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Light-Produkte sind beliebt Süßstoffe - Fluch oder Segen?

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(Foto: imago stock&people)

Viele Süßstoffe stehen im Verdacht, Übergewicht, Krebs und sogar Diabetes zu begünstigen. Obwohl diese Verdachtsmomente weder bewiesen noch zweifelsfrei entkräftet werden können, greifen immer mehr Verbraucher zu Light-Produkten.

Ob im zahnpflegenden Kaugummi oder im leichten Soft-Getränk: Süßstoffe sind allgegenwärtig. Sie gelten als ungesund und werden immer beliebter. Warum?

Süßstoffe in Light-Produkten helfen, Herstellungskosten und Kalorien zu sparen. Doppelte Freude für Unternehmen und Kunden. Das Sparen von Kalorien lässt sich gut vermarkten und ist für Verbraucher sogar ein Qualitätsmerkmal, wie die steigenden Absatzzahlen von Light-Produkten beweisen. Insgesamt dürfen zehn zugelassene Süßstoffe in der Lebensmittelindustrie der Europäischen Union (EU) benutzt werden.

Acceptable Daily Intake

Acceptable Daily Intake (ADI) ist die englische Bezeichnung für die erlaubte Tagesdosis (ETD) einer bestimmten Substanz, die bei lebenslänglicher Einnahme als medizinisch unbedenklich betrachtet wird.

Sie wird in Milli- oder Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag angegeben. Ein ADI-Wert von 20 mg/kg würde also bedeuten, dass man 20 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag zu sich nehmen könnte, ohne gesundheitliche Schäden erwarten zu müssen.

Die Werte werden durch Fütterungsversuche an Ratten und Mäusen erhoben. Den Versuchstieren wird die zu untersuchende Substanz in unterschiedlich hohen Dosen angeboten oder zwangsverfüttert. Werden bei den Tieren schädigende Wirkungen erkannt, wird die ermittelte Dosierung durch den Sicherheitsfaktor 100 für den Menschen dividiert. Das Zusammenwirken verschiedener Lebensmittelzusatzstoffe kann dabei nur teilweise berücksichtigt werden.

Dass diese mit Vorsicht und nur in Maßen zu genießen sind, sieht auch der Gesetzgeber so, denn für jeden Süßstoff ist eine empfohlene Höchstmenge am Tag pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Der sogenannte Acceptable Daily Intake, kurz ADI, soll Verbraucher vor möglichen gesundheitlichen Folgen des Süßstoffkonsums schützen. Er gibt an, wie viel man jeden Tag bedenkenlos zu sich nehmen kann.

Doch schon an dieser Stelle stoßen interessierte Verbraucher schnell an Grenzen, denn nicht nur die Art und Weise, wie die tägliche Höchstmenge errechnet wurde, könnte hinterfragt werden, sondern auch, wie man als Verbraucher überhaupt herausbekommt, wie viel man von welchem Süßstoff mit Light-Produkten zu sich nimmt.

Die meisten Light-Produkte enthalten einen Mix aus verschiedenen Süßstoffen. Welche das sind, erfährt man zwar auf der Verpackung, wie viel wovon im Light-Produkt ist, bleibt bei der Mehrzahl der Hersteller ein Geheimnis. Eine im Labor getestete Cola ohne Kalorien enthielt 250 Milligramm Natriumcyclamat pro Liter. Bereits beim zweiten getrunkenen Liter ist die Höchstmenge für einen normalgewichtigen Durchschnittserwachsenen überschritten. Also doch lieber Hände weg von Light-Produkten?

Vorteile von Süßstoffen

Süßstoffe

Süßstoffe sind Zuckerersatzstoffe mit erheblicher Süßkraft und sehr wenigen Kalorien. Sie werden deshalb vor allem in Diät- oder Light-Produkten verwendet. Alle Süßstoffe werden synthetisch hergestellt, nur bei den Ausgangsstoffen unterscheidet man zwischen chemischer und natürlicher Herkunft.

Alle Süßstoffe sind von ihrer chemischen Struktur her in der Lage, an die Geschmacksrezeptoren im Mund anzudocken. Manchmal werden Süßstoffe mit Zuckeraustauschstoffen wie Fructose, Sorbit oder Xylit verwechselt.

Süßstoffe sind um ein Vielfaches süßer als Zucker und haben dabei so gut wie keine Kalorien. Abgesehen von Aspartam und Thaumatin werden alle zugelassenen Süßstoffe im Körper nicht verstoffwechselt und haben keine Auswirkungen auf den Insulinspiegel im Körper. Auch an der Bildung von Karies haben Süßstoffe keinen Anteil. Bakterien, die zu Karies führen, können nichts mit Süßstoffen anfangen.

Trotz aller aufgezählten Vorteile haben synthetische Süßmacher einen schlechten Ruf. Sie stehen im Verdacht, bei übermäßigem Konsum kurzfristig zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfällen, langfristig zu Übergewicht, Altersdiabetes und sogar Krebs zu führen. Weiterhin wird vermutet, dass Süßstoffe Multiple Sklerose und Alzheimer auslösen könnten. Trotzdem steigen der Anteil der süßstoffhaltigen Light-Produkte in jedem Supermarkt-Sortiment und parallel dazu der Anteil an übergewichtigen Menschen weltweit.

Falsche Fährte?

Light-Produkte scheinen beim Verbraucher die Überzeugung zu stärken, dass man von ihnen insgesamt mehr essen kann, ohne an Körpergewicht zu zunehmen. Doch das Gegenteil scheint der Fall. Vor allem der Konsum von süßstoffhaltigen Soft-Drinks steht im Verdacht, den weltweit massiven Anstieg von Übergewicht zu verursachen. Auch wenn in verschiedenen Studien ein Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Konsum von Süßstoffen über einen langen Zeitraum und einem Anstieg des Körpergewichts erkannt wurde, fehlt noch ein direkter Beweis dafür. Aber auch der umgekehrte Beweis, dass Süßstoffe die Pfunde purzeln lassen, steht noch aus.

Eindeutig bewiesen ist, dass Süßes das menschliche Belohnungssystem im Gehirn aktiviert, ganz egal, woher die Süße stammt. Dass der Mensch auf Süßes steht, hat evolutionsbiologische Gründe: Süßschmeckendes, das man in der Natur findet, ist meistens nicht giftig. Zudem assoziiert ein süßer Geschmack das Vorhandensein von Kohlenhydraten  - und damit den Genuss einer nützlichen Energiequelle für Menschen. Süßer Geschmack aus Süßstoffen täuscht den Körper und so kann es passieren, dass der kalorienreduzierte Joghurt beim Essen nicht die erwartete Befriedigung bringt wie ein sahniger, der von Natur aus reichlich Kalorien hat.

Quelle: n-tv.de

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