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Forscher erhärten Vermutung Wie Stress dem Herzen zusetzt

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Reanimation, wie hier an einer Übungspuppe, ist die erste Reaktion, die auf einen Herzinfarkt folgen muss.

(Foto: picture alliance / dpa)

Menschen, die regelmäßig großem Stress ausgesetzt sind, besitzen ein höheres Risiko für Durchblutungsstörungen von Herz und Gehirn. Diese weithin anerkannte Vermutung können US-Forscher nun untermauern. Dabei zeigen sich auch Mäuse äußerst stressanfällig.

Dem Verständnis vom Zusammenhang zwischen chronischem Stress und den Volksleiden Herzinfarkt und Schlaganfall sind US-Wissenschaftler eigenen Angaben zufolge ein Stück näher gekommen. Der an der Harvard Medical School in Boston tätige Systembiologe Matthias Nahrendorf erläuterte als Co-Autor der Studie, dass chronischer Stress zu einer erhöhten Produktion weißer Blutkörperchen führe.

Diese könnten in der Folge verklumpen und so die Arterien verstopfen. Ihre Ergebnisse stützen die Forscher einerseits auf die Beobachtung von medizinischem Personal, andererseits auf eine Versuchsanordnung mit Mäusen, die gezielt unter Stress gesetzt wurden.

Weiße Blutkörperchen, die Leukozyten, seien einerseits "wichtig, um Infektionen zu bekämpfen und zu heilen", sagte Nahrendorf. Wenn es aber zu viele Leukozyten gebe und diese sich an den falschen Stellen ansammelten, "dann kann das schädlich sein".

Immunsystem auf Hochtouren

Dass es einen Zusammenhang zwischen Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt, war schon lange bekannt, doch wollten die Forscher die Wirkmechanismen besser verstehen. So untersuchten sie 29 Mitarbeiter einer Intensivstation, bei denen aufgrund der hohen Verantwortung für Entscheidungen über Leben und Tod davon ausgegangen werden konnte, dass sie bei der Arbeit einen hohen Stresspegel haben.

Durch die Auswertung von Fragebögen und Blutproben, bei denen zwischen Arbeitszeit und Freizeit unterschieden wurde, konnten die Forscher einen Zusammenhang zwischen Stress und Immunsystem nachweisen. Eine Zunahme von Stress lief auf eine erhöhte Produktion von weißen Blutkörperchen hinaus.

Die fatalen Auswirkungen der erhöhten Produktion von weißen Blutkörpern sind jedoch gekoppelt an andere Risikofaktoren. Gefährdet sind vor allem Patienten mit Arteriosklerose, bei denen der Durchfluss des Blutes durch die Adern ohnehin erschwert ist.

Mäuse reagieren wie Menschen

In den Versuchen mit Mäusen erfolgte ein Gegen-Check der gewonnenen Erkenntnisse. Die Forscher wählten Mäuse mit Arteriosklerose aus und setzten sie unter Stress, indem sie viele Mäuse auf engem Raum einsperrten und den Käfig erschütterten.

Sie konnten messen, dass bei den Mäusen die Produktion weißer Blutkörperchen zunahm, diese sich an den Innenseiten der Arterien festsetzten und damit die typischen Voraussetzungen für eine erhöhte Herzinfarkt- und Schlaganfall-Wahrscheinlichkeit schufen.

Zu den Risikofaktoren neben chronischem Stress zählen hohe Cholesterinwerte, hoher Blutdruck, Rauchen und eine genetische Disposition. Den Wissenschaftlern zufolge handelt es sich bei ihren in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlichten Erkenntnissen um den erstmaligen Nachweis eines "direkten biologischen Zusammenhanges zwischen chronischem Stress und chronischen Entzündungen".

Quelle: n-tv.de, bwe/AFP

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