Frage & Antwort

Physiker bauen Wurfmaschine Warum fliegen Bierdeckel nicht geradeaus?

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Bierdeckel fliegen nicht wie Frisbees.

(Foto: imago images/Panthermedia)

Als Sammelobjekt oder Abrechnungshilfe: Bierdeckel sind eigentlich zum Schutz von Tischen gedacht, werden aber auch anderweitig, wie beispielsweise zum Zielwerfen genutzt. Warum sie dabei abdriften und wie man trotzdem treffen kann, erklären junge Physiker mit einem eigenwilligen Untersuchungsaufbau.

In Kneipen sind schon einige merkwürdige Trinkspiele entstanden. Dazu gehört auch das Werfen mit Bierdeckeln in einen Hut oder einen Eimer. Die landen nämlich nur sehr selten darin. Die Ursache dafür ist nicht unbedingt der Alkoholspiegel der Spielenden, sondern ein eigenartiges Aufrichten der Deckel und das Abdriften dieser im Flug.

Der Flugbahn von Bierdeckeln auf der Spur.jpeg

Das Physikerteam Christoph Schürmann, Johann Ostmeyer und Prof. Carsten Urbach (v.l.) haben das Rätsel des Bierdeckel Fluges gelüftet.

(Foto: Universität Bonn / Gunar Peters Media)

Für drei junge Männer stellte sich nach einem Kneipenbesuch in München die Frage: Warum fliegen geworfene Bierdeckel nicht geradeaus, wie beispielsweise Frisbeescheiben? Die Alltagsfrage quälte die jungen Physiker so sehr, dass sie den Dingen nun genauer auf den Grund gehen wollten. Als Forscher der Universität Bonn machten sie sich daran, die Frage wissenschaftlich zu klären und überlegten zunächst, welche Untersuchungsschritte dafür nötig sind.

Da Simulationen am Computer nicht so recht zu Ergebnissen führten, waren sich Christoph Schürmann, Johann Ostmeyer und Professor Carsten Urbach schließlich einige darüber, dass sie eine Bierdeckel-Schussmaschine bauen müssten. Das taten sie auch und ließen damit unzählige Male Bierdeckel durch die Luft fliegen. Die Bahnen dieser Deckel wurden mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichnet. Die Aufzeichnungen der Pappdeckelflüge wurden analysiert und schließlich mit den theoretischen Annahmen verglichen.

Wenig Zeit in der Luft

Die Forscher sahen, dass mit einer üblichen Wurftechnik der Pappdeckel nach spätestens 0,45 Sekunden abdriftet und schließlich zu Boden fällt. Grund dafür ist das Zusammenspiel von Gravitation, Auftrieb und Drehimpuls-Erhaltung, so die Erklärung in einer Mitteilung der Universität Bonn. Einerseits kippe der Deckel durch die Schwerkraft schon kurz nach dem Wurf etwas nach hinten. Er bekomme also einen Anstellwinkel, ähnlich wie ein landendes Flugzeug. Diese Neigung sorgt im Luftstrom für Auftrieb. "Allerdings greift die Auftriebs-Kraft nicht im Zentrum des Deckels an, sondern im vorderen Drittel", erklärt Physikdoktorand Johann Ostmeyer.

"Meist wird ein Bierdeckel beim Wurf in Drehung versetzt, ähnlich wie ein Frisbee", erklärt Ostmeyers Kollege Christoph Schürmann. Er werde dadurch zu einer Art Kreisel. Diese Rotation stabilisiert den Flug und verhindert das Überschlagen. Stattdessen führt die Auftriebskraft dazu, dass der Deckel zur Seite abdriftet. Dabei richtet sich der Deckel auf, verliert dann schnell an Höhe und fällt schließlich zu Boden. Dieser Ablauf ist für alle flachen, runden Objekte charakteristisch.

Tipps für das nächste Kneipenspiel

Durch ihre Analyse fanden die Forscher auch heraus, wie man Bierdeckel zielgenau werfen kann. "Wer wirklich weit und genau werfen möchte, der sollte die Deckel direkt senkrecht aufrichten und in Rückwärtsdrehung versetzen", rät Ostmeyer, der die Technik auch im Video präsentiert und gleichzeitig vor möglichen Verletzungen warnt.

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Am Schluss der Veröffentlichung im "The European Physical Journal Plus" schreiben die Forscher: "Unsere ehrliche Entschuldigung gilt allen, die von einem Bierdeckel getroffen wurden, sei es durch ungenaues Zielen oder dadurch, dass andere durch uns zu albernen Experimenten angestiftet wurden."

Übrigens: Mit der richtigen Technik und viel Übung können auch Bierdeckel, Spielkarten oder CDs besonders weit geworfen werden. Der Rekord im Bierdeckel-Weitwurf soll bei einem Brauerreifest in Coschütz 2008 aufgestellt worden sein und bei 38,26 Metern liegen. Der weiteste Wurf einer Spielkarte ist Rick Smith jr. gelungen. Er warf die Karte fast 66 Meter weit und bekam dafür 2020 einen Eintrag in Guiness Buch der Rekorde. Smith hält auch die Weltrekorde für den höchsten Wurf einer Karte und die genauesten Würfe von Karten.

Quelle: ntv.de, jaz

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