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Hunde geben Menschen Ruhe Tierische Therapeuten brauchen Supervision

Er ist kommunikationsfreudig und besitzt einen ausgeprägten Spieltrieb - der Therapiehund

Er ist kommunikationsfreudig und besitzt einen ausgeprägten Spieltrieb - der Therapiehund.

(Foto: dpa)

In psychosozialen Berufen ist die Belastung groß. Abfedern soll das die sogenannte Supervision. Nach Expertenansicht ist die nicht nur für Menschen ein Muss. Denn auch Hunde sind gerade von verhaltensauffälligen Patienten genauso gestresst wie Zweibeiner.

Ob autistische Kinder, verhaltensauffällige Jugendliche oder Demenzpatienten - der Blick aus braunen Hundeaugen erreicht auch jene, die der Umgang mit Mitmenschen vor Herausforderungen stellt. Aber wer denkt, dass Tiere den mitunter anspruchsvollen Umgang mit diesen Personen leichter wegstecken als Menschen, irrt. Nicht nur Psychologen und Therapeuten, auch Therapiehunde brauchen regelmäßig "Supervision".

So sollte bei Einsätzen der Tiere stets die menschliche Bezugsperson dabei sein, um Stress-Signale zu erkennen und dem Tier Rückzugsmöglichkeiten zu geben, so die Erlanger Wissenschaftlerin Andrea Beetz. "Wenn etwa mit verhaltensauffälligen Patienten gearbeitet wird, ist das für den Hund genauso anstrengend wie für Therapeuten", sagte Beetz, die unter anderem zu "tiergestützten Interventionen" forscht.

Kein Job für jeden Hund

Doch nicht jeder Hund kann spontan als Therapiehund eingesetzt werden, betont Beetz. Das Tier brauche eine entsprechende Ausbildung - und müsse bestimmte Eigenschaften mitbringen: "Der Hund muss von klein auf gut mit Menschen sozialisiert sein, er sollte verträglich sein, natürlich Spaß am Kontakt mit Menschen haben und auch eine gewisse Neugier mitbringen."

Therapeuten arbeiteten daher entweder mit ihren eigenen, speziell ausgebildeten Tieren oder mit einem Hundeführer zusammen. Das soll eine Überforderung des Hundes vermeiden. Im Rahmen der Ausbildung werden die Hunde unter anderem auf die Geräusche oder Gerüche in einem Klinik-Umfeld vorbereitet oder auf den Umgang mit motorisch eingeschränkten Menschen. "All das kann die Tiere irritieren", so Beetz.

"Der Hund sollte auch jährlich von einem externen Experten überprüft werden, am besten einem Verhaltensbiologen oder einem Tiermediziner mit Spezialausbildung." Die meisten Therapiehunde seien mindestens zwei Jahre alt, wenn sie eingesetzt werden können - und in der Regel sei mit acht oder neun Jahren auch schon Schluss: "Ältere Hunde haben einfach mehr Ruhebedürfnis."

Körperlicher Kontakt zu Hunden wirkt beruhigend

Gerade Demenzpatienten könnten von der Arbeit mit Hunden profitieren, sagt Beetz. Denn Menschen, die ihre Umwelt nicht mehr erkennen und auf Fremde oft mit Misstrauen reagierten, empfänden körperlichen Kontakt zu dem Tier als beruhigend. "Der Hund darf den Kopf in den Schoß legen, der kann gekrault werden", sagt sie zum Einsatz von Besuchs- und Therapiehunden.

Studien zufolge werde da bei vielen Menschen das Hormon Oxytocin ausgeschüttet - bekannt als "Kuschelhormon". "Die Stressrate geht runter, Ängste verringern sich, Vertrauen wird gestärkt", so Beetz zur Wirkung, die Therapiehunde auf Demenzpatienten haben können - vorausgesetzt, dass diese nicht grundsätzlich Angst vor Hunden haben.

Quelle: Eva Krafczyk, dpa

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