Frage & Antwort

Frage und Antwort, Nr. 363 Sterben Bäume an Altersschwäche?

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Bäume können alt werden, Jahrhunderte überdauern. Altern sie dabei auch?

(Foto: picture alliance / dpa)

Sterben Bäume an Altersschwäche? (fragt Roland M. aus Köln)

Bei einem Waldspaziergang kann man ehrfürchtig werden. Bäume, die über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte standhaft allen Widrigkeiten trotzen, sind keine Seltenheit. Da kommt man schon mal ins Grübeln darüber, ob das Alter diesen Pflanzen überhaupt etwas anhaben kann.

"Altersschwäche, wie wir sie beim Menschen kennen, spielt bei Bäumen tatsächlich eher eine untergeordnete Rolle", sagt Andreas Bolte vom Thünen-Institut gegenüber n-tv.de. Bäume haben nämlich keinen Kreislauf wie zum Beispiel Säugetiere. Ein Herz, das ermüden könnte, gibt es nicht. Bäume bilden hingegen immer neue Jahresringe und das heißt: neue Zellen. "Deshalb können sie eine längere Lebensspanne erreichen", so Bolte.

Dennoch: Eine Form der Altersschwäche, die letztlich zum Tod führt, gibt es auch bei Bäumen. Mit dem Alter können sich nämlich Bäume immer weniger gegen Krankheitserreger verteidigen. Und nicht nur das. "Auch jüngere Bäume machen ihnen zu schaffen, die den älteren ihre Lebensressourcen wegnehmen", so Bolte. Ältere Bäume könnten auch weniger flexibel auf Änderungen der Umwelt und auf Krankheitserreger reagieren. Häufig sei es letztlich eine Kombination aus mehreren Ursachen, die die Bäume dahinrafft, erläutert Bolte.

Bäume haben Lebensphasen

Auch wenn ein Baum vor Krankheiten verschont bleibt - letztlich gilt: Bäume sind Lebewesen und Lebewesen sind Sterbewesen. Das Alter, das Bäume erreichen, ist dabei sehr unterschiedlich. Während beispielsweise Birken maximal 100 bis 160 Jahre alt werden, bringen es Eichen auf einige Jahrhunderte mehr. Sie sterben erst nach 600 bis 1000 Jahren. "Bei Bäumen gilt die Faustregel: Je langsamer der Baum gewachsen ist, desto stabiler ist er", ergänzt Christine Bauer vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Bäume haben auch Lebensphasen, die sich - sehr grundsätzlich - abgrenzen lassen. In der Entwicklungsphase wächst ein Baum schnell und ist besonders vital. In der Reifephase erreicht der Baum die optimale Kronengröße und auch den Höhepunkt der Samen- und Blütenproduktion. Die Altersphase schließlich - die mit Abstand die längste aller Phasen sein kann - ist durch geringeres Wachstum und geringere Vitalität gekennzeichnet. Die Versorgung mit Nährstoffen wird zunehmend schwierig, weil zum Beispiel die Baumkrone schütter wird.

"Alte Bäume verlieren ihre Kraft und ihre Blätter", sagt Rüdiger Rosenthal vom Bund für Umwelt und Naturschutz gegenüber n-tv.de. "Irgendwann fällt sie dann ein Sturm - oder sie verdorren als blattlose Baumreste." Doch Rosenthal betont zugleich, dass auch tote Bäume eine wichtige Rolle für die Artenvielfalt spielen. "Es sind wichtige Rückzugsräume, nicht nur für Insekten." Wo möglich, lasse man solche abgestorbenen Bäume stehen, sagt Rosenthal. Wo sie aber eine Gefahr für den Straßenverkehr oder Fußgänger darstellen, müsse man entsprechend eingreifen.

Übrigens: Der älteste bekannte Einzelbaum ist eine Kiefer in den kalifornischen White Mountains. Das Exemplar der Pinus longaeva ist 5064 Jahre alt. Der älteste eigenständige sogenannte "klonale" Baum - der also mit anderen Pflanzen unter der Erde verbunden ist oder war -  findet sich in Schweden. Sein Name ist "Old Tjikko": Die Fichte bringt ganze 9550 Jahre auf ihre Lebensuhr.

Quelle: n-tv.de