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Kleiner ist schneller tot Wie Buntbarsche ihre Spermien trimmen

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Ein männlicher Buntbarsch des Typs Nestmännchen.

(Foto: Michael Taborsky, Universität Bern)

Die Paarungskonkurrenz unter Männchen ist im Tierreich groß. Auffällige Farben, Federn oder Balztänze sind gängige Strategien, um den Nebenbuhler zu übertrumpfen. Fische taktieren sogar mit der Ausstattung ihrer Spermien.

Buntbarsch-Männchen weiten ihre Befruchtungstaktik bis auf die Spermien aus. Das haben Forscher um Professor Michael Taborsky von der Universität in Bern herausgefunden. Dabei fanden die Wissenschaftler im afrikanischen Tanganjikasee zwei verschiedene Arten von Buntbarschmännchen, die sie in Zwergmännchen und Nestmännchen einteilten. "Bei Buntbarschen im Tanganjikasee, die in leeren Schneckenhäusern brüten, findet man eine ganz knifflige Aufteilung der Rollen von Männchen in der Befruchtung von Eiern", erklärt Taborsky.

Die größeren Nestmännchen sammeln leere Schneckenhäuser, um sie den Weibchen als Bruthöhle zu schenken und dann ihre Spermien über den abgelegten Eiern abzugeben. Die winzigkleinen Zwergmännchen dagegen nutzen die herangeschleppten Schneckenhäuser, um sich darin zu verstecken. Sie drängeln sich an den weiblichen Tieren vorbei und schwimmen in die Spitze des Schneckenhauses. Da sie nur ein Sechzigstel der Masse der großen Nestmännchen besitzen und leicht von diesen gefressen werden können, ist diese Aktion äußerst riskant für sie.

Der Vorteil an diesem Versteck besteht allerdings darin, dass sie von hier aus eine gute Chance haben, die im Schneckenhaus abgelegten Eier zu befruchten. Die Spermien haben einen kurzen Weg. Die Nestmännchen hingegen haben lediglich die Möglichkeit, ihre Spermien am Eingang des Schneckenhauses abzugeben, da sie viel zu groß sind, um in das Schneckenhaus hineinzuschwimmen. Ihre Spermien müssen im Vergleich einen relativ langen Weg bis zu den Eiern zurücklegen.

Spezialisierte Spermien

Die Wissenschaftler, die die Spermien der beiden Buntbarsch-Männchentypen untersuchten, stellten nun fest, dass diese für die verschiedenen Befruchtungstaktiken gut ausgestattet sind. "Während die Keimzellen der Zwergmännchen am Anfang sehr schnell und zielgerichtet schwimmen, sind die Nestmännchen-Spermien im Vergleich dazu eher träge und weniger effizient im Verfolgen ihrer Schwimmrichtung", so Taborsky. Dies macht sich dennoch mit der Zeit bezahlt: Während die schnellen Spermien der Zwergmännchen sehr bald ermüden und nach zwei bis drei Minuten schließlich ganz absterben, leben die Nestmännchenspermien wesentlich länger und können auch nach dem langen Weg, den sie zurücklegen müssen, endlich die Eier befruchten.

Die Forscher konnten mit ihren Ergebnissen zeigen, dass die Spermien verschiedener Männchentypen der gleichen Art auf verschiedene Leistungsmerkmale spezialisiert sein können. Die Unterschiede sind an der verschiedenen Ausstattung der Spermien zu erkennen. Die Köpfe der Spermien der Nestmännchen sind größer. Sie verfügen damit über mehr Energiereserven, können sich aber gleichzeitig nicht so schnell bewegen. Die Keimzellen der Zwergmännchen dagegen sind schnell, haben aber kaum Energiereserven, um längere Zeit zu überleben.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Science Advances".  

Quelle: ntv.de, jaz

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