Frage & Antwort

Mobil trotz Krankheit Dürfen Epilepsie-Patienten Auto fahren?

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Für manche Menschen mit Epilepsie ist schon die Teilnahme am Verkehr als Fußgänger eine Herausforderung.

(Foto: imago stock&people)

Immer wieder sind epileptische Anfälle die Ursache für schwere Autounfälle. Der Großteil der Fahrer weiß um die Erkrankung und die damit verbundenen Risiken und steigt dennoch ins Auto. Ist das erlaubt?

Jeder zehnte Mensch hat in seinem Leben einen epileptischen Anfall. Bei den meisten bleibt dieser ein einmaliger Vorfall, der durch besondere Umstände ausgelöst wurde. Bei einigen anderen ist es der Beginn einer ernst zu nehmenden Erkrankung mit weiteren Anfällen. Diese unterscheiden sich jedoch in Art und Ausprägung von Patient zu Patient stark voneinander. Auch die Ursachen können sehr verschieden sein. Aus diesem Grund kann auch die Frage "Dürfen Epilepsie-Patienten Auto fahren?" nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden. Es müssen mehrere Dinge abgewogen werden.

Etwa ein Prozent aller Verkehrsunfälle passieren aufgrund eines epileptischen Anfalls. Bei rund einem Drittel davon erleben Fahrer zum ersten Mal eine solche Attacke. Damit ist Epilepsie als Ursache für Verkehrsunfälle im Vergleich zu anderen Krankheiten, die das Bewusstsein eintrüben können, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, relativ selten.

Der Facharzt klärt auf

Für autofahrende Epilepsie-Patienten gelten darüber hinaus besondere Regeln. "Jeder Patient, bei dem Epilepsie diagnostiziert worden ist, muss von seinem Facharzt über dessen Fahreignung aufgeklärt werden. Dieses Gespräch wird dokumentiert", sagt Prof. Susanne Knake, die das Epilepsiezentrum Hessen leitet, in einem Gespräch mit n-tv.de. Der wichtigste Parameter für die Kraftfahreignung eines Epilepsiepatienten ist dessen anfallsfreie Zeit. "Dazu gibt es ganz klare Richtlinien", so Knake weiter. In den sogenannten Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung der Bundesanstalt für Straßenwesen, kurz BAST-Leitlinien, wird geregelt, dass derjenige, der epileptische Anfälle hat, nicht in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu führen, solange das Risiko wiederholter Anfälle besteht. Diese Regel ist allgemein gültig.

Epilepsie-Patienten, die mit Medikamenten behandelt werden und ein Jahr lang ohne Anfälle sind, dürfen Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht und Motorräder fahren. Für Berufskraftfahrer, die Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht fahren wollen, gelten wesentlich strengere Regeln. Für alle gilt jedoch, dass nach Wiedererlangen der Fahrerlaubnis klinische Kontrolluntersuchungen nach einem, zwei und vier Jahren durchgeführt werden sollen.

Auch nach Absetzen der Medikation gilt für Epilepsie-Patienten ein Fahrverbot für den Zeitraum von drei Monaten. Auch in dieser Zeit müssen Patienten anfallsfrei bleiben. Ebenso wichtig ist es, mit dem Facharzt zu besprechen, inwieweit die Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Epilepsie-Patienten, die ihre Medikamente unregelmäßig einnehmen und dennoch ein Auto fahren, machen sich bei einem Unfall strafbar.

Übrigens: Wird Epilepsie als chronische Erkrankung diagnostiziert, dann wird weder der Führerschein entzogen noch geht eine Meldung darüber an die Fahrerlaubnisbehörde. Menschen mit Epilepsie sollten deshalb in erster Linie selbstverantwortlich handeln und die verordneten Zeiten, in denen sie kein Fahrzeug führen dürfen, einhalten. Kommt es in dieser Zeit zu einem Unfall, dann laufen Epilepsie-Patienten nicht nur Gefahr, ihren Versicherungsschutz zu verlieren, sie riskieren auch, eine Anzeige zu bekommen oder sogar durch ein Gericht zu einer Gefängnisstrafe und/oder zu lebenslangem Fahrverbot verurteilt werden.

Quelle: n-tv.de

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