Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 544 Warum erröten manche Menschen?

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Ertappt!

imago/Photocase

Angst, Scham oder Wut: Gefühle sind mit vielen unterschiedlichen körperlichen Veränderungen verknüpft. Manchmal werden sie für andere durch einen Wechsel der Gesichtsfarbe sichtbar. Viele leiden unter ihrem roten Kopf.

Ende des 19. Jahrhunderts galt es als besonders schicklich, wenn junge Frauen aus Scham erröteten. Die geschlechtsspezifische Schamesröte war gesellschaftlich anerkannt. Doch seitdem hat sich einiges geändert. Menschen, die erröten, fühlen sich dadurch oftmals eingeschränkt, von ihrer Umwelt abgewertet oder nicht ernst genommen. "Doch nicht das Erröten an sich, sondern die eigene negative Bewertung und die Angst vor Ablehnung durch andere sind das Problem für Betroffene", sagt die praktizierende Psychotherapeutin und Autorin Doris Wolf in einem Gespräch mit n-tv.de. "Erröten in allen Facetten wird in erster Linie als Zeichen der Verlegenheit und Schwäche angesehen", so die Expertin weiter, die sich mit ihrem Buch "Keine Angst vor dem Erröten" intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat.

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Manche schminken ihre Wangen sogar rot, um niedlich rüberzukommen.

(Foto: imago/Westend61)

Die sichtbaren Veränderungen, die sich auch als Flecken am Hals, in roten Ohren oder Wangen zeigen können, werden heute von Mitmenschen in verschiedenen Weisen bewertet. Oftmals ist das von der Beziehung zu dem Menschen und der Situation, in der dieser errötet, abhängig. Interpretationen von Unsicherheit oder Unbehagen sind geläufig. In manchen Situationen wird es von Außenstehenden auch als süß oder niedlich empfunden. Manchmal wiederum gilt es als Zeichen für Authentizität oder Sensibilität und macht sympathisch. Doch was passiert dabei eigentlich im Körper?

Es gibt viele verschiedene Ursachen für die Röte im Gesicht. "Erröten ist eine körperliche Reaktion, die von dem Betroffenen nicht direkt beeinflusst werden kann", erklärt Wolf. Niemand, der rot beziehungsweise nicht rot werden will, schafft das direkt durch Willenskraft und Anstrengung.

Der häufigste Auslöser ist immer ein Missgeschick und eine damit verbundene blitzschnell ablaufende negative Bewertung, die eine emotionale Erregung erzeugt und den Körper in eine Art Alarmbereitschaft versetzt. Botenstoffe werden ausgeschüttet und sorgen dafür, dass die Blutgefäße abrupt weit gestellt werden. Die verstärkte Blutfülle im Kapillarnetz des Gesichts nehmen Außenstehende als Rotfärbung der Haut wahr. Die dafür verantwortlichen winzigen Blutgefäße liegen weniger als einen halben Millimeter unter der Haut und erscheinen deshalb rot. Je heller die Haut ist, umso stärker ist die Rotfärbung sichtbar. Für viele Betroffene fühlt sich der Kopf, die Wangen, die Ohren an, als würden sie glühen. Sie fangen außerdem an zu schwitzen und der Herzschlag wird schneller.

Erröten ist menschlich

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Weil rote Wangen etwas Menschliches ist, wird es auch bei humanoiden Robotern installiert.

(Foto: imago stock&people)

Prinzipiell können alle Menschen erröten. Bei Tieren, auch bei Primaten, konnte das bisher jedoch nicht beobachtet werden. Schames- oder Zornesröte scheint also etwas sehr Menschliches zu sein. Ob diese Gabe mehr Männer oder mehr Frauen besitzen, weiß man bisher nicht genau. Es gibt aber Personen, denen es häufiger und intensiver passiert als anderen. Einige von ihnen leiden regelrecht darunter. "Als Ursachen gelten unter anderem eine generell erhöhte Angstbereitschaft, negative Denkgewohnheiten, ein geringes Selbstwertgefühl, die Neigung zur Selbstbeobachtung und Verhaltensdefizite."

Aus dem leichten Unbehagen beim Erröten kann eine echte Angststörung entstehen. Menschen, die eine sogenannte Erythrophobie haben, meiden jegliche Situationen, in denen sie erröten könnten und geraten dadurch immer tiefer in einen Kreislauf von Furcht und Unsicherheit. "Der Vorsatz 'Jetzt bloß nicht rot werden' funktioniert nicht und führt zum Gegenteil", betont Wolf. Ratsam hingegen sei, lange und tief zu atmen mit dem Wissen, dass jede Röte nach einigen Minuten auch wieder verschwindet, wenn der Körper sich entspannt. Entspannend wirke auch, sich das Erröten bewusst zu erlauben - etwa mit dem Satz: "Mein Körper macht nur seine Arbeit. Ich kühle ab." Hilfreich ist es auch, seine Aufmerksamkeit weg von der Röte auf ein neutrales Thema zu lenken.

Übrigens: Einen roten Kopf kann man auch durch andere Ursachen bekommen. Körperliche Anstrengung, Hitze oder Alkoholkonsum sind nur einige Beispiele dafür.

Quelle: n-tv.de

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