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500.000 oder weniger? Wöchentliche Corona-Testzahlen sind unklar

Der Ansturm auf Coronavirus-Tests ist riesig, die Labore können die hohe Nachfrage kaum bedienen. Experten sind sich alles andere als einig darüber, wie viele Tests wöchentlich durchgeführt werden. Unterschiedliche Fachleute liefern unterschiedliche Einschätzungen.

Gesundheitsexperten und Virologen sind sich uneinig darüber, wie viele Coronavirus-Tests in Deutschland wöchentlich durchgeführt werden. Die Zahlen klaffen teilweise weit auseinander. Nach Schätzung des Chefvirologen der Berliner Charité, Christian Drosten, werden pro Woche rund 500.000 Tests auf eine Coronavirus-Infektion durchgeführt. "Der Grund, warum wir in Deutschland im Moment so wenige Todesfälle haben, gegenüber der Zahl der Infizierten, ist hinreichend damit zu erklären, dass wir extrem viel Labordiagnostik in Deutschland machen", sagte Drosten. Letzte Schätzungen ließen vermuten, dass wöchentlich rund eine halbe Million sogenannter PCR-Tests durchgeführt würden. Dabei werden Abstriche aus Nase oder Rachen genommen und im Labor auf Viren-Erbgut untersucht.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, nennt dagegen deutlich geringere Zahlen - und geht davon aus, dass seit dem 9. März in Deutschland 410.000 Tests vorgenommen worden seien. Die KBV wirbt um Verständnis dafür, dass Menschen mit Krankheitssymptomen getestet würden. "Es macht keinen Sinn, gesunde, unauffällige Bürger zu testen", sagte er. "Auch wenn das für den Einzelnen vielleicht interessant sein kann, ist es medizinisch sinnfrei."

Keine Kapazitäten, "um 83 Millionen einfach mal eben durchzutesten"

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät allen Ländern, möglichst viele Menschen zu testen. Denn je mehr getestet werde, desto weniger Infektionen blieben unerkannt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte, dass Deutschland wegen sehr vieler Tests früh mit Vorbereitungen im Medizinbereich beginnen konnte. Die Kapazität liege mit 300.000 bis 500.000 Tests pro Woche auch im internationalen Vergleich sehr hoch.

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Der CDU-Politiker betonte zugleich: "Wir wollen viel testen, aber wir wollen zielgerichteter testen." Die Rate der positiven Tests sei bisher um die zehn Prozent gewesen. Das sei ein Indiz dafür, dass es zielgerichteter ginge. Daher seien die Kriterien überarbeitet worden. Man habe zwar große Kapazitäten, sie reichten aber nicht, "um 83 Millionen einfach mal eben durchzutesten".

Ab April könnte ein Coronavirus-Test deutlich schneller durchgeführt werden als bisher. Bosch hat einen neuen Schnelltest entwickelt, der in 2,5 Stunden ein Ergebnis zeigen soll. Das Produkt soll nach Angaben des Unternehmens schon im nächsten Monat auf den Markt kommen und zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie beitragen.

Quelle: ntv.de, sgu/AFP/dpa