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Schweben in 20 Kilometern Höhe Stratobus soll die Welt von oben ausspähen

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Die transparente Außenhülle erlaubt es, dass der Stratobus Sonnenlicht großflächig aufnehmen und in Strom wandeln kann.

(Foto: Youtube/Thales)

Es soll eine kostengünstige Alternative zu Satelliten sein: Unterstützt von der französischen Regierung entwickelt die Firma Thales ein schwebendes Auge. Aus großer Höhe soll das Luftschiff die Erde beobachten und auch Grenzen überwachen.

Über unseren Köpfen könnte in naher Zukunft ein alles beobachtendes Auge schweben. Das französische Rüstungs- und Raumfahrtunternehmen Thales Alenia Space entwickelt derzeit den Stratobus, eine "Mischung aus Drohne und Satellit", wie es Projektmanager Jean-Philippe Chessel formuliert. Aber eigentlich ist es ein unbemanntes Luftschiff, ausgerüstet mit Kameras und Kommunikationstechnik. In 20 Kilometern Höhe - höher als ein Passagierflugzeug fliegt - soll der Stratobus regungslos über der Erde schweben und von dort aus über Tage, Wochen und sogar Monate ein Gebiet beobachten können.

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Laut den Entwicklern eröffnet diese Fähigkeit eine große Zahl möglicher Einsatzgebiete: etwa Wetterbeobachtung oder das Erfassen von Katastrophen wie Tanker-Havarien, Waldbränden und Erdbeben. Angedacht sind aber auch Einsatzmöglichkeiten im Sicherheitsbereich. So sollen aus der Luft Staatsgrenzen überwacht, Drogen-Schmuggelrouten ausgekundschaftet oder Schiffe von Piraten geortet werden. US-Truppen nutzen in Afghanistan bereits seit Jahren Überwachungs-Ballons, die permanent über Militär-Basen schweben und mit Video- und Infrarotkameras die Umgebung ausspähen.

Ausgeklügelte Energieversorgung erlaubt Betrieb in der Nacht

Die Stärke des Konzepts: Im Gegensatz zu einer Überwachungs-Drohne kann der Stratobus über einen sehr langen Zeitraum in der Luft bleiben. Möglich macht das eine ausgeklügelte Energieversorgung. Da ein Teil der Außenhülle transparent ist, können Spiegel im Inneren des Luftschiffs tagsüber Sonnenstrahlen auf eine Reihe von Photovoltaik-Zellen lenken. Mit dem erzeugten Strom werden zum einen die Rotoren betrieben, aber auch die Energiespeicher für den Betrieb während der Nacht aufgeladen.

Allerdings muss das Fluggerät in relativ hoher Flughöhe operieren, da dort die geringe Dichte der Atmosphäre dem Gefährt genügend Auftrieb verleiht. Zudem sind die Winde in dieser Zone schwächer, ihre Geschwindigkeit beträgt maximal 90 Stundenkilometer. Dadurch kann sich das Gefährt mithilfe seiner elektrisch betriebenen Rotoren ohne hohen Energieaufwand stabil halten.

Aufgrund des gegenüber Drohnen deutlich höheren Einsatzgebietes liefern die Überwachungskameras weniger scharfe Bilder. Allerdings kann der Stratobus ein größeres Gebiet observieren, rund 500 Kilometer im Durchmesser. Dazu sind bisher nur Satelliten in der Lage. Diese wiederum fliegen in mindestens 200 Kilometern Höhe und liefern daher Bilder mit noch schlechterer Auflösung. Zudem kreisen niedrigfliegende Satelliten sehr schnell um die Erde - und befinden sich daher für jeweils nur einen kurzen Zeitraum über einem bestimmten Gebiet. Geostationäre Satelliten hingegen, die immer über demselben Ort stehen, müssen in etwa 36.000 Kilometer Höhe fliegen.

Erste Testflüge für 2018 geplant

Der Stratobus-Zeppelin soll neben seiner Eigenschaft als Überwachungs-Plattform aber auch als schwebender Sendemast und Navigationshilfe dienen. Ein ziviler Anwendungsbereich wäre in dieser Hinsicht etwa die Bereitstellung von Internet in schwer zugänglichen Gebieten, ähnlich dem Projekt Google Loon. Aber auch Bodentruppen im Einsatz kann der Stratobus als Verstärker von Funksignalen dienen.

Bis jetzt handelt es sich bei dem Stratobus nur um ein Konzept. Aber jüngst verkündete Thales eine Geldspritze von 17 Millionen Euro von der französischen Regierung für die Entwicklung des neuartigen Luftschiffs. In rund zwei Jahren soll ein erster Teststart erfolgen. Für das Jahr 2020 ist ein einsatzbereiter Stratobus geplant.

Quelle: n-tv.de, kst

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