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Ein Tiger überblickt sein Revier im Nationalpark Bukit Barisan Selatan auf Sumatra.
Ein Tiger überblickt sein Revier im Nationalpark Bukit Barisan Selatan auf Sumatra.(Foto: Matthew Scott Luskin/dpa)
Dienstag, 05. Dezember 2017

Zahl um 95 Prozent gesunken: Sumatra-Tiger kämpfen ums Überleben

Auf Java und Bali sind die dort früher verbreiteten Tiger schon verschwunden. Nur auf Sumatra findet sich noch eine Unterart der beeindruckenden Wildkatzen. Aber auch ihr Überleben ist nicht sicher. Warum ist sie auch hier vom Aussterben bedroht?

Das Überleben der Sumatra-Tiger steht weiter auf der Kippe: In einigen Waldgebieten ihrer Heimat hat die Zahl der Tiere pro Fläche zwar zugenommen. Inselweit aber stellten Wissenschaftler jüngst einen Rückgang fest. Es gebe nur noch zwei robuste Populationen mit mehr als 30 fortpflanzungsfähigen Weibchen, berichten die Forscher im Fachblatt "Nature Communications". Anstelle von Bejagung bedrohe heute die Abholzung der tropischen Wälder die letzte noch verbleibende Insel-Unterart des Tigers.

Junges Tigermännchen im Gunung-Leuser-Nationalpark auf Sumatra.
Junges Tigermännchen im Gunung-Leuser-Nationalpark auf Sumatra.(Foto: Matthew Scott Luskin/dpa)

Die beiden anderen Insel-Unterarten des Tigers (Panthera tigris) auf Bali und Java sind bereits im 20. Jahrhundert ausgestorben, schreiben Matthew Luskin vom Smithsonian Tropical Research Institute und seine Mitarbeiter. Weltweit sei die Zahl der Tiger seit 1900 um 95 Prozent zurückgegangen. Sie leben heute nur noch auf einer Fläche, die etwa sieben Prozent ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets umfasst. Auch auf Sumatra ist die Tiger-Population auf zunehmend fragmentierte Waldgebiete begrenzt. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet die Sumatra-Tiger als vom Aussterben bedroht.

Genaue Zählung schwierig

Ihre genaue Zahl zu bestimmen, sei angesichts ihres weitläufigen Lebensraums, der insgesamt geringen Dichte und ihrer verborgenen Lebensweise schwierig, schreiben die Forscher. Um bessere Angaben zu bekommen, hängten sie viele Kamerafallen in den Wäldern auf, welche Fotos der Tiger schossen. Außerdem analysierten sie die bisher in Studien ermittelte Angaben zur Verbreitung des Sumatra-Tigers mit einer einheitlichen Methodik neu.

Sie kommen auf diese Weise zu dem Ergebnis, dass die Dichte der Tiere in unberührten Wäldern deutlich höher ist als in fortwirtschaftlich genutzten. Überrascht waren die Wissenschaftler von der Tatsache, dass die Zahl der Tiger ihrer Analyse zufolge in Wildparks zwischen 1996 und 2014 um jährlich knapp fünf Prozent zugenommen hat. Letzteres lasse vermuten, dass sich die Tiere von der früheren Wilderei erholten.

"Zerstörung von großen, unberührten Gebieten"

Ein ungetrübter Grund zur Freude sei das allerdings nicht: Inselweit schätzen die Forscher die Zahl der Tiger auf etwa 328 bis 908 Individuen - das entspreche einem Rückgang um 16,6 Prozent zwischen den Jahren 2000 und 2012, der wohl vor allem auf die Abholzung der Wälder zurückzuführen sei. So habe Sumatra zwischen 1990 und 2010 rund 37 Prozent seiner ursprünglichen Waldfläche verloren. "Die Zerstörung von großen, unberührten Gebieten bringt den Sumatra-Tiger einen Schritt näher in Richtung Aussterben", erläutert Luskin. "Wir hoffen, dass dies ein Weckruf ist."

Zwei Parks seien für das Überleben der Sumatra-Tiger von herausgehobener Bedeutung. Wenn Abholzung und Bejagung dort in Zukunft unter Kontrolle gehalten werden könnten, sei ihre Fläche groß genug, um jeweils mehr als 40 Weibchen im fortpflanzungsfähigen Alter Platz zu bieten. So könnten die Tiere auch ohne großangelegte Zuchtprogramme für mehr als 200 Jahre überleben. "Die verbleibende Ausdehnung ursprünglicher Wälder sicherzustellen ist jetzt absolut entscheidend, um zu gewährleisten, dass die Tiger unbegrenzt auf Sumatra erhalten bleiben", so Studienleiter Mathias Tobler vom San Diego Zoo Global.

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Quelle: n-tv.de

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