gestiegen. Baas hofft deshalb auf den Willen der Deutschen: "Mit Ernährung lassen sich viele Risikofaktoren reduzieren."

Laut der Studie "Iss was, Deutschland" sagen knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland Übergewicht zu haben, acht Prozent bezeichnen sich als stark übergewichtig. Was hält die Menschen davon ab, sich gesünder zu ernähren? "Häufig fehlt es an der Zeit für den Einkauf und die Zubereitung von frischen Lebensmitteln. Die Menschen greifen dann aus Bequemlichkeit zu Fertiggerichten oder Snacks, die häufig zu viel Fett, Salz oder Zucker enthalten", erklärt die Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Annegret Flothow von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften HAW in Hamburg. "Nur ein Viertel der Befragten gibt an, dass sie nicht genug über gesunde Ernährung wissen."

Lebensmittelampel soll helfen

Forderungen der Politik, das Thema Ernährung auf die Lehrpläne zu nehmen, sehen die Experten daher eher kritisch, wichtig seien unabhängige Verbraucherinformationen. Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation Foodwatch: "Die gesunde Wahl wird uns unnötig schwer gemacht. Der Großteil der Erfrischungsgetränke ist überzuckert, die Kennzeichnung von Fett, Zucker und Salz ist eine Zumutung, und selbst Süßigkeiten werden wie gesunde Produkte beworben. Das ist kein Bildungsproblem, sondern ein Problem des Angebots, das die Lebensmittelwirtschaft uns vorsetzt." Hier müsse die Politik aktiv werden. Denn, so Huizinga: "Der Bundesregierung mangelt es offensichtlich an dem politischen Willen, sich mit der Branche anzulegen."

Auch TK-Chef Baas sieht Industrie und Politik in der Pflicht: "Wenn ich für den Besuch im Supermarkt ein Biochemiestudium benötige, um Zucker in der Zutatenliste überhaupt identifizieren zu können, läuft etwas falsch." Oftmals seien die entsprechenden Tabellen nur sehr klein aufgedruckt und auf den großen Packungen versteckt.

Die Weltgesundheitsorganisation fordert bereits seit Langem ein Bündel an Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht. Baas begrüßt das: "Wir brauchen endlich eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, damit wir auf einen Blick im Supermarkt Produkte vergleichen können." Und Foodwatch-Chef Huizinga richtet noch einen Appell an die Getränke-Industrie: Sie solle weniger Zucker in ihre Produkte mischen – "eine Sonderabgabe für besonders zuckerreiche Getränke scheiterte bislang an der Blockadehaltung der Lebensmittelindustrie".

Quelle: n-tv.de, cas

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