Wissen
So ähnlich könnte der Planet um Proxima Centauri aussehen - sollte sich seine Entdeckung bestätigen.
So ähnlich könnte der Planet um Proxima Centauri aussehen - sollte sich seine Entdeckung bestätigen.(Foto: Nasa)
Freitag, 12. August 2016

So nah wie kein anderer Exoplanet: "Zweite Erde" um Nachbarstern entdeckt?

Möglicher Sensationsfund für die Astronomie: Forscher sollen einen Planeten um einen Stern entdeckt haben, der uns so nah ist wie kein anderer. Dort könnte es sogar Leben geben - und der Planet wäre für Raumschiffe erreichbar.

Bewahrheiten sich die Meldungen, steht die Astronomie möglicherweise vor einer Jahrhundert-Entdeckung: Bei der Suche nach erdähnlichen Planeten in unserer kosmischen Nachbarschaft sind Astrophysiker laut "Spiegel" fündig geworden. Sie entdeckten demnach einen Planeten bei unserem nächsten Nachbarstern Proxima Centauri, der 4,2 Lichtjahre von der entfernt ist.

Der Planet soll erdähnlich sein und sich in einem so günstigen Abstand um Proxima Centauri bewegen, dass auf seiner Oberfläche flüssiges Wasser vorkommen könnte. Wasser im flüssigen Zustand wird als Grundvoraussetzung für die Entstehung von Leben angesehen. Die Europäische Südsternwarte wollte den Bericht allerdings nicht bestätigen.

Video

Bisher wurden zwar bereits einige erdähnliche Planeten um Sterne herum entdeckt - aber bisher lagen alle in unerreichbarer Ferne. Die naheliegendsten bisher entdeckten Kandidaten sind laut dem Katalog erdähnlicher Planeten der Universität von Puerto Rico rund 22 Lichtjahre entfernt - mehr als 200 Billionen Kilometer. Proxima Centauri ist der der Erde am nächsten gelegene Fixstern. Es gibt sogar Vorhaben, mit kleinen Raumschiffen dorthin zu fliegen: Stephen Hawking, Mark Zuckerberg und der russische Milliardär Juri Milner planen eine Flotte von Mini-Raumschiffen, die mit hoher Geschwindigkeit zu eben jenem Sternensystem reisen soll, zu dem vermutlich auch Proxima Centauri gehört. Etwa 20 Jahre soll der Flug dauern.

Seit Anfang des Jahres wird nach Planeten gejagt

Dem "Spiegel" zufolge will die Europäische Südsternwarte ESO die Entdeckung des Planeten Ende August bekannt geben. Nach Informationen des Magazins verwendeten die Forscher ein Spiegelteleskop, das die ESO auf dem Berg "La Silla" in der chilenischen Atacama-Wüste betreibt. "Den kleinen Himmelskörper zu finden war ein hartes Stück Arbeit", zitierte das Magazin einen namentlich nicht genannten Astrophysiker, der dem Bericht zufolge an der Suche beteiligt war. "Wir bewegten uns an der Grenze des messtechnisch Machbaren." ESO-Sprecher Richard Hook erklärte jedoch zu dem angeblichen Sensationsfund, die Angaben basierten offenbar "größtenteils auf Gerüchten". Er könne den Inhalt des "Spiegel"-Berichts "nicht bestätigen". Die Ergebnisse der Suche nach einem möglichen Planeten bei Proxima Centauri würden "zur rechten Zeit bekanntgegeben", betonte Hook. Zuletzt wurden zahlreiche erdähnliche und größere Exoplaneten vor allem mit dem Weltraumteleskop Kepler aufgespürt. Insgesamt sind es bisher mehr als 2000.

Zur Suche nach einem planetaren Begleiter unseres nächsten Nachbarsterns hatten Wissenschaftler Anfang des Jahres eine Beobachtungskampagne mit dem Namen "Pale Red Dot" gestartet, an der auch die Öffentlichkeit via Internet teilnehmen konnte. Frühere Beobachtungen hatten bereits schwache Hinweise auf einen Planeten bei Proxima Centauri geliefert - für einen Nachweis reichten die damaligen Daten aber nicht aus. Bei der "Pale Red Dot"-Suche kam ein 3,6-Meter-Teleskop der ESO auf dem Berg La Silla in der chilenischen Atacama-Wüste zum Einsatz. Bei Proxima Centauri handelt es sich um eine sehr lichtschwache Sonne im Sternbild Zentaur am südlichen Sternhimmel, die nur in Teleskopen sichtbar ist. Der rote Zwergstern ist von Mitteleuropa aus nicht zu sehen.

Bereits 2012 vermeintlicher Planet in Sternsystem entdeckt

Proxima Centauri befindet sich in großer Nähe zum hellen Doppelsternsystem Alpha Centauri - die Mehrzahl der Astronomen hält es für möglich, dass die drei Sonnen sogar ein Dreifachsystem bilden. Die hellen Sterne Alpha Centauri A und B sind allerdings ein winziges Stück weiter von der Erde entfernt. Proxima Centauri - einer der drei Sterne in dem Sternsystem - ist ein roter Zwerg und steht im Sternbild Zentaur am südlichen Sternenhimmel. Im Vergleich zu unserem Heimatstern, der Sonne, ist Proxima Centauri allerdings winzig. Er besitzt wohl gerade mal ein Zehntel ihrer Masse und nur ein Siebtel ihres Durchmessers.

Allerdings hatten bereits im Jahr 2012 europäische Forscher die Entdeckung eines erdähnlichen Planeten im Sternsystem Alpha Centauri gemeldet. Auch dabei war das La-Silla-Observatorium zum Einsatz gekommen. Allerdings waren in jüngster Zeit Zweifel an dieser Entdeckung aufgekommen. Forscher kritisierten, dass es sich wohl nur um einen "Geisterplaneten" handelt - ein Phantom, das aus Messfehlern resultiert. Weitere Messungen in den Folgejahren konnten den Planet ebenfalls nicht zweifelsfrei bestätigen.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de