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"Die Angst pfeift immer mit" Wie Schiedsrichter mit Angriffen umgehen

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Schiedsrichter müssen sich mit einer Reihe von Anfeindungen auseinandersetzen.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht", ist nur einer der drohenden Sätze, die Fans am Fußballplatz skandieren. Welche Aggressionserfahrungen Schiedsrichter machen und was diese mit ihnen anrichten, kann erstmals wissenschaftlich belegt werden.

Beleidigungen, Gewaltandrohungen oder tatsächliche Angriffe: Schiedsrichter im Amateurbereich sind regelmäßig verschiedenen Aggressionen ausgesetzt. Das ist eines der Ergebnisse der Studie von Adrian Sigel von der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

In seiner Untersuchung befragte der Absolvent mehr als 900 Unparteiische im Amateurbereich mit einem Fragebogen. Sigel erfuhr durch sein Studiendesign direkt von den Schiedsrichtern, wie sie über Aggressionen durch Spieler, aber auch von Fans, Trainern, Funktionären und sogar Ordnern denken – und, welche Ursachen sie diesen zuschreiben. "Die Befragten führten an, dass mit dem Fußball eine spezielle Emotionalität verbunden ist, die die Entstehung von Aggressionen zu begünstigen und teilweise zu legitimieren scheint", sagte Sigel in einem Gespräch mit n-tv.de. Zudem sei auch ein wachsendes Aggressionspotenzial in der gesamten Gesellschaft, das im Fußball ein Ventil findet, eine Ursache, waren sich die Schiedsrichter sicher.

Aggressionen können Identität stärken

Darüber hinaus konnte an den Antworten abgelesen werden, wie die Schiedsrichter mit den Aggressionen umgehen, welche Strategien sie dafür entwickeln und zu welchen Konsequenzen diese Erfahrungen bei den Befragten führen können. Das Spektrum dabei war weit und reichte von einer kritischen Selbstreflexion über die Gewöhnung an Aggressionen bis hin zum Rücktritt vom Schiedsrichteramt. Viele der Befragten gaben an, die belastenden, negativen Erfahrungen auch als persönlichen Wachstums- und Reifeprozess zu erleben, der identitätsbildend beziehungsweise identitätsstärkend ist.

Die Untersuchung beleuchte erstmals die Thematik nicht durch von außen applizierte Schemata, sondern direkt von den Interviewäußerungen der Schiedsrichter, lobt Prof. Sabine Windmann vom Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie II an der Goethe-Uni die Arbeit.

Quelle: ntv.de, jze

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