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Neue Studie aus NRW Wo im Haushalt das Coronavirus lauert

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Forscher der Uni Bonn haben auch das Schmutzwasser von Waschbecken auf Sars-CoV-2 untersucht.

(Foto: imago stock&people)

Wenn ein Mensch mit Sars-CoV-2 infiziert ist, besteht auch für weitere Mitglieder seines Haushalts ein hohes Ansteckungsrisiko. Forscher der Uni Bonn untersuchen im Kreis Heinsberg, wo in der Wohnung das Virus lauert - und sie werden fündig.

Auf den Ausbruch des Coronavirus in Deutschland folgte der "Shutdown" - doch die Ansteckungswelle setzte sich fort. Bereits früh fanden Forscher heraus, dass sich das Virus auch in Haushalten stark verbreitet. Zwar geht man mittlerweile davon aus, dass die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch der häufigste Weg ist - etwa durch beim Husten, Niesen und Sprechen ausgestoßene Tröpfchen und Aerosole. Aber welche Rolle spielt die indirekte Übertragung im Haushalt, etwa durch Oberflächen?

Ein Team der Uni Bonn um Ricarda Maria Schmithausen und den bekannten Virologen Hendrik Streeck hat in einer neuen Studie untersucht, wo im Haushalt das Virus lauert. Dafür haben sie die häusliche Umgebung von Menschen im stark betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen unter die Lupe genommen. Und zwar jene Haushalte, in denen mindestens ein Mitglied positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Die Forscher machten in 21 zufällig ausgewählten Quarantäne-Haushalten Abstriche von Gegenständen, entnahmen Schmutzwasser-Proben aus Waschbecken, Duschen und Toiletten und filterten sogar die Luft der am häufigsten genutzten Räume. Die Proben wurden schließlich mit PCR-Tests auf das Coronavirus Sars-CoV-2 untersucht. Außerdem versuchten die Forscher im Labor herauszufinden, ob die gefundenen Viren tatsächlich noch ansteckend waren.

Viren auf der Fernbedienung

Das Ergebnis: Auf Oberflächen von festen Objekten wie elektronischen Geräten oder Türgriffen war die Ausbeute gering. Nur bei etwas mehr als drei Prozent aller Abstriche von Objekten wurde das Virus nachgewiesen. Darunter eine Fernbedienung, zwei Türgriffe aus Metall und eine hölzerne Herd-Abdeckung. Keinerlei Viren wurden hingegen auf Pflanzen, Haustieren, Lebensmitteln oder Kleidung gefunden.

Und in der Luft? Unter Laborbedingungen hatte sich gezeigt, dass durch Husten, Niesen oder Sprechen ausgestoßene Viren-Partikel bis zu zehn Meter weit fliegen und sich in der Luft auch anreichern können, so die Autoren. Sie stellten in den Wohnungen in Heinsberg daher Luftsammler auf, welche pro Minute rund 300 Liter Luft filterten. Dabei wurde darauf geachtet, dass sich kein Mensch zu nah oder zu weit entfernt von dem Gerät aufhielt. Das Ergebnis: Keine einzige der 15 Proben war positiv. Dies lege nahe, so die Forscher, dass die Übertragung durch in der Luft schwebende Aerosole "eine kleine Rolle" spiele.

Während auf Oberflächen nur selten und in der Luft gar keine Viren nachgewiesen werden konnten, waren die Ergebnisse in anderen Bereichen der Wohnung eindeutiger: in Waschbecken, Duschen und Toiletten. In fast jeder fünften Schmutzwasser-Probe aus Siphons von Waschbecken konnten Viren nachgewiesen werden. Nur ein bisschen seltener war dies in den Abflüssen von Duschen der Fall. Auch in Toiletten wurde das Coronavirus nachgewiesen - Proben aus fast jedem zehnten Klo fielen positiv aus.

Ansteckungsgefahr beim Klospülen

Aus Sicht der Forscher ist das Ergebnis nicht verwunderlich - schließlich finde sich die höchste Viruslast beim Menschen im Rachen und an den Händen. Virus-Partikel könnten daher durch Spucken nach dem Zähneputzen oder beim Händewaschen ins Waschbecken gelangen. Zudem sei durch andere Studien bereits bekannt, dass Viren auch im Stuhl oder Urin von Infizierten vorkommen, was die positiven Proben aus Toilette und Duschen erklären könne.

Aber ist das Badezimmer nun ein Ort, an dem ein hohes Ansteckungsrisikos herrscht, wenn eine im Haushalt lebende Person bereits infiziert ist? Auszuschließen ist dies nicht - in ihrer Studie weisen die Bonner Forscher darauf hin, dass sich etwa durch das Spülen der Toilette bei geöffnetem Deckel Tröpfchen oder Aerosole bilden könnten, durch die sich andere Menschen anstecken könnten.

Allerdings stellte sich bei der Studie auch heraus: In keiner der positiven Proben wurden Viren gefunden, die sich später im Labor als ansteckend herausgestellt haben. Allerdings könnten dies auch andere Faktoren, wie etwa Rückstände von Reinigungsmitteln im Waschbecken, verhindert haben. Daher verweisen die Forscher auf bestehende Hygiene-Empfehlungen: Händewaschen nach dem Kontakt mit Abwasser, Toiletten mit geschlossenem Deckel spülen und vermeiden, dass Trinkwasser oder die häusliche Umgebung durch Schmutzwasser kontaminiert werden.

Quelle: ntv.de