Frage & Antwort

Frage & Antwort Können Raumdüfte Allergien auslösen?

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Mit Raumsprays sollen unangenehme Düfte verjagt werden.

(Foto: imago stock&people)

Düfte wirken direkt auf die Gefühlswelt. Aus diesem Grund werden sie gezielt in Wohnungen, Autos, Hotels und Boutiquen eingesetzt. Doch manchem fährt der gut gemeinte Geruch gemein in die Nase oder legt sich ungesund auf die Haut.

Düfte sind allgegenwärtig. Oftmals wird jedoch beim sinnlichen Erleben aktiv nachgeholfen. Duftkerzen, Raumparfüm oder Raumsprays sollen mit besonderen Gerüchen helfen, Wohlgefühle entstehen zu lassen. Doch manchmal löst die Beduftung lästige oder sogar schmerzhafte Reaktionen bei Menschen aus.

"Raumdüfte können allergische Reaktionen auslösen", sagt Professor Thomas Fuchs in einem Gespräch mit n-tv.de. "Völlig unvorbereitet kann so eine körperliche Reaktion von einer Minute auf die andere zum Vorschein kommen", betont der Hautarzt. Die Nase juckt und läuft oder die Haut fängt an sich zu röten und zu jucken. "Auch wenn relativ wenige Menschen auf Raumdüfte überempfindlich reagieren, beeinträchtigt das diese Menschen doch sehr", so der Experte weiter.

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Düfte schaffen Emotionen. In seltenen Fällen können Raumdüfte aber auch Allergien auslösen.

(Foto: imago/Westend61)

Prinzipiell können Raumdüfte, egal ob sie künstlich hergestellt sind oder aus natürlichen Essenzen stammen, bei jedem Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. "Dafür muss man kein Allergiker sein, sondern einfach besonders empfindlich auf diese Art der Umweltreize reagieren", sagt Fuchs. Das bedeutet, es kann jeden zu jedem Zeitpunkt treffen. Das hängt einerseits von der Konstitution des Menschen ab und andererseits von der Konzentration des Duftes in der Raumluft.

Düfte sind komplex

Doch auch wenn nicht alle Reaktionen auf Düfte auf eine Allergie zurückzuführen sind, können Duftstoffe dennoch, wenn auch relativ selten, solche auslösen. Das Problem dabei ist jedoch, dass Düfte aus sehr vielen Bestandteilen zusammengesetzt sind. Das macht Tests, in denen zweifelsfrei festgestellt werden kann, welcher Bestandteil des Duftes das Allergen bildet, zu einer komplizierten Sache. "Weil das schwierig und komplex ist, eine solche Allergie nachzuweisen, machen diese Tests nur erfahrene Ärzte in ausgewählten Zentren", weiß Fuchs.

Egal ob Allergie oder Überempfindlichkeit, auf Düfte können sowohl die Schleimhäute in den Atemwegen, was sich in juckender, laufender Nase oder auch Husten und Atembeschwerden zeigen kann, als auch die Haut reagieren. Bei der sogenannten luftgetragenen Kontaktallergie sind alle Stellen betroffen, die nicht von der Kleidung bedeckt sind und so direkt mit den Duftpartikeln in der Luft in Kontakt kommen, also meistens das Gesicht und die Hände oder auch die Arme. Die Haut entzündet sich und juckt stark. Durch Kratzen können Bakterien in die bereits entzündeten Stellen eintreten und so zusätzliche Komplikationen hervorrufen. "Patienten, die eine Kontaktallergie haben, leiden sehr", weiß Fuchs. "Ihnen geht es nicht gut. Sie gehen wegen ihres Aussehens nicht mehr unter Leute."

Aus diesem Grund rät Professor Fuchs, der als Hautarzt der Universitätsmedizin in Göttingen praktiziert, mit Nachdruck von der Verwendung jeglicher Raumdüfte ab. "Über Jahrzehnte hinweg konnte ich beobachten, dass solche Düfte immer wieder zu schwerwiegenden körperlichen Reaktionen führen, unter denen die Betroffenen schwer leiden", erzählt der Hautarzt aus seiner Praxis. Er selbst vermeidet rigoros jede Art von Raumdüften. Vor allem die aufgezwungenen Düfte, wie sie in öffentlichen Räumen wie beispielsweise in Kaufhäusern oder Hotels eingesetzt werden,  kritisiert Fuchs, der auch Vize-Präsident des Ärzteverbandes der Deutschen Allergologen ist.

Auch wenn Pollenallergiker im Sommerhalbjahr auf langes Lüften lieber verzichten, sollten sie über das Beduften ihrer Wohnung gar nicht erst nachdenken. Raumdüfte, Deodorants oder parfümierte Waschmittel können den bereits gereizten Schleimhäuten der Atemwege zusätzliche Probleme machen.

Übrigens: Nicht nur Düfte, die man über die Nase wahrnimmt, können Allergien auslösen. Auch Konservierungsstoffe in Farben, mit denen Wände gestrichen worden sind, die man aber über den Geruch gar nicht wahrnimmt, können bei manchen Menschen sehr unangenehme Kontaktallergien hervorbringen.

Quelle: n-tv.de

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