Wissen

Ein Viertel der Zugvogelarten in Gefahr Viel weniger Kuckucke rufen aus dem Wald

3hbp5550.jpg8052220288090641475.jpg

Ein Kuckuck: Für eine halbe Milliarde Zugvögel ist Deutschland eine wichtige Überflug- und Rastregion. Viele Arten wie der Kuckuck sind gefährdet, geht aus der ersten Roten Liste über wandernde Vogelarten in Deutschland hervor.

(Foto: dpa)

Jedes Jahr ziehen 500 Millionen Zugvögel über Deutschland hinweg, fast 280 Arten regelmäßig. Doch ein großer Teil von ihnen ist im Bestand bedroht - darunter ist sogar der bekannte Kuckuck. Aber das ist noch nicht alles: Auch die "Vorwarnliste" ist lang.

3hbo4652.jpg5939867400375053486.jpg

Gefährdeter Zugvogel: Ein Falkner mit einer Kornweihe in der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt.

(Foto: dpa)

Etwa eine halbe Milliarde Zugvögel pro Jahr machen Deutschland zu einer wichtigen internationalen Drehscheibe im Tierreich. Wildgänse, Störche oder Kiebitze ziehen jedes Jahr über Deutschland und nutzen das Gebiet auch als Rast- und Brutstätte.

Von den 279 regelmäßig vorkommenden Zugvogelarten ist knapp ein Viertel in ihrem Bestand gefährdet - darunter der Kuckuck oder die Kornweihe. Das geht aus der ersten Roten Liste über wandernde Vogelarten in Deutschland hervor, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Deutschen Rat für Vogelschutz (DRV) vorgelegt haben.

Rotkehlchen aus Skandinavien

Rote-Liste-Kategorien

Die Gefährdung von Arten wird durch die Einstufung in die vom Bundesamt für Naturschutz entwickelten Rote-Liste-Kategorien wiedergegeben.

0 ausgestorben oder verschollen

1 vom Aussterben bedroht

2 stark gefährdet

3 gefährdet

G Gefährdung unbekannten Ausmaßes

R extrem selten

V Vorwarnliste (noch ungefährdet, verschiedene Faktoren könnten eine Gefährdung in den nächsten zehn Jahren herbeiführen)

D Daten unzureichend

* ungefährdet

Zu den Vögeln, die nach Deutschland kommen, um hier zu überwintern, zählen etwa nordische Gänsearten oder auch Rotkehlchen aus Skandinavien, die sich von der in Deutschland heimischen Art unterscheiden.

Als gefährdet eingestuft wurden laut Liste etwa Kornweihe, Rotschenkel, Kuckuck und Ortolan. Weitere zehn Prozent der Vogelarten sind auf der Vorwarnliste verzeichnet. Die Bestände dieser Arten gehen bereits merklich zurück. Zu ihnen zählen Kiebitz, Turteltaube und Trauerschnäpper.

Deutschland bedeutend für Gastvogelarten

Die neue Rote Liste - bisher gab es eine solche Liste nur für in Deutschland brütende Arten - zeige die immense internationale Bedeutung Deutschlands für Gastvogelarten wie die Brandgans, die Samtente oder den Knutt auf, erklärte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Etwa 80 Prozent des nordeuropäischen Bestands der Brandgans versammeln sich nach BfN-Angaben im Sommer zur Mauser auf Sandbänken vor der Elbmündung. Ein Viertel des global bedrohten Weltbestands der Samtente überwintere in der deutschen Ostsee, wo die Art durch Beifang in Fischernetzen gefährdet sei. Jeder fünfte Sterntaucher überwintere in deutschen Nordseegewässern, wo sein Lebensraum durch Windenergieanlagen eingeschränkt werde.

Wichtiges Wattenmeer

Das Wattenmeer sei das wichtigste Rastgebiet für Watvögel auf dem Weg von Sibirien nach Westafrika und die norddeutsche Tiefebene das wichtigste Winterquartier arktischer Wildgansarten. Ein Großteil des Weltbestands der bedrohten Waldsaatgans überwintere in Ostdeutschland und leide dort unter der Jagd auf ähnliche Verwandte.

Die Bestände seien auch abhängig von effektiven internationalen Schutzmaßnahmen auf den Flugrouten, Rast- und Brutplätzen, erklärten die Autoren der Roten Liste. Die Bundesregierung stehe hier auch in der Pflicht, sich zu engagieren. Sie habe sich im Koalitionsvertrag zu einem verbesserten Schutz von Zugvögeln bekannt.

Die Situation bei den Zugvögeln sei insgesamt etwas besser als bei Deutschlands Brutvögeln, denn dort stünden 42 Prozent auf der Roten Liste und weitere 8 Prozent auf der Vorwarnliste, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Doch gäbe es bei bestimmten wandernden Vogelarten besondere Sorgenkinder: "Bedroht sind vor allem die weitziehenden Arten, die bis südlich der Sahara fliegen, während solche mit nur kurzen Wanderungen innerhalb Europas weniger gefährdet sind."

Quelle: ntv.de, abe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen